Unternehmen "Universität"

Die Ökonomisierung der Bildung lässt mich nicht los. Am Montag hat der dritte und letzte Workshop unserer Reihe „Ist die Ökonomisierung der Bildung ökonomisch?“ mit der Hanns-Seidel-Stiftung stattgefunden, bei dem dieses Mal der Kontext „Hochschule“ beleuchtet wurde (Tamara und Frank berichten bereits). Auch wenn die Diskussionen später nicht so scharf wie erwartet verliefen, haben Prof. Hermann (TU München) und Prof. Mittelstraß (Uni Konstanz) anfangs doch idealtypisch zwei Positionen verkörpert, die ich per se interessant fand. Hermann stand für den Wissenschaftsmanager, der „seine“ Universität durch unternehmerisches Denken an Deutschlands Spitze gebracht hat. Überrascht hat mich seine Haltung gegenüber der Akkreditierungsthematik (nur drei Studiengänge der TU sind akkreditiert!) und gegenüber Drittmitteln (trotz 180 Mio. Euro Drittmitteleinnahmen betont er die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre). Mittelstraß dagegen kritisiert das Ökonomische derart, dass die Ökonomie nicht mehr wie früher dienend, sondern inzwischen herrschend über den Menschen und seine Bedürfnisse ist. In der Folge wird etwa Wissen als Ware begriffen und ein Verwertungsdruck des erworbenen Wissens entsteht. Wie bei den anderen beiden Workshops liegt die Wahrheit vermutlich einmal mehr in der Mitte (auch der Verein „Ökonomie & Bildung“ steht für ein aufgeklärtes Ökonomieverständnis). Bei den Statements und der folgenden Diskussionsrunde sind für mich allerdings drei Fragen offen geblieben:

  1. Leuchttürme vs. Otto-Normal-Universität: Welche Prinzipien sind von der einen auf die andere Hochschule übertragbar?
  2. Partizipation von Studierenden vs. Kundenorientierung: Wie gelingt es, unter Studierenden eine Kultur der Beteiligung zu schaffen?
  3. Gute Lehre vs. derzeitiger Betreuungsschlüssel: Wie kann man die Betreuung von Studierenden verbessern, wenn im Mittelbau kaum Ressourcen zur Verfügung stehen?

Alle Fragen machen natürlich große „Fässer“ auf; allerdings sollte man sie im Auge behalten, wenn man künftig vom Unternehmen „Universität“ spricht. Und wer das Thema vertiefen möchte, sollte sich den gleichnamigen Artikel von Heiner Keupp ansehen. Dort werden die zahlreichen Spannungsfelder, mit denen Universität im 21. Jahrhundert konfrontiert wird, aufgegriffen und kritisch reflektiert. Sehr lesenswert.

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