Biertrinken für den Regenwald?

Wer kennt es nicht: das Krombacher-Regenwald-Projekt. Günther Jauch verspricht in der Werbung: Mit jeder verkauften Kiste Krombacher-Bier werden 1 qm Dzanga-Sangha-Regenwald gerettet und damit auch die Elefanten, die dort leben. Im BWLer-Jargon heißt so eine Strategie Cause-Related-Marketing. Es geht zumeist um Kampagnen, bei denen der Verkauf von Produkten an Spenden für den guten Zweck gebunden wird. Odysso, das Wissensmagazin des SWR-Fernsehens, deckt jetzt eine Augenwischerei auf und stellt – passend zu unseren letzten Diskussonen um das Thema Glaubwürdigkeit – die Frage: Ist es legitim, dem Verbraucher vorzugauklen, er könne mit Biertrinken die Welt retten? Ein interessanter Beitrag – insbesondere für diejenigen, die mal den Blick hinter die Kulissen wagen möchten.

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7 Antworten auf Biertrinken für den Regenwald?

  1. Hannah sagt:

    Nur zur Info 😉
    Volvic macht auch etwas ähnliches: Für jedes Volvic, das gekauft wird, werden in der 3. Welt trinkbares Wasser oder Brunnen oder so zur Verfügung gestellt.
    Zu Beginn befand sich dieser Hinweis nur auf den Flaschen, jetzt gibt es auch schon einen Fernsehspot dazu.

  2. Hm noch ne kleine Anmerkung. Das ist der Trend vieler Konsumgüterunternehmen: CSR. Den Konsumenten wird immer wichtiger, was die Unternehmen der Gesellschaft zurückgeben. Das soziale Engagement der Unternehmen spielt mittlerweile eine große Rolle.

    Dieses Engagement wird durch Aktionen, wie das Krombacher Regenwald Projekt oder die Aufschriften auf Verpackungen von Weihenstephan Milch hervorgehoben. Durch dieses Engagement möchten sich die Unternehmen auf preiswerte Weise vom Wettbewerb differenzieren.

  3. Liebe Hannah, lieber Alexander,

    zunächst einmal vielen Dank für die Tipps und Anregungen. Es gibt in der Tat einen echten Trend hin zu zusätzlichen Verkaufsargumenten im Marketing, da reine Produktwerbung für die Steigerung oder Festigung von Absatz/Umsatz nicht mehr auszureichen scheint. Vielmehr gilt es, ganze Markenwelten zu kreieren, die in verschiedener Hinsicht emotional aufgeladen werden. Marginale Unterschiede gibt es dann bei den Begrifflichkeiten (also ob man das Kind nun CSR, CC oder Cause-Related-Marketing nennt), aber weniger bei den Zielen: Alle Konzepte haben im Sinn, letztlich Image und Umsatz eines Unternehmens zu steigern. Ich halte diesen Trend für bedenklich, wenn dem Verbraucher falsche Tatsachen vorgespiegelt werden (s.o.). Denn dann nützt das Engagement keinem: weder dem Unternehmen noch den Organisationen, die mit dem freiwilligem Engagement bedacht werden sollten. Im Gegenteil: Mangelnde Glaubwürdigkeit führt letztlich dazu, dass andere Produkte gekauft werden und für andere Projekte gespendet wird.

    Viele Grüße,

    Sandra

  4. Roni sagt:

    Hi Sandra,
    mir ist die Werbung auch gleich aufgefallen, aber ich habe die Werbung gesehn und mich etwas ganz anders gefragt:

    Woher nehmen wir uns denn das Recht die Anzuprangern, dass sie den Regenwald nicht roden dürfen, ohne ihnen wirkliche Alternativen zu bieten, wie sie ihren Lebensunterhalt verdienen können. Die Prangern uns auch nicht an und sagen, ihr dürft nicht in so einer Wegwerfgeselleschaft leben und lieber alles neu kaufen, weil das Reparieren zu teuer ist, oder ihr dürft nicht so viel Auto fahren, weil ihr damit die Atmosphäre verschmutzt und wir weniger Regen haben…. Vielleicht könnten die Leute vom Regenwald auch mal eine Werbecampagne machen: rettet die Welt und werdet Paten von Konsumenten, um ihnen zu helfen bescheidener zu leben ;-).
    Wir haben in unserer Gesellschaft bestimmte Werte, die werden einfach als gegeben hingenommen und nicht mehr hinterfragt. Besonders sieht man das in der Werbung. „Regenwald retten ist gut.“

    Gruß
    Roni

  5. Liebe Roni,

    dies ist ein grundlegendes Problem von Werbung: Sie vermittelt Werte aus einer bestimmten Perspektive bzw. aus einem konkreten Kulturkreis heraus und hat dabei v.a. den eigenen wirtschaftlichen Erfolg im Blick. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist das legitim: Schließlich ist es Aufgabe von Unternehmen Gewinne zu erwirtschaften. (Gut gemachte) CSR beansprucht für sich, dass es durch den Dialog mit den einzelnen Stakeholdern eben nicht in die Falle tappt (und sich auf Kosten anderer engagiert), sondern viele Perspektiven in ein einzelnes Konzept integriert. Dabei ist das Thema „Regenwald“ allerdings besonders heikel: Wie Du schon sagst, müsste man hier letztlich auch unsere Haltung ggü. der Natur etc. hinterfragen. Ich weiß jedoch nicht, ob das tatsächlich die Aufgabe von Unternehmen ist (sie sind ja Ausgangspunkt von CSR) – eine Umweltkampagne à la „Rettet den Regenwald“ würde ich mir jedenfalls eher von einer politischen Institituion wünschen, da man an der Stelle Glaubwürdigkeit und die Verpflichtung, für das Wohl der Gesellschaft zu sorgen, voraussetzen kann.

    Zum Schluss noch ein Linktipp für Dich und alle anderen (Danke an Alex): Das Süddeutsche Zeitung Magazin berichtet in der aktuellen Ausgabe über gesellschaftliches Engagement – besonders interessant dabei der Artikel Loyalität für ’nen Euro.

    Viele Grüße,

    Sandra

  6. Hi Sandra,

    schöner Linktipp und wofür das Dankeschön?
    Nun ja…mittlerweile bist du auch bei mir verlinkt…wirklich interessante Beiträge hier.

    Wobei ich schon sagen muss…dass bei der Rettet den Regenwald Kampagne niemand direkt angeprangert wird. Es geht hierbei ja darum, dass wir (Konsumenten) helfen können (zumindest in der Theorie) durch unseren Kauf dafür zu sorgen, dass neue Bäume etc. gepflanzt werden. Sofern dies in der Praxis umgesetzt wird und das gesellschaftliche Engagement der Unternehmen keine PR-Heuchelei ist, ist meiner Ansicht nach, nichts dagegen einzuwenden.

    Grüße

    Alex!

  7. Lieber Alex,

    in dem Fall warst nicht Du, sondern „unser“ Alex gemeint, der mich gestern im Chat auf die Inhalte des aktuellen Süddeutsche Zeitung Magazins hingewiesen hat 😉

    Dass beim Krombacher-Regenwald-Projekt niemand angeprangert wird, scheint aus unserem Blickwinkel klar zu sein. Was Roni jedoch anspricht, ist, dass wir in manchen Momenten zu schnell den Blick für andere Kulturkreise verlieren – oder, noch etwas drastischer formuliert – deren Perspektive erst gar nicht einnehmen. Diese Überlegung geht insofern weg von der Mikroebene des einzelnen Konsumenten und richtet sich vielmehr an Unternehmen und Gesellschaft.

    Viele Grüße,

    Sandra

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