Nachgedacht (über ein Interview)

Es sind die Anlässe, die – mehr oder weniger inszeniert – dazu führen, dass eine Information zur Nachricht wird. Das zeigte 1989 Hans Mathias Kepplinger in einer Ausgabe der APuZ auf. So wurde sicherlich nicht zufällig in der zurückliegenden Woche sehr viel darüber berichtet, wie sich ganze Universitäten und Hochschulen auf ihren Weg ins „Digital-Semester“ machen. Eines dieser Interviews habe ich auch gegeben – beim Bayerischen Rundfunk (hier verfügbar). Dass ich mit dem Interview nun stellvertretend für die Praxis an der Universität zu Köln stehe, ist ein wenig befremdlich, aber sicherlich dem Modus geschuldet (Stichwort: Expertengesellschaft, siehe hier). So kenne ich sehr viele unterschiedliche Umgangsweisen mit der aktuellen Situation – fast alle Kolleg*innen sind sehr engagiert, ihre üblichen didaktischen Überlegungen auch digital umzusetzen, andere erfinden neue didaktische Szenarien, wieder andere distanzieren sich von all dem. Dabei wird in Massenmedien, so mein Eindruck, meist nach der einen Formel gesucht, mit der man Lehrveranstaltungen kurzfristig digitalisieren und für eine breite Studierendenschaft im technischen Sinne verfügbar machen könnte. Versteht man die aktuellen Anforderungen als drängendes Organisationsproblem, mag sich das Digital-Semester genauso darstellen. Mit Blick auf die Erkenntnisse einer ganzen Disziplin – der Medienpädagogik/-didaktik – sind die gegenwärtigen Anforderungen aber nicht ganz so einfach oder gar ‚hands-on’ mit ein wenig mehr Technik zu lösen. Denn für den Hochschulkontext stellt sich ganz genauso wie für andere Bildungskontexte (etwa für die Schule) die Frage danach, welche Folgen jegliche Formen der Digitalisierung nach sich ziehen werden. In den Fokus rücken so vor allem diejenigen Konzepte, die praktisch funktionieren, weniger diejenigen, die konzeptionell ‚richtig’ sein könnten oder vielleicht im Lehrbuch stehen. Darauf möchte ich aber nicht so sehr zu sprechen kommen – wichtiger finde ich in den Blick zu nehmen, welche unsichtbaren Konsequenzen eine Spontandigitalisierung mit einer Quick&Dirty-Skalierung auf 100 Prozent haben wird. Denn schon jetzt sind die Sorgen und Ängste von Studierenden deutlich spürbar – einige davon sind existenziell, andere sind eher auf die Art des Lernens und/oder des Studierens gerichtet, wenn Studieren plötzlich und vermeintlich anders geht. Diese Erfahrungen sollten nicht unreflektiert bleiben – jetzt in der Onlinelehre und später im Kontext der Hochschule(n) als Organisation.

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