Die Sache mit den Studienbeiträgen

Das fantastische Münchner Wetter hat ‚was für sich: Nicht nur dass man viel Zeit an der Isar, an nahe liegenden Seen und in schattigen Biergärten verbringen kann, man – also ich – kann auch überdurchschnittlich viel lesen. So bin ich heute bspw. in der Wochenzeitung Die Zeit auf mehrere Artikel zu Studienbeiträgen gestoßen (leider nicht alle online). Überrascht hat mich darin etwa eine aktuelle Umfrage zur Akzeptanz der Studienbeiträge: Um die 70 Prozent der Studenten sind demnach inzwischen gegen die Gebühren bzw. unzufrieden mit der „Campusmaut“. Woher das kommt? Da gibt es auf der einen Seite diejenigen, die schon immer gegen Studienbeiträge waren – zentrales Argument: Soziale Ungleichheit werde gefördert. Protestiert haben aber die wenigsten, schien doch die Sache mit den zusätzlichen Kosten in fast allen Bundesländern unabwendbar. Neuen Auftrieb erhalten sie jetzt mit der Abschaffung der Studienbeiträge in Hessen (siehe z.B. Demonstrations-Aufruf des Augsburger AStA). Auf der anderen Seite gibt es diejenigen Studenten, die nun vom Einsatz der Gebühren enttäuscht sind. Denn an manchen Universitäten werden die Gelder nicht für diejenigen eingesetzt, die sie gezahlt haben, sondern aufwendig umgeschichtet (siehe Artikel zur Gebührenverwendung). Insbesondere die Naturwissenschaften sollen laut Zeit immens profitieren und zwar v.a. durch teure Geräte, weniger durch eine bessere Betreuungssituation. Überhaupt scheint das Thema „Betreuung“ dasjenige zu sein, das für die größte Enttäuschung sorgt: Wird nämlich die Verwendung von Studienbeiträgen durch die Fakultät/Hochschule nicht transparent dargestellt, wissen die Studierenden nicht, wohin ihr Geld fließt. Die Vermutung liegt nahe, dass dieses in der Verwaltung untergeht und nicht für das Studentenwohl eingesetzt wird. Insofern finde ich gut, dass zumindest bei uns im MuK-Studiengang klar ist, wofür die Beiträge eingesetzt werden: Neben einer erheblich besseren Ausstattung der Bibliothek und des Medienlabors mit AV-Geräten fließen die Gelder nämlich vornehmlich in die Lehre. Das wissen auch die Studierenden – und zwar spätestens dann, wenn sie in Seminaren mit nicht mehr als 15 Kommilitonen sitzen und zu Beginn jedes Semesters aus einem recht großen Pool an Veranstaltungen auswählen dürfen. Uns wird somit der Begriff „Studienbeitrag“ eher gerecht als anderswo: Dort sind es – legt man Stimmen aus dem Zeit-Artikel zugrunde – wohl doch eher Studiengebühren.

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5 Antworten auf Die Sache mit den Studienbeiträgen

  1. Ich bin bekanntermaßen Befürworter von Studiengebühren, *wenn und soweit* sie dafür sorgen, dass die universitäre Landschaft im Mikrobereich, also insbesondere auf Ebene von Lehrstühlen und Fakultäten, echtem Wettbewerb ausgesetzt wird und die Einnahmen explizit und möglichst unmittelbar für die Studenten, also die Lehre, nur bedingt die Forschung, investiert werden.

    Leider hat bisher kein (mir bekanntes) Bundesland eine Regelung gefunden, die über eine Gießkannenlösung hinausgeht, von einer Marktsituation ganz zu schweigen. – Es ist insofern nicht besonders verwunderlich, dass der Rückhalt in dem Teil der Studierendenschaft, die bisher für die Einführung von Studiengebühren war, rückläufig ist.

    Smile! Gerrit – Wir sprechen Online.

  2. … da stimme ich Dir zu! Schade nur, dass die wachsende Missstimmung bisher zu keiner Änderung der Gebührentaktik führt. Es wäre doch ein leichtes, Gelder allem voran für die Lehre einzusetzen – man müsste es sich nur weit oben auf die Agenda schreiben.

    Viele Grüße,

    Sandra

  3. Ich vermute, dieses kleine „nur“ widerspricht der systemischen Logik: „Der Politik“ spreche ich weitgehend schon grundsätzlich die Kompetenz ab, in diesem Feld zu entscheiden (zumindest ist mir keine einzige sinnvolle strategische Entscheidung bekannt – und Bologna liegt zweifelsohne nicht in Deutschland). Noch schlimmer sind aber m.E. die internen universitären Entscheidungsprozesse auf Ebene der Verwaltung und der Professuren: Wir haben mehrfach live miterlebt, welche Konsequenzen deren stumpfe Egomanie hat. Darüber hinaus glaube ich allerdings auch, dass vielen Studenten das ganze Thema letztendlich egal ist. Zumindest spricht dafür das grundsätzliche Kontra, statt einer sinnvollen Proaktivität. Nun ja…

  4. Ja, die Hochschulpolitik – jetzt machst Du aber ein Fass auf 😉

    Das Kontra der Studierenden ist im Übrigen durchaus verständlich: Wenn ich nicht weiß, wofür ich zahlen soll, warum soll ich es dann tun? Denn grundsätzlich gegen Studienbeiträge sind längst nicht alle. Ich habe schon den einen oder anderen gesprochen, der einen angemessenen Beitrag zahlen würde, solange dieser für das eigene Studium investiert werde. Bleiben zwei – vielleicht unlösbare – Probleme: Welcher Beitrag ist letztlich angemessen, vielleicht sogar gerecht? Wie kann man Chancengleichheit gewähren? Schwierige Fragen…

    Viele Grüße,

    Sandra

  5. Ne, ne, das Fass lassen wir lieber zu, auch das mit der „Gerechtigkeit“. 😉

    Mein Eindruck war eher, dass die überwiegende Mehrheit schlicht nur „Dagegen!“ war/ist, ohne darüber nachzudenken (oder sich überhaupt einmal zu informieren), ob die teilweise absurden Situationen nicht auch von den Studenten selbst gelöst werden müssten. Ich bin davon überzeugt, dass viele aus purer Faulheit (sich zu informieren) dagegen waren, nicht aus Überzeugung oder auf Basis guter Argumente.

    Die Frage der „Angemessenheit“, also der Höhe der Beiträge/Gebühren, sollte sich m.E. über den Markt einpegeln: In Ländern mit Studiengebühren gibt es günstige und teure Unis. Es gibt günstige und teure Fakultäten. Es gibt günstige und teure Studienfächer. Die Entscheidung, wie viel jedem einzelnen die eigene (Aus-)Bildung wert ist, möge er bitte selbst entscheiden.

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