Irritation als Daueraufgabe?

Tamara schickte mir einen Link aus der Zeit, übertitelt mit „Die Superprofs„. Der Artikel ist grundsätzlich interessant, fokussiert er doch die Bedeutung der universitären Lehre. Auch deutet er alltägliche Konflikte von Wissenschaftlern an, wenn sie sich neben Forschung eben auch oder besonders mit Lehre auseinandersetzen wollen. Der Text steht insofern stellvertretend für eine Reihe (hochschul-)pädagogischer Innovationen, die sich aus dem Hochschulalltag ergeben und meist im direkten Zusammenhang mit anvisierten Lehr-Lernzielen in einer Lehrveranstaltung stehen. Wiedererkannt habe ich mich in einem Beispiel ganz besonders: So wird unter anderem auf „10-Minuten-Präsentationen“ eingegangen und dazu von Studierenden erwartet, ihre Ideen/Konzepte argumentativ zu durchdenken und zeitlich auf den Punkt zu bringen. Vermutlich ist es auch dieses Beispiel, das Tamara beim Linkversand in den Kopf kam, denn: In meinen Seminaren in Augsburg führte die zeitliche Engfassung bei Kurzpräsentationen zu großen Diskussionen unter MuK-Studierenden. Zu Beginn mussten fast immer Präsentationen abgebrochen werden, die sich nicht an die Zeitvorgaben hielten. Gegen Ende der Projektseminare haben sich die Irritationen oft gelöst, verbunden mit Verständnis für die leicht andere didaktische Konzeption. Daher kann ich die Schilderungen im Text gut nachvollziehen, die nicht nur spezifische Lernziele mit der Methode Kurzpräsentation verknüpfen, sondern auch verdeutlichen, dass ein anderes Vorgehen in der Lehre nicht zwingend von Lernenden gewünscht ist. Bei aller Hoffnung, Lehre durch unterschiedliche Formen der Förderung attraktiver und vielfältiger zu machen, steckt im durchwachsenen Lernendenfeedback die wohl größte Herausforderung für Lehrende. Denn wie viel Irritation und Diskussion lässt sich auf Dauer schon aushalten?

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3 Antworten auf Irritation als Daueraufgabe?

  1. Hallo Sandra,
    ich denke, es ist die Erfahrung vieler engagierter Hochschullehrer, dass neue Lehr-Lernkonzepte nicht zwingend willkommen geheißen werden, zumal wenn sie Erwartungen oder mehr oder weniger lieb gewordenen Routinen zuwiderlaufen oder die Beteiligten in Konflikte bringen, weil der Kontext (also z.B. der Rest eines Studiengangs oder die Prüfungskultur) nicht mit dem konform gehen, was man da mit seiner Neuerung nicht nur anbietet, sondern eben auch fordert. Man braucht also für neue Wege in der Lehre keinesfalls nur didaktische Fantasie und Engagement, sondern mindestens auch genauso viel Frustratationstorelanz und ein „dickes Fell“ 😉
    Gabi

  2. Mandy sagt:

    Hallo
    ja, das dicke Fell braucht man. Lehr-Lernkultur ändert sich nicht einfach nur durch innovative Lehrideen. Was mich am Artikel aber auch stört: (Wiedereinmal) wird so getan, als sei es alles gaaanz neu und innovativ, dabei hat es doch innovative Lehrkonzepte schon immer gegeben, sie waren halt bisher nicht so pr-wirksam – und auch die Vernetzung gab es schon länger, beispielsweise in Form der AHD (Arbeitsgemeinschaft für Hochschuldidaktik).
    Aber vielleicht wird ja diesmal alles besser

    Liebe Grüsse
    Mandy

  3. Sandra Hofhues sagt:

    Hallo Gabi und Mandy,

    vielen Dank für Eure Kommentare, die zwei wichtige Punkte aufgreifen:
    Denn ohne das dicke Fell hätten wir die letzten Jahre in der Lehre alle miteinander kaum überstanden – und vielleicht muss man (im positiven Sinne) auch ein wenig verrückt sein, um den ganzen Gegenwind in den jeweiligen Hochschulen auszuhalten. Ohne ein gewisses Maß an Überzeugung und die Bereitschaft, auch Durststrecken auszuhalten, wären explorative Lehrveranstaltungssettings jedenfalls wenig denkbar (um auch den Innovationsbegriff mal zu vermeiden, der vermutlich ebenso inflationär gebraucht wird wie der Kompetenzbegriff, aber das ist jetzt eine andere Debatte).
    Zum zweiten und damit zum kritischen Punkt: Ja, es gibt schon länger andauernde Diskussionen um Vernetzung in der Hochschuldidaktik und ja, sie tummeln sich mit großer Beständigkeit auf mikrodidaktischer Ebene, auch wenn es seit vielen Jahren ebenfalls Überlegungen in Richtung einer (pädagogischen) Hochschulentwicklung gibt. Insofern muss man zu so einem Artikel auch kritisch Stellung beziehen, der vermutlich im Zuge von Pressearbeit rund um das genannte Förderprogramm entstanden ist. So gut kennen wir alle „die“ (Massen-)Medien und ihre Mechanismen. 😉 Allerdings möchte ich an der Stelle die Pressearbeit ebenso wie die Aufmerksamkeit für „gute Lehre“ durchaus in Schutz nehmen, kommt auf diese Weise endlich eine Diskussion über das (Miss-)Verhältnis von Lehre und Forschung in Fahrt. Ich kann daher recht gut damit leben, wenn hier die Mechanismen „der“ Medien genutzt werden, um ein aus meiner Sicht wichtiges Thema weiter oder erneut auf die Agenda zu heben. Denn das ist die öffentlichkeitswirksame und/oder politische Dimension der Diskussion. Im wissenschaftlichen Diskurs fände ich es hingegen höchst fahrlässig, auf hochschulpädagogische Erfahrungen der letzten Jahrzehnte nicht zurückzugreifen.

    Liebe Grüße,

    Sandra

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