Beobachtungen zwischen Tagungsdidaktik, Werkzeugkästen und Ökonomisierungstendenzen: die GMW’10

Über eine Tagung zu berichten, in die man selbst (im Vergleich zu den Vorjahren) stark involviert war, ist immer schwierig. Vermutlich ist das vor allem deshalb so, weil man irgendwie befangen ist und auch Zeit braucht, um die vielfältigen Erfahrungen sacken zu lassen. Vor allem braucht man aber auch eine Mütze Schlaf, weshalb inzwischen schon einige Rückblicke auf die GMW’10 online sind (Gabi, Kerstin, Mandy, Ralph und Thomas waren bspw. schneller), denen ich an vielen Stellen beipflichten kann. Ich will deshalb auf einen chronologischen Rückblick verzichten, den man eh viel besser anhand des Programms und an den gedruckten (und digital zugänglichen) Beiträgen festmachen kann als über die bloße Nacherzählung der von mir besuchten Sessions. Ein paar Fotos für den besseren visuellen Eindruck gibt es auch. Vielmehr will ich drei Beobachtungen herausgreifen, die mich die ganze Tagung über beschäftigt haben und die ich für mich zum Weiterdenken mitnehme:

1. Tagungsdidaktik statt Eventmanagement

Es ist vielleicht eine gewagte These, die Organisation von Konferenzen in die Nähe der Didaktik zu rücken. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass die Gestaltung von Veranstaltungen abseits von typischen Aspekten wie Zeit, Ort und Social Community Events inzwischen eine Rolle dabei spielt, ob man die Tagung nun besucht oder nicht und ob man sie als bereichernd empfindet oder enttäuscht nach Hause fährt. Auch beobachte ich schon eine ganze Weile, dass die Frage des richtigen Formats nach wie vor ungeklärt ist und höchst selten aus der Perspektive des Besuchers als Lernenden gestellt wird. Aus meiner Sicht steht nämlich auch hier die Lernerzentriertheit hinter all den Forderungen, Konferenzen „bunter“ zu organisieren, sodass man mal Input bekommt und mal aktiv mitdenken kann. Insofern ist schon verwunderlich, dass gerade Lehr-Lernexperten erst langsam auf die Idee kommen, ihre eigenen Veranstaltungen nicht mehr ausschließlich nach den Maßgaben des Eventmanagements zu organisieren, sondern so zu gestalten, wie sie (idealerweise) ihre mediengestützte Lehre organisieren würden, nämlich unterschieden nach Zielen und Zielgruppen auf den Ebenen von Prozess, Struktur und Technik mit dem Lernenden im Zentrum (siehe weiterführend Baumgartner & Bergner, 2003). Aus der Zeit meiner Bachelor- und Masterarbeit kenne ich die Literaturlage zu Tagungen und Kongressen sehr gut und weiß daher auch, dass dieser an sich triviale Schluss der Tagungsdidaktik bisher kaum präsent ist. Vielmehr wird über betriebswirtschaftlich günstige Faktoren berichtet, um eine Veranstaltung zum Erfolg zu machen (wobei der Erfolgsbegriff im Sinne der Betriebswirtschaft, streng genommen, sowohl positive wie auch negative Ausprägungen beinhalten kann). Natürlich spielen diese harten Faktoren auch weiterhin eine Rolle und ich will nicht wegdiskutieren, wie bisweilen dominierend Fragen der Finanzierung auf Veranstaltungen sind. Ich glaube allerdings, dass inzwischen die Zeit reif wäre, über ergänzende, weiche Faktoren nachzudenken, die dazu führen, dass Tagungen auch (oder wieder?) zu Lernräumen werden. Dies würde nämlich dazu führen, dass eben eine spezifische Tagungsdidaktik zum Zug kommt, die mit Sicherheit nicht ohne Vor- und Nachbereitung der Veranstaltung bzw. ohne Medien auskommt. Ein neues und stärker forschungsorientiertes Arbeitsfeld für die GMW?

2. Werkzeugkästen abseits von Hypes

Sprichwörtlich wird Stille gern auch als Ruhe vor dem Sturm bezeichnet. Ich habe allerdings nicht den Eindruck, dass dies wortwörtlich im Toolbereich gelten könnte – im Gegenteil: Während Twitter bei der letzten GMW-Tagung (besser gesagt: bei der E-Learning 2009) noch Stein des Anstoßes war, spielte das Medium dieses Jahr allenfalls noch in der unterhaltsamen und durchaus gehaltvollen Twitter-Lecture von Joachim und Koni eine Rolle. Wenn man überlegt, dass zwischen hitzigen Diskussionen und gelassenem Dasein lediglich ein Jahr liegt und es auf der parallel stattfindenden DeLFi zu ähnlichen Beobachtungen kommt, muss man sich schon auf die Suche nach Gründen machen. Einer dieser Gründe kann sein, dass sich eine gewisse Gewöhnung eingestellt hat und viele Twitter-Nutzer (Lesende wie Schreibende) inzwischen wissen, wie sie mit dem Tool umgehen sollen und letztlich auch, wozu es ihnen nützt. Ein weiterer Grund kann sein, dass man sich auf Veranstaltungen wie der GMW in Entschleunigung und Fokussierung übt (ganz im Sinne von Slow Media) und sich stärker den Inhalten der Tagung bzw. den teilhabenden Personen widmet. Vielleicht fehlt es inzwischen auch an Zugpferden, die eine ganze Gemeinschaft dazu bringen, meinungsbildende Tweets „unter die Leute“ zu bringen. Auch kann und muss man wieder den Hypecycle anbringen, wonach Twitter den Gipfel der (überzogenen) Erwartungen überschritten hat. Ohne die genauen Gründe für die auffällige Abstinenz zu kennen, muss man jedenfalls für die #gmw10 konstatieren, dass wenig getwittert wurde und auch die Gespräche höchst selten auf das Tool kamen. Fast hatte ich sogar das Gefühl, dass ich in meinem Vortrag zur Öffentlichkeit im Lehr-Lernprozess eine der wenigen war, die überhaupt Twitter als (eine) Möglichkeit zur Öffnung von Lehre thematisiert hat.


(Da die Präsentation bei Slideshare leider nicht einwandfrei dargestellt wird, gibt es für alle Interessierten die Präsentation auf der imb-Website auch als .pdf – Achtung, groß!)

Vielleicht sind es auch genau diese Metaebenen, über die man sich künftig mehr Gedanken machen muss, wenn es um den Einsatz von Tools für Forschen und Lernen geht. Jedenfalls habe ich von bloßen Produktvorstellungen, die auf die Einbettung in einen größeren (Handlungs-)Rahmen verzichten, ehrlich gesagt, die Nase voll.

3. (Zeit-)Ökonomisierung auf allen Ebenen

Auch dieses Thema mag für ein Fazit zur GMW-Tagung ungewöhnlich klingen – und vielleicht liegt es auch an der Brille, die ich bedingt durch unseren Verein immer wieder aufsetze. Aber ich werde den Eindruck nicht los, dass es auch auf wissenschaftlichen Veranstaltungen in hohem Maße zu einer Ökonomisierung kommt: im Vorfeld der Tagung beim Verfassen von Reviews, die zeit- und interessensbedingt mal kürzer und mal länger ausfallen, und neben einem kleineren, selbst formulierten Text dem Kreuzchen-Schema auf einer Skala von 0 bis 100 unterworfen sind und insofern nicht nur Zufriedenheit bei den Begutachteten hervorrufen, wie zu hören war. Auf der Tagung selbst geht es um die Sessions, die man besuchen will und doch nicht kann, weil andere spannende Vorträge parallel verlaufen oder man die neuen Formate austesten will. Auch hier hat der geneigte Besucher die Qual der Wahl, da schließlich auch die Kaffeeslots geplant werden wollen. Nach der Tagung geht es dann darum, möglichst rasch das Tagungsband digital zu erhalten und zu verbreiten, aus Neugier oder angetrieben vom Willen zur Erkenntnis. All diese Aspekte haben damit zu tun, dass Tagungsbesucher in hohem Maße ökonomisch agieren und dies (aus unterschiedlichen Gründen) letztlich auch müssen. Eine konkrete Lösung für das Problem habe ich nicht – aber ich wollte ja auch Beobachtungen herausstellen und keine Patentrezepte bieten. Zumindest im Hinblick auf das Review-Thema könnte ich mir vorstellen, dass sich demnächst einige Problemlöser zusammentun (die GMW nennt diese nun SIGs). Und auch für die anderen Themen formieren sich bestimmt die einen oder anderen Interessierten. Es bleibt also spannend 🙂

Nachtrag (21.09.2010): Inzwischen ist auch das Video zur Twitter-Lecture online verfügbar. Danke!! 🙂

Nachtrag (23.09.2010): Auch das Interview zum Projekt educamp meets GMW mit Thomas und mir gibt es nun bei e-teaching.org.

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31 Antworten auf Beobachtungen zwischen Tagungsdidaktik, Werkzeugkästen und Ökonomisierungstendenzen: die GMW’10

  1. cspannagel sagt:

    Tolle Zeichnungen in den Folien! Das ist ja mal eine klasse Idee!

    Noch ne Kleinigkeit: Ich bin über den Begriff „Tagungsdidaktik“ gestolpert. Ich bin deiner Meinung, dass das ein wichtiges Feld ist, würde aber eher von „Tagungsmethodik“ sprechen, da es dabei eher um methodische Fragen geht als um didaktische.

  2. Was hast du denn für einen Didaktik-Begriff, Christian? 😉 Didaktik ist die Lehre vom Lernen und Lehren, und zum Lehren braucht man Inhalte und Methoden. Methoden sind – jenseits der deutschsprachigen geisteswissenschaftlichen Tradition zumindest – Teil der Didaktik und zwar ein ganz wesentlicher! Ich hatte das ja auf der Podiumsdiskussion angemerkt, dass man evtl. eine Art Taxonomie analog zu didaktischen Taxonomien bräuchte, um je nach Thema, Ziel und Zielgruppe verschiedene Tagungsformate wählen oder auch kombinieren zu können, denn mit EINEM Format kann man eben nicht ALLE Wünsche erfüllen – das ist wie in der Lehre.

    Gabi

    Gabi

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  4. Alex sagt:

    Hallo Sandra (und hallo Gabi und Christian),
    den Begriff Tagungsdidaktik finde ich auch interessant und sah dabei u. a. Anknüpfungspunkte zur Diskussion um Kontextdesign. Bezüglich der Literaturlage zur Organisation von Veranstaltungen kenne ich mich kaum aus, soweit ich das aus meinem Studium aber noch erinnere, gab es im Bereich der Erwachsenenbildung durchaus Texte dazu (z. B. zur „Methode“ des Open Space).
    Liebe Grüße,
    Alex

  5. wneuhaus sagt:

    @gabi

    Die Methodik ist laut Klafki die Teildisziplin der Didaktik, die sich um Forschung und Theoriebildung zu den Organisations- und Vollzugsformen des Lehrens und Lernens bemüht. Insofern kann ich Christian hier eigentlich nur recht geben. Darum ging es doch in erster Linie bei der Diskussion um neue Tagungsformate, oder?

  6. khpape sagt:

    Ja, Danke für den Beitrag Sandra: „Tagungsdidaktik“ und „vom Teilnehmer ausgehen“ bringt es auf den Punkt.
    Tagungen werden aus meiner Sicht nur aus 2 Hauptgründen besucht: 1. um zu lernen, und 2. um persönliche Kontakte zu pflegen. Der 2. Punkt ist leicher zu realisieren – obwohl auch das mehr oder weniger gut vom Veranstalter unterstützt werden kann. Bleiben wir beim aus meiner Sicht wichtigeren 1. Punkt:
    Kaum jemand wird sagen, dass er zum Lernen hingeht (das hat wohl eher mit einer nicht immr positiven Assoziation von Lernen zu tun). Tagungen sind ja gerade deshalb interessant, weil man dort interessantes Neues erfährt. Die aufzunehmen ist ja nichts anderes als Lernen.
    Als Lern-Events werden die tausenden von Tagungen aber nicht geplant. Eher schon als Lehr-Events. Da steht dann die Optimierung des Vortragens, und der möglichst reibungslose Ablauf im Vordergrund. So als Angebot, aus dem die Teilnehmer sich schon das rausnehmen werden was sie möchten. Und da alle – Teilnehmer wie Veranstalter – jahrzehntelang daran gewöhnt sind, erwarten Teilnehmer nun auch die Show da vorn, für die sie i.d.R. viel Geld bezahlt haben. So nach dem Motto „Nun macht mich mal schlau“.

    Betrachtet man die Gesamtheit der Kompetenzen, die bei einer Tagung zusammenkommen (Teilnehmer wie Referenten) ist es ja geradezu eine Vergeudung von Ressourcen, wenn nur einige wenige Auserwählte dort offiziell zu Wort gebeten werden. Das Potential zum Lernen von Anderen ist ungleich höher, als mit den wenigen Referenten ausgenutzt wird.

    Das sind nur einige erste Gedanken, die Dein Beitrag bei mir ausgelöst hat. Bin jetzt erst richtig überzeugt, dass mit didaktischem Design von Tagungen noch ein riesiges Verbesserungspotential zu heben ist.

  7. cspannagel sagt:

    @Gabi Über die Trennung von Didaktik und Methodik kann man sich streiten. Wenn es um Lernen und Lehren (!) geht, ist das nicht zu trennen, klar. Dennoch kann man zwischen didaktischen und methodischen Überlegungen trennen. Didaktische Überlegungen beziehen sich tendenziell auf Inhalte, beispielsweise auf die Auswahl aufgrund von Alltagsrelevanz, Zukunftsrelevanz und exemplarischer Bedeutung (Klafki), oder auf die Sequenzierung von Inhalten. Methodische Überlegungen beziehen sich dann auf die konkrete Umsetzung.

    Der Begriff Didaktik ist daher für mich eher mit Inhalten und Lehren befasst. Um Lehren geht es aber auf Tagungen meiner Ansicht nach nicht, zumindest würde ich mich als Vortragender nicht als Lehrperson verstehen. Um Lernen gehts aber definitiv (da stimme ich Wolfgang Neuhaus zu), und um die methodische Organisation des Lernens. Daher tendiere ich dazu, von „Tagungsmethodik“ zu sprechen.

    Einwand gegen mich selbst: Mit didaktischen Überlegungen muss sich jeder einzelne Vortragende befassen, wenn er einen Vortrag vorbereitet (insofern übernimmt er doch in gewisser Weise Lehrtätigkeiten). Die Tagungsorganisation muss sich damit aber nicht befassen, sondern mehr mit den methodischen Rahmenbedingungen (insofern stimme ich mir doch zu). 😉

  8. cspannagel sagt:

    Noch was (nur eine Nuance): Wenn sich Mathematikdidaktik mit der Vermittlung von Mathematik befasst, und Fremdsprachendidaktik mit der Vermittlung von Fremdsprachen, dann befasst sich Tagungsdidaktik mit… äh…

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  10. Pingback: EduCamp(-Format) meets GMW

  11. @Christian: In der Tat, über den Didaktik-Begriff kann man streiten. Wenn man ihn aber so auf die Inhalte fokussiert, welchen Sinn haben dann z.B. „didaktische Szenarien“, die allgemein nutzbar sein sollen? Ich bleibe dabei: Ein moderner Didaktikbegriff muss Inhalte und Methoden in sich vereinen. Da mögen viele schlaue Herren der Schöpfung andere Dinge geschrieben haben. Wenn wir aber anwendungsorientiert denken und forschen wollen, dann sollten wir uns an den praktischen Erfordernissen und nicht an verstaubten Schriften orientieren. 🙂

    Gabi

  12. wneuhaus sagt:

    @Gabi Reinmann

    Also der verstaubte Herr Klafki 😉 ist da ganz Deiner Meinung: „Ein moderner Didaktikbegriff muss Inhalte und Methoden in sich vereinen“. Aber auch aus heutiger Perspektive gibt es gute Gründe verallgemeinerte didaktische Szenarien kritisch zu betrachten. Der Grund dafür, dass die Fachdidaktiken heute gegenüber der Allgemeinen Didaktik ein so großes Gewicht bekommen haben, liegt doch gerade darin, dass allgemein nutzbare didaktische Szenarien im Grunde eine praxisferne Fiktion sind. Das Gewinnen von Erkenntnis auf Basis von Experimenten im Physik-Unterricht erfordert völlig andere didaktische und methodische Entscheidungen als die Analyse von Gegenwartsliteratur im Sozialkunde-Unterricht. Das was man verallgemeinernd über beide Szenarien sagen kann, hat für die Praxis meist nur geringe Relevanz. Deshalb wurde der Allgemeinen Didaktik ja auch nicht ganz unbegründet vorgeworfen, dass sie im Grunde das „Stricken ohne Wolle“ erklärt.

  13. Wow, da bin ich einen Tag kaum online und Ihr habt das Thema Tagungsdidaktik schon derart weiterdiskutiert – klasse und danke an Euch alle 🙂

    Was habe ich inhaltlich beizutragen?
    Zunächst glaube ich auch, dass der Didaktik-/Methodenbegriff in der Tradition Klafkis an dieser Stelle vielleicht zu eng wäre, denn: Die Gestaltung einer Tagung betrifft ja nicht nur die Methoden, also wie Themen präsentiert werden, sondern beinhaltet etwa auch die Programmplanung. Programmplanung meint in diesem Kontext z.B. das Setzen eines Tagungs-übergreifenden Themas, die Auswahl von Artikeln mit dem angeschlossenen Review-Verfahren, auch kann es um die Verhältnismäßigkeit von Aktivierung ggü. dem Zuhören gehen. Ich finde, all diese Aspekte reichen weiter, als nur die Methodik einer Veranstaltung zu betreffen und gehören als didaktischer Rahmen, wie beim Lehren und Lernen, untrennbar zusammen.

    Auch wenn ich mich hier klar dafür ausspreche, den Blick über die Methoden hinaus zu werfen, wäre es, glaube ich, durchaus sinnvoll, die Literaturlage aus BWL (Eventmanagement) und Pädagogik (Methoden) einmal miteinander zu vergleichen. Mir ist jedenfalls noch kein Buch untergekommen, dass diesen Vergleich anstrebt und das Wissen über Sinn und Zweck einzelner Methoden mit dem organisatorischen Gesamtblick auf Veranstaltungen zusammenführt. Alex, vielleicht könnten wir in einem ersten Schritt unsere Unterlagen zusammenwerfen?

    Ganz froh bin ich auch über Deine eher Teilnehmer-orientiere Perspektive, Karl-Heinz. Ich glaube nämlich auch, dass man aus den Teilnehmern selbst viel mehr „rausholen“ könnte, wenn man ihnen die Chance geben würde. Allerdings stellen sich dadurch neue Probleme, die ja auch ständiger Kritikpunkt bei BarCamps sind: Wie gelingt es, die (neuen) Ideen und vorgestellten Projekte zu dokumentieren und derart auch sichtbar für die anderen Teilnehmer zu machen? Wie schafft man es, aus bloßen Gesprächen im Anschluss an die (Un-)Konferenz konkret weiter zu arbeiten? Die Aktivierung, die oft ins Anekdotische abdriftet, scheint hier auch noch nicht der Weisheit letzter Schluss 😉

    Sandra

  14. Hallo zusammen,

    ich glaube, da reden wir jetzt mit dem Didaktikbegriff ganz schön aneinander vorbei. Daher stelle ich nochmal klar, was MEINE Auffassung ist (der man sich ja nicht anschließen muss) (Am Rande: Einen der wenigen Bildungstheoretiker, den ich wirklich gut verstehe, ist Klafki, 😉 und ich stimme ihn in vielen, aber nicht allen Punkten zu.) (a) Ein moderner Didaktikbegriff sollte Inhalte und Methoden in sich vereinen. (b) In gewisser Weise ist das auch logisch, weil wir von „didaktischen Szenarien“ sprechen, die Vorschläge für das Arrangement von Methoden machen (wieso daraus folgen sollte, dass ich vor allem für allgemeine didaktische Modelle plädiere, kapier ich leider nicht). (c) Eben WEIL man Inhalte und Methoden zusammen sehen muss, folgt doch daraus, dass man Methoden AUCH bezogen auf Inhalte (und Ziele!) gestalten sollte, ohne dass allgemein didaktischen Konzepte damit gleich überflüssig werden.

    Metakommentar: Manchmal geraten solche Blog-Diskussionen argumentativ leider ganz schön aus dem Ruder, weil jeder mal schnell was schreibt (ich nehme mich nicht aus), ohne vorher wirklich GENAU gelesen zu haben. Von daher verabschiede ich mich jetzt aus dieser Diskussion, weil mich unlogische Schlussfolgerungen ein bisschen nerven. 🙂

    Gabi

  15. wneuhaus sagt:

    sorry, wenn mein Beitrag hier ein bischen neben dem eigentlichen Thema liegt. Ich beschäftige mich gerade mit den doch sehr unterschiedlichen Interpretationen des Didaktik-Begriffs. Da gibt es erhebliche Diskrepanzen insbesondere zwischen Positionen der Lehr-Lernforschung und der klassischen Lehrerbildung. Deshalb habe ich hier aufgehorcht als Gabi so vehement Christians Didaktik-Begriff hinterfragt hat. Klafki habe ich in diesem Zusammenhang eingebracht, weil der das Verhältnis von Methode und Didaktik sehr eindeutig analysiert hat. Also mich interessierte hier eigentlich nur der Umgang mit dem Begriff nicht die eigentliche Frage der Tagungsformate, zu denen Klafki sicherlich nicht viel beizutragen hat.

  16. cspannagel sagt:

    @Gabi Ich hoffe, du liest trotzdem noch, denn ich antworte dir jetzt. 🙂 Du hattest mich nach MEINEM Didaktik-Begriff gefragt („Was hast du denn für einen Didaktik-Begriff, Christian?“). Ich hatte dies versucht zu erläutern: Für mich ist der Begriff „Didaktik“ sehr eng mit „Lehren“ verbunden, „didaktische Überlegungen“ mit „Inhalten“. Daher passt meiner Ansicht nach der Didaktikbegriff im Kontext von Tagungen genauso wenig wie in der Verwendung des Worts „didaktisches Szenario“ – das klingt ähnlich furchtbar. 😉 Aber letztlich ist das auch nur ein Streit um deinen oder meinen Begriff von Didaktik, das führt nicht weiter. Inhaltlich sind wir uns vermutlich einig (nämlich dass da war her muss im Kontext von Tagungen), und wie man das Kind nennt, ist doch eh wurscht.

  17. Frank Vohle sagt:

    Hallo zusammen, spannende Diskussion :-).
    Vielleicht ganz interessant … Staub, F., Allgemeine Didaktik und Lernpsychologie: Zur Dynamik eines schwierigen Verhältnisses, S. 169ff. (Buch: Didaktik auf psychologischer Grundlage). Viele Grüße Frank

  18. wneuhaus sagt:

    @Frank Vohle

    Danke, spannender Tip, kenn ich noch nicht diesen Artikel
    Wolfgang

  19. @ Frank: Klasse, danke, wenn Du das Buch hast, kannst Du es ja bei Gelegenheit mal mitbringen – ansonsten leihe ich es mir anderswo aus. Immerhin deutet der Titel schon an, dass man an dieser Stelle kontrovers weiterdiskutieren kann und muss und dass andere hier schon den Anfang gemacht haben 😉

    Sandra

  20. wneuhaus sagt:

    Eine Sammlung von Artikeln, die diese Frage zentral aufgreifen findet sich auch in diesem von Karl-Heinz Arnold initiierten Buch: Arnold, K. – H., Blömeke, S., Messner, Rudolf, & Schlömerkemper, J. (2009). Allgemeine Didaktik und Lehr-Lernforschung – Kontoversen und Entwicklungsperspektiven einer Wissenschaft vom Unterricht. Bad Heilbrunn: Klinkardt.
    Grüße
    Wolfgang

  21. @ Wolfgang: Danke auch Dir für den Tipp; aus dem Buch kenne ich schon ein paar Artikel, die wirklich lesenswert sind. Insofern kann ich die Empfehlung hier nur unterstreichen 🙂

    Sandra

  22. zu Twitter auf GMW10 und Delfi10. bei der eLearning 2009 waren alle Twitterer zusammen auf einer Konferenz. Dadurch das die Gruppe gesplittet wurde, nahm das Twittern ab. Es ist ein Netzwerkeffekt. Je mehr Leute twittern über ein Ereignis stecken sie auch weiter Leute an es zu tun.
    Eine Halbierung der Gruppe und der Verlust von mindestens eines Hubs (@cspannagel) führen zu dem Fakt das wenig getwittert wurde.
    Das Thema wurde auf der Delfi auch nicht offensiv mit einer Twitterwall oder so angegangen. Auf der #elearning2009 hatten wir auf den Fluren z.B. die Wall.
    Für den Einsatz von einem Backchannel muss man auch die entsprechnede Methodik anwenden.

  23. @ Mo: Ja, stimme Dir in dem Punkt zu, dass man auch Rückkanäle schaffen muss, um die Dynamik eines Werkzeugs vor Ort zu erleben und vielleicht auch, um andere zum Mitmachen zu motivieren. Allerdings habe ich nicht erst seit der Tagung den Eindruck, dass der Hype um Twitter vorüber ist… geht es Dir da anders?
    Und es muss ja kein schlechtes Zeichen sein, wenn ein Hype abnimmt – im Gegenteil: Meist merkt man erst dann, wozu sich ein Werkzeug eignet und setzt dieses reflektierter ein (gilt sicher auch für Lehr-Lernkontexte).

    Sandra

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  27. In Ergänzung zu unserer Diskussion möchte ich auf zwei Links aufmerksam machen, die mir zugespielt wurden (danke!):
    http://foehrkommunikation.blogspot.com/2010/09/so-planen-sie-ein-tagung-mit-hoher.html
    http://www.amazon.de/Tagungsdidaktik-Ekkehard-Nuissl/dp/3763918507
    Beide Links deuten an, dass Veranstaltungen – neben der Eventmanagement-Perspektive – auch aus Sicht des Lernenden betrachtet werden können, auch wenn diese Betrachtung unter allen Kommentatoren hier (und auf den verlinkten Blogs) nicht nur auf Zustimmung stößt. Aus meiner Sicht wäre es daher sehr spannend zu betrachten, unter welchen Bedingungen Kontextdesign stattfinden kann und wann sich Teilnehmer allzu sehr „bevormundet“ fühlen.

    Sandra

  28. Über Twitter (via @dieGoerelebt) wurde ich heute auf Gartners Hype Cycle 2010 aufmerksam, der meine Einschätzung zur aktuellen Situation von Twitter (oder allgemeiner: Microblogging) bestätigt. Auch für andere Tools lohnt sich der Blick in die Grafik.

  29. Pingback: Ertappt! Oder nicht? « Sandra in the Sky

  30. Pingback: EduCamp meets GMW12: letzte Vorbereitungen | Sandra in the Sky

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