Rückblick: #jfmh14

Ein Rückblick auf ein ‚Event‘ der letzten Tage fehlt an dieser Stelle definitiv noch: Die Betrachtung des Jungen Forums Medien und Hochschulentwicklung, das in diesem Jahr zum dritten Mal ausgerichtet wurde und am 13. und 14. Juni 2014 an der TU Dresden stattfand. Die TU Dresden, insbesondere Andrea Lißner und Team, war dabei ein toller Gastgeber: Im modernen Informatikgebäude gab es genügend Platz für Austausch, aber auch eine ausreichende Zahl an Steckdosen und viele ungewöhnliche Sitzgelegenheiten, die sowohl die individuelle Programmgestaltung als auch Kollaboration über Fachgesellschaften und Tracks hinaus möglich machten. Inhaltlich bot die Tagung ein breites Spektrum an Themen und Vertiefungen an. So waren es vor allem die Keynotes, die zum Denken in unterschiedliche Richtungen anregten. Erwähnt sei bspw. Markus Krajewski aus Basel mit seinem ‚produktiven Verzetteln‘. Die Metapher des Verzettelns geht dabei auf den Zettelkasten zurück, den viele Forschende seit Jahrhunderten einsetzen, um ihre Studien zu dokumentieren und zu reflektieren. Sie nutzen den Zettelkasten dann als Ausgangspunkt für neue Texte, da er seit jeher eine Form des externalisierten Gedächtnisses ist. Die Metapher des Verzettelns mit und ohne Zettelkasten erweist sich auch dann als nützlich, wenn man digitale anstelle von analogen Medien zur Dokumentation einsetzt. Krajewski selbst zeigte ein eigens entwickeltes Werkzeug, um ‚produktives Verzetteln‘ anzustoßen (siehe seine Software ‚Synapsen‘). In ähnliche Richtungen stoßen aber letztlich alle Literaturverwaltungssysteme und Social Bookmarking-Tools. Der mediengeschichtliche Zugang zu einem sowohl medientechnisch als auch medienpsychologisch höchst interessanten Thema hat sich dabei als absolut brauchbar erwiesen und in Randgesprächen wurde vielfach auf diese Keynote verwiesen. Diskutiert wurde allerdings eifrig darüber, dass der historische Zugang insgesamt einer 1:1-Übersetzungs-Logik folgt, d.h. analoge Handlungspraxen werden vorwiegend in digitale übertragen. Dass und wie digitale Werkzeuge hier Erweiterungen anbieten und damit neue Handlungspraxen durch Gebrauch erzeugen, wurde in dieser Keynote eher nicht thematisiert. Dafür hatte aber am Folgetag Christina Schwalbe von der Universität Hamburg einige Ideen, wie sich Handlungspraxen in der digitalen Welt von solchen in einer Buchkultur unterscheiden. Dabei halfen zwei Tabellen/Abbildungen besonders (zu den Folien): Zum einen bot die Tabelle zur Entwicklung von Leitmedien und kulturellen (Handlungs-)Praxen eine Einordnung unterschiedlicher Praxen und Erweiterungen an. Zum anderen wurde auf unterschiedlichen Gestaltungsebenen argumentiert, nämlich auf solchen, die im engeren Sinne der Didaktik zuzuordnen sind, aber eben auch auf solchen, die eher der Organisationsentwicklung und darin im Besonderen einer systemtheoretischen (Denk-)Richtung zuzuordnen sind. Die Bezugnahme auf die strukturale Medienbildung von Jörrissen und Marotzki erwies sich im Kontext der Nachwuchstagung zudem als hilfreich, da anhand der zweiten Keynote der praktische Gehalt einer Theorie der Medienbildung deutlich wurde. Vertiefungen ganz anderer Art bot später Peter Baumgartner mit seinem Workshop zu Publikationsindizes an, der bei der Gruppe der Nachwuchsforschenden und -praktiker auf großes Interesse gestoßen ist, auch wenn der Sinn der Auseinandersetzung mit dem Publizieren mehrfach erst auf den zweiten Blick erkannt wurde (zum Rückblick auf den Workshop). Überhaupt sind es solche Aha-Effekte, die man in vielen Gesprächen auf dem Jungen Forum wahrnehmen konnte und die eine Tagung unter Novizen oder weniger erfahrenen Forschenden wie Praktikern besonders auszeichnen. Dass solche Effekte in den einzelnen Tracks am Freitag und Samstag ebenso erzielt werden konnten, ist wahrscheinlich, denn: Das Feedback des Plenums ist auf der Nachwuchstagung traditionell wohlwollend und nicht zerstörend, alle Anwesenden bemühen sich um echte Rückmeldungen und weniger um Co-Referate, und gleichzeitig wird den Referenten zugestanden, selbst in diesem inzwischen professionalisierten Tagungsrahmen Fehler zu machen. Insgesamt haben sich das Tagungsprogramm und die unterschiedlichen Angebote also einmal mehr bewährt; genauso kam die etwas kleinere Teilnehmerzahl (+/- 60 Teilnehmende) den Gesprächen eher zugute und das Rahmenprogramm ‚Bunte Republik Neustadt‘ hat für das Tüpfelchen auf dem I gesorgt. Als Nachwuchsvertreterin der GMW sage ich daher Danke nach Dresden und hoffe, dass sich für das nächste Jahr bald ein neuer Austragungsort findet/formiert. Denn das Junge Forum als kooperative Nachswuchsveranstaltung geht weiter, natürlich.

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