Warum zitieren, wenn's auch so geht?

Woran merkt man, dass man schon eine ganze Weile im Unigeschäft ist? Ich finde, man merkt es spätestens daran, wenn man die Studierenden im Feedback darauf hinweist, in ihren Arbeiten sorgfältig zu zitieren. Ich habe in den letzten Tagen viele Seminararbeiten etc. korrigiert und eins fällt mir dabei immer mehr auf: Gerne werden Aussagen als bekannt oder als eigene Meinung dargestellt; je mehr reflexive Anteile in einer Seminararbeit gefordert sind, desto weniger werden theoretische Bezugsrahmen hergestellt. Ich finde das überaus schade, denn ich weise in meinen Aufgabenstellungen beständig darauf hin, dass theoretische Bezüge und eine ordentliche Form gewünscht sind. Nun frage ich mich, woran das liegt: Liegt es an meiner Aufgabenstellung? Ich hoffe nicht… Liegt es an mangelnder Erfahrung? Immerhin arbeite ich oft mit sehr jungen Studierenden zusammen… Liegt es an generell sinkender Zitierbereitschaft? Das wäre in der Tat sehr kritisch… Oder haben Studierende und Lehrende einfach einen anderen Anspruch? Denn vor wenigen Jahren (als Bachelorstudentin) war ich ähnlich zitierunfreudig und habe ziemlich viel herumgeschwafelt… Wahrscheinlich ist es ein bisschen von allem. Ich werde weiter an mir arbeiten. Vielleicht machen das die Studierenden ja auch – natürlich an sich selbst.

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5 Antworten auf Warum zitieren, wenn's auch so geht?

  1. Hannah sagt:

    hi sandra,

    ich glaube, dass deine Ansprüche zusammen mit deiner persönlichen Entwicklung einfach gestiegen sind :). Ich kann mich noch erinnern, als du meine Bachelorarbeit korrigiert hast – Deine Ansprüche an die Zitation waren damals schon viel höher, als meine (wobei ich nicht sagen würde, dass ich schlecht zitiere).
    Ich denke
    1. erst mit der Bachelorarbeit lernt man richtig zu zitieren
    2. und manche lernens selbst da nicht..

    Und dann fällt mir selbst natürlich auch oft auf, dass mit dem vielen Wissen, das man über das Studium sammelt, irgendwann viele Theorien einfach „Praxiswissen“ werden. Das bedeutet, dass es einem so vorkommt, als wüsste man das und man vergisst, dass das Wissen eigentlich von einem ganz anderen Ort stammt..

  2. Dominik sagt:

    ich sehe das wie Hannah, wobei ich mit einer eigenen Erfahrung das noch untermauern will:
    Ich merke oft, dass ich bei Artikeln, die nichts mit der Uni oder gar der Masterarbeit zu tun haben, immer in Versuchung bin, meine Literatur dazu anzugeben bzw. sehr oft auch bei Texten anderer vermisse, dass diese ihre Quellen preisgeben. Dann könnte ich mir nämlich eine langwierige Suche ersparen … 🙂

  3. Hi Ihr beiden,

    das mit dem gestiegenen persönlichen Anspruch will ich gerne zugeben – wäre auch ärgerlich, wenn sich in den zurückliegenden Jahren (Ausbildung, Studium etc.) nichts getan hätte. Generell glaube ich aber wie Du, Hannah, dass man erst mit der Bachelorarbeit das wissenschaftliche Arbeiten richtig ernst nimmt. Egal, ob man gut oder schlecht bewertet wird, die BA-Arbeit ist zumindest eine echte Schule… meistens, denn der eine oder andere kapiert es auch im Master nicht. Das stimmt leider auch. Grundsätzlich ist das aber ein Phänomen, was so eine Abschlussarbeit in der eigenen Haltung bewirken kann: Immerhin machen viele den Master und hatten in Form der BA-Arbeit gewissermaßen einen Problelauf auf die größere/wichtigere MA-Arbeit.

    Die Sache mit dem Erfahrungswissen kann ich auch gut nachvollziehen; manchmal sagt man Sachen, da weiß man schon gar nicht mehr, dass man sie zitieren müsste/könnte. Das ist auch völlig okay; mangelndes Zitieren fällt mir so oder so oft bei jüngeren Studierenden auf. Vielleicht müssen wir da noch stärker unterstützen (wobei ich rückblickend schon sagen muss, dass ich von Beginn des Studiums an wusste, was wissenschaftliches Arbeiten heißt, ich habe es nur nicht ganz so genau damit genommen ;-)).

    Was Domi anspricht, ist übrigens auch ein schönes Phänomen: Wenn einem bei ganz normalen Texten (z.B. in der Zeitung) gleich Theorien, Konzepte, Autoren einfallen, merkt man, dass man neben größer werdender Verwirrung doch das eine oder andere an der Uni gelernt hat 😀

    Viele Grüße,

    Sandra

  4. Dominik sagt:

    naja, wenn man vor der BA-Arbeit bereits bei Frau Prof. Tschopp ne HA verfasst hat, weiß man auch, wie Zitieren funktionieren soll *lol*

  5. Da hast Du aber besonders viel Glück gehabt 😉

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