Öffentlichkeit: Funktionen, Rollen und Notwendigkeiten

In letzter Zeit finde ich das Thema „Öffentlichkeit“ zunehmend interessant und entdecke immer mehr Artikel, die sich mit der Öffentlichkeit in/von Lern- und Bildungsprozessen auseinandersetzen. Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang z.B. die Publikation von Meisel und Nuissl, die im Jahr 1995 in den Hessischen Blättern für Volksbildung folgende Funktionen, Rollen und Notwendigkeiten von Öffentlichkeit (in Abgrenzung zur Privatheit) im Kontext Weiterbildung ausmachen (vgl. Meisel & Nuissl, 1995, S. 114):

  • „Öffentlich“ als Gegensatz zu Verborgenem verlangt Transparenz.
  • „Öffentlich“ beinhaltet eine politisch-demokratische Dimension, nämlich Partizipationschancen.
  • „Öffentlich“ didaktisch interpretiert heißt nicht nur subjektiv interessante, sondern öffentlich relevante Themen aufzugreifen.
  • „Öffentlich“ bedeutet einen öffentlichen Raum zu haben (Zugänglichkeit), in dem ein öffentliches Forum stattfindet (Akzeptanz unterschiedlicher Meinungen).
  • „Öffentlich“ ist nicht identisch mit „staatlich“, sondern beinhaltet auch Staatskritik.

Auch wenn Öffentlichkeit und Privatheit mit der technologischen Entwicklung zunehmend verschwimmen, sind die Ausführungen aus meiner Sicht nach wie vor aktuell – vielleicht sogar aktueller denn je, da etwa Fragen der Partizipation seit dem Web 2.0 vermehrt diskutiert werden und Transparenz in den Bemühungen rund um OER eine zentrale Rolle spielt (siehe weiterführend Ehlers, 2009; OECD, 2007).

Quelle: Meisel, K. & Nuissl, E. (1995). Das „Öffentliche“ in der öffentlich verantworteten Erwachsenenbildung. Hessische Blätter für Volksbildung. 1995(2), 112-118.

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5 Antworten auf Öffentlichkeit: Funktionen, Rollen und Notwendigkeiten

  1. An diesen Grundlagen hat sich seit Jahrtausenden nichts entscheidend verändert. Sie waren, sind und werden immer die Grundlage von menschlichem Miteinander prägen.

  2. Leider geraten solche Grundlagen bei aktuellen Diskussionen zur Bedeutung von digitalen Medien für Lehren/Lernen schnell ins Hintertreffen – vielleicht sogar in Vergessenheit – was mitunter dazu führt, dass voreilige Schlüsse gezogen werden… von daher: Der Blick zurück lohnt. Aber wem sag ich das 😉

    Liebe Grüße,

    Sandra

  3. Joe sagt:

    wenn dir dazu den habermas reinpfeifen willst, der verstaubt bei mir langsam. schwerer stoff, aber gute lektüre…

  4. Griechen, Römer etc. haben das schon niedergeschrieben. Und vermutlich waren vorherige, stärker organisierte Öffentlichkeiten (Äqypter, Perser…) auch schon soweit. 😉

  5. @ Gerrit: Recht hast Du. Interessant in dem Zusammenhang übrigens:
    Neidhardt, F. (1994). Öffentlichkeit, öffentliche Meinung, soziale Bewegungen. In J. Friedrichs, M. R. Lepsius & F. Neidhardt (Hrsg.), Öffentlichkeit, öffentliche Meinung, soziale Bewegungen. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. Sonderheft (S. 7–41). Opladen: Westdeutscher Verlag.

    @ Joe: Danke für das Angebot… ich habe den guten alten Herrn nach sieben Jahren auch mal wieder hervorgekramt. Besonders passend: die Theorie des kommunikativen Handelns. Allerdings auch ziemlich abstrakt… oder wie Du sagst: schwerer Stoff 😉

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