Wie die Zeit vergeht

Nein, zum Jahreswechsel werde ich nicht melancholisch, auch wenn ich über die freien Tage auf Empfehlung von Frank Peter Bieris neues Buch „Wie wollen wir leben?“ gelesen habe. Das Buch regt an vielen Stellen zum Nachdenken an und will entsprechend kognitiv verarbeitet werden. Von daher an dieser Stelle keine Rezension zum Buch (allenfalls ein Verweis zum Feuilleton der FAZ). 😉

Vielmehr fällt mir zum Jahresende auf, wie schnell die Zeit vergeht. Ich weiß, Eltern und Großeltern haben das schon immer verlautbart und mit dem Alter vergeht die Zeit noch schneller. Dennoch fällt es mir in diesem Jahr ganz besonders auf, da 2011 Vieles für mich verändert hat. Die beiden wichtigsten Meilensteine waren wohl der Umzug nach Hamburg und die Abgabe der Diss. Obschon letzteres von langer Hand geplant war, war der Endspurt im Herbst nochmals stressig. Denn ausgerechnet in der Phase der letzten Überarbeitungen habe ich das Angebot erhalten, nach Hamburg zu gehen. Entsprechend galt es Umzug und Diss gleichzeitig zu managen, was eine echte Herausforderung war und nicht unbedingt zu empfehlen ist. 😉

Mit dem Umzug und der Abgabe der Diss einher geht eine neue Lebensphase, die man gemeinhin als PostDoc-Zeit bezeichnet und – in meiner freien Interpretation – vor allem dafür steht, sein Leben in Teilen neu zu organisieren. Immerhin sind die Abende wieder frei, die Wochenenden auch. Doch was sich zeitlich wie eine neu gewonnene Freiheit anhört, kann eine eigene Herausforderung sein, denn: Womit will ich meine Zeit verbringen? Was sind Themen oder Projekte, die mich weiterhin beschäftigen? Nun habe ich das Glück, mit meiner Tätigkeit in Hamburg eine ganz neue Herausforderung gewonnen zu haben. Ich spreche hier meistens von der „grünen Wiese“, die ich bei meiner Ankunft an der HAW Hamburg vorgefunden habe und die ich jetzt zusammen mit Kolleginnen und Kollegen einsähen darf – damit kleine und große Projekte aus dem Boden sprießen und der Strauß der medialen Möglichkeiten an einer Fakultät für Wirtschaft und Soziales deutlich wächst. Das ist in jedem Fall eine anspruchsvolle Aufgabe „für nach der Diss“. Gleichzeitig freue ich mich, 2012 wieder selbstbestimmter mit meiner Zeit umgehen zu dürfen, d.h. mich neben der Arbeit nur für solche Projekte und Ideen zu engagieren, die mich „packen“. Das ist der wohl größte Luxus, den man nach Abgabe der Diss wieder für sich erreicht (siehe hierzu auch den ZEIT-/WiWo-Artikel „Plädoyer für mehr Leidenschaft“).

Zu diesem Blogpost kam ich allerdings aus anderem Grund: So möchte ich mit Abschluss der Projektförderung nochmals die Chance ergreifen, die wunderbaren student.stories vorzustellen. In den letzten 1,5 Jahren hat allem voran Caro dafür gesorgt, dass das Projekt nach Bekanntgabe der Förderung so toll umgesetzt wurde, wie es jetzt im Netz nachzuvollziehen ist. Auch der DAAD wird vermutlich begeistert sein, welch vielfältigen Medienangebote in der Augsburger Schmiede entstanden sind und welche Kreise die student.stories gezogen haben (besonders erwähnenswert ist wohl die Hochschulperle des Stifterverbands im Juli). Die student.stories selbst erleichtern ausländischen Studierenden den Einstieg in Leben und Studieren in Augsburg und setzen dabei auf ein Modell, das wir schon beim KaffeePod praktiziert haben: In gemischten Teams werden (insbesondere) Podcasts produziert und die Anbindung an Augsburger Zertifikatsprogramme hilft bei der formalen Anerkennung des Engagements. Auch wenn ich es sehr bedauerlich finde, dass Caro mit dem Projektende das imb der Universität Augsburg verlässt, hinterlässt sie doch ein nachhaltig verankertes Projekt, das seinem Namen alle Ehre macht. Entsprechend stolz bin ich aus der Ferne, dass wir dieses Projekt Anfang 2010 auf den Weg bringen konnten und was daraus über die Zeit entstanden ist.

Weihnachtslektüre: neue w.e.b.Square-Ausgabe online

Passend zu Weihnachten ist gestern die neue Ausgabe der studentischen Online-Zeitschrift w.e.b.Square erschienen. Die aktuelle Ausgabe 5.11 widmet sich Themen aus dem Bereich der Computer-vermittelten Kommunikation (CvK), wobei fachdisziplinär unterschiedliche Perspektiven eingenommen werden. D.h. es finden sich sowohl Arbeiten, die mit kommunikationswissenschaftlichem Fokus geschrieben wurden, als auch Arbeiten, die eher mediendidaktischen/bildungswissenschaftlichen Fragestellungen nachgehen. Über die aktuelle w.e.b.Square-Ausgabe freue ich mich aus zwei Gründen ganz besonders: Zum einen ist es die erste Ausgabe, die ohne meine Mithilfe entstanden ist. Zum anderen stehen erstmals Abschlussarbeiten online, die von mir betreut wurden. Beides fühlt sich gut an, denn: Ohne ein lebendiges Projektteam, das auch in der Lage ist, Personen zu ersetzen und eine Idee weiterzuführen, würde es Initiativen wie w.e.b.Square über einen längeren Zeitraum nicht geben. Gleichzeitig ist es toll zu sehen, wie aus vagen Gesprächen über mögliche Fragestellungen Abschlussarbeiten entstehen, die inhaltlich höchst anspruchsvoll sind und es verdient haben, einem breiteren Publikum zur Verfügung gestellt zu werden. Ich werde die freien Tage in jedem Fall dazu nutzen, in w.e.b.Square zu stöbern.

Fröhliche Weihnachten!

Online Educa 2011

Nachdem ich kürzlich zum ersten Mal auf der Campus Innovation war, war ich in der vergangenen Woche ebenso erstmals auf der diesjährigen Online Educa zu Gast. Die Konferenz hat nach außen eine große Strahlkraft, weswegen ich sehr gespannt auf die Veranstaltung war. Gleichzeitig hatte ich noch zu Augsburger Zeiten ein Konzept eingereicht, das eine Neusortierung von studentischen Medienprojekten vor dem Hintergrund von Crossmedia vorschlägt. Die Einreichung basiert dabei auf vielen Unterhaltungen mit Christian Joe Geier, der wie ich in einigen (Medien-)Projekten aktiv ist und eine zunehmende Konvergenz der verwendeten Medien auch in der medienpraktischen Auseinandersetzung der Studierenden festgestellt hat. Durch die Einbettung der Projekte in das Augsburger Begleitstudium sind es allerdings weniger die Medienentwicklungen, die von den Studierenden hinterfragt und/oder (kritisch) reflektiert werden. Stattdessen fokussieren diese ihre überfachlichen Lernerfolge in den Medienprojekten und im Speziellen das Lernen im Team. Im Abstract heißt es daher:

„Media education as a theoretical framework tries to unify the demand for comprehensive media competencies among learners and teachers, based upon goals orientated on constructivistic learning settings. This understanding is often linked to action-based concepts of the early 1980s. In Germany, typical practical projects were the well-known open channels. Until today, media practice should enable self-organized learning by using media and integrating process-oriented reflection on media. But the open channels as an analogous phenomenon are now gone, the World Wide Web has absorbed them. Instead of them, digital media is ubiquitously part of everyone’s daily life – also when learning. Media literacy is a claim of the present and will be a claim of the future. The (net) citizen today and tomorrow should be one capable of responsible active use of media (analogue as well as digital), reflecting in an independent way about media, its use and changes. Accordingly, the importance of media education in formal educational contexts becomes obvious. But the question is to what extent the traditional concept of media education allows a broader understanding of media. Our idea is to expand the traditional concept of media education, so that crossmedia strategies (e.g. Schuegraf, 2008; Sjurts, 2002) will find their own place in dealing with media.“

Wie wir uns im Detail die Neusortierung vor dem Hintergrund crossmedialer Entwicklungen vorstellen, geht – so hoffe ich – aus meiner Präsentation hervor:

Auch wenn ich nicht mehr in Augsburg beschäftigt bin, werden Joe und ich sicher weiter an dem Thema „denken“. Von daher freue ich mich sehr über die positiven Rückmeldungen am Ende der Session, die unsere pädagogisch-didaktischen Überlegungen zur Crossmedia Education zwar sehr ungewöhnlich, aber nicht selten interessant fanden. Ich hoffe daher, dass ich nicht nur einige Impulse in Berlin hinterlassen konnte, sondern sich aus den netten Gesprächen auch Möglichkeiten der Kooperation im europäischen Raum ergeben werden.

Literatur

  • Schuegraf, M. (2008). Medienkonvergenz und Subjektbildung. Mediale Interaktionen am Beispiel von Musikfernsehen und Internet. Wiesbaden: VS.
  • Sjurts, I. (2002). Cross-Media Strategien in der deutschen Medienbranche. Eine ökonomische Analyse zu Varianten und Erfolgsaussichten. B. Müller-Kalthoff (Hrsg.), Cross-Media Management. Content-Strategien erfolgreich umsetzen. (pp. 3–18) Heidelberg: Springer.

Ein leises Servus

Für die einen ist heute der 30. September 2011, für andere ist heute ein besonderer Tag, so auch für mich. Mit dem heutigen Tag beende ich meine Tätigkeit am Institut für Medien und Bildungstechnologie der Universität Augsburg. Die Entscheidung zu gehen ist mir nicht leicht gefallen, denn meine Augsburger Zeit war klasse und hat mich sehr geprägt. Vor allem vermissen werde ich meine tollen Teamkollegen, das kreative Umfeld des imb und die Zusammenarbeit mit den Studierenden, die ich nun nur noch indirekt haben werde. Ab morgen (oder besser: ab Dienstag) beginne ich dann meine Tätigkeit an der HAW Hamburg, wo ich als Mediendidaktikerin angestellt werde. Der Hochschule bleibe ich also treu, berichte nur demnächst von anderer Stelle. Und der Kontakt zu Augsburg wird sicher weiter bestehen, sei es durch die Abschlussarbeiten, die nach und nach bei mir eintrudeln, oder durch weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit.

Studentische Zusammenarbeit im Netz – Segen oder Fluch? Aufruf zur Beitragseinreichung

Zum dritten Mal ruft die studentische Online-Zeitschrift w.e.b.Square zu Beiträgen aus den Hochschulen und Universitäten auf. Das Thema des diesjährigen Aufrufs lautet: „Studentische Zusammenarbeit im Netz – Segen oder Fluch?“ Gesucht werden Beiträge von Studierenden, die sowohl wissenschaftlicher Natur sein können als auch Ideen, Meinungen etc. spiegeln dürfen. Der vollständige Call findet sich zur Weiterreichung an die Studierenden bei Slideshare. Ergänzende Informationen finden sich auf der Website des Instituts für Medien und Bildungstechnologie. Das w.e.b.Square-Team freut sich auf viele Einreichungen!


"Wege in die Wissenschaft"

An Universitäten gibt es eine ganze Reihe an Veranstaltungen, die außerhalb von Lehre und Forschung stattfinden und sich speziellen Fragen widmen. Die meisten Veranstaltungen sind dabei so exotisch, dass sie nur einen kleinen Personenkreis ansprechen und zeitlich auch eher ungünstig liegen. Ist dann noch der schönste Tag des Jahres vorausgesagt, liegt es nahe, dass viele – Studierende und Mitarbeiter gleichermaßen – den Besuch des Baggersees dem angestrengten (Mit-)Denken vorziehen. Zum Glück treffen diese recht pauschalen Aussagen nicht immer zu, zumindest nicht auf den gestrigen Abend, der unter dem Motto „Wege in die Wissenschaft“ stand. Geladen hatte die Frauenbeauftragte der Philosophisch-Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Augsburg; Ziel war es, anhand von drei Wissenschaftlerinnen unterschiedliche Zugänge zur Wissenschaft kennenzulernen und darüber zu diskutieren. Nun war ich eine der drei Personen, die ihre Geschichte vor einer kleinen, aber feinen Runde dargeboten hat und die in die Pflicht genommen wurde, als jüngste Vertreterin auch den Anfang zu machen. Dabei musste ich einmal mehr feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, vom „normalen“ Gespräch über die eigene Vita abzuweichen und einen primär erzählerischen Zugang zu wählen. Deshalb war ich dankbar über den Titel der Veranstaltung, der mir mit der Weg-Analogie gleich einen Aufhänger geliefert hat. Ich habe daher davon berichtet, wie es ist, Wissenschaft im Studium zu schnuppern, wie man sich etwa durch die Mitarbeit als studentische Hilfskraft und Tutorin an Wissenschaft herantasten kann, welche Möglichkeiten des Eintauchens es in wissenschaftliche Fragestellungen gibt und unter welchen Bedingungen einen mitunter auch die Promo-Vieren anstecken (können). Meine Kurzpräsentation endete dann mit der Frage, inwiefern man von Wissenschaft leben kann – denn diese Frage wird aus meiner Sicht immer bedeutsamer, sofern sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Stelle zu Stelle hangeln und das Gefühl von Unsicherheit den Mittelbau beherrscht. Insofern war ich gespannt, welche Antworten die beiden geladenen Professorinnen (Anne Frenzel und Hildegard Macha) auf diese (und andere) Fragen hatten und habe auch ihnen beiden gerne zugehört. Wann gibt es schon mal die Gelegenheit, tolle Geschichten abseits eines geradlinigen Lebenslaufs zu hören?

PS: Inzwischen gibt es die Veranstaltung auch zum Nachhören – viel Vergnügen damit.

Die Frau von w.e.b.Square

Verrückt. Da bin ich einmal im Radio zu Gast und werde gleich geadelt. Jedenfalls hört es sich so an, wenn man mich nicht mit Sandra oder Frau Hofhues begrüßt, sondern lieber mit „die Frau von w.e.b.Square“ anspricht. Irgendwie hat David von Kanal C aber auch recht. Ich bin weder die Frau hinter w.e.b.Square, denn es gibt ein ganzes Team, das sich immer wieder um die Veröffentlichung neuer Ausgaben kümmert, noch bin ich die Frau vor w.e.b.Square. Man könnte vielleicht manchmal diesen Eindruck gewinnen, wenn ich an vielen Orten über w.e.b.Square berichte, aber das übernehmen mit der Zeit auch andere – und das ist gut so, denn nur über verteile Modelle können Projekte wie w.e.b.Square längerfristig bestehen. Tief im Inneren gefällt mir deshalb der Titel „von w.e.b.Square“ ganz gut. Immerhin begleite ich das Projekt schon eine ganze Weile – und das Projekt ist es auch, das im Vordergrund stehen soll (nicht die Person). Von daher bin ich gerne die Sandra von w.e.b.Square.

Nachtrag (25.06.2011): Der Interview-Mitschnitt findet sich jetzt auf der imb-Website.

Tools sind nicht das Thema

Das Sommersemester 2011 ist nun einige Wochen alt und die einzelnen Lehrveranstaltungen feiern beinahe „Bergfest“. In projekt- und problemorientierten Seminaren heißt das, dass die Phasen des theoretischen Inputs durch mich als Dozentin wie auch durch die Studierenden selbst sukzessive abnehmen und stattdessen die offenen selbstorganisierten Arbeitsphasen zunehmen. Etwas anders sieht der Aufbau in Lehrveranstaltungen aus, die nach dem Konzept des forschenden Lernens organisiert sind. Hier stehen die selbstorganisierten Arbeitsphasen von Beginn an im Vordergrund und werden durch passgenaue, teils auch spontane Inputs in jeder Präsenzsitzung durch mich ergänzt. Gerade weil in letzterem Fall die Spontaneität der Lehrenden gefragt ist, entfällt viel Vorbereitungszeit auf das „Was wäre, wenn…“. Man versucht also potenzielle Schwierigkeiten im Vorhinein zu entlarven und sich als Dozentin auf entsprechende Fragen vorzubereiten. Gleichzeitig versucht man abzuwägen zwischen solchen Aspekten, die eher inhaltlicher Natur sind, und solchen, die mit der Seminarorganisation zu tun haben. Dazu zähle ich auch den Einsatz von digitalen Werkzeugen, die für das Fortkommen in den einzelnen Seminaren essentiell sind. Besonders deutlich wird dies etwa in der Veranstaltung „Online-Befragungen“, wo der Einsatz eines Online-Befragungs-Tools (LimeSurvey) erforderlich ist und die Studierenden zwingend in der Lage sein müssen, mit dem Werkzeug umgehen zu können. Es liegt folglich nahe, dass innerhalb der Veranstaltung eine Reihe von Fragen zum Tool auftauchen, auf die es Antworten zu finden gilt. Allerdings überraschen mich die Studierenden immer wieder, denn der Umgang mit dem digitalen Werkzeug stellt keine größere Herausforderung mehr dar. Mit jeder Veranstaltung werden die Fragen zum Tool weniger und der Umgang geht leichter von der Hand. Einzig das Erstellen komplexer Fragetypen wie auch von digitalen Filtern bleiben kurzzeitige Herausforderungen, da es hier die Spezifika von Online-Befragungen nochmals anwendungsorientiert zu verstehen gilt. Natürlich gehe ich in diesem Beitrag wieder von einer Studierendengruppe aus, die sich per se mit Medien auseinandersetzt. Auch sind sie in einer Lehrveranstaltung angemeldet, die das „online“ schon im Titel trägt und damit die Nutzung von digitalen Werkzeugen impliziert. Dennoch bin ich immer wieder überrascht, wie wenig Unterstützung Studierende in Fragen der technischen Nutzung von digitalen Werkzeugen benötigen. Vielmehr stelle ich vermehrt fest, dass wir in den Lehrveranstaltungen über Medienspezifika sprechen und stärker als früher auch den Nutzen der einzelnen Werkzeuge hinterfragen. Eine klasse Entwicklung 🙂

Es ist Sommer(semester)!

Mit gefühlten vier Wochen Verspätung hat uns der Lehralltag zurück: Am vergangenen Montag hat das Sommersemester 2011 an bayerischen Unis begonnen. Man merkt das meistens an zwei recht einfachen Dingen: Es herrscht wieder Parkplatznot und die Cafete hat länger als zu Ferienzeiten geöffnet (in Zeiten einer evakuierten Mensa ist das wirklich die Erwähnung wert ;-)). Auch das E-Mail-Aufkommen steigt mit der Anmeldephase zu den Lehrveranstaltungen immens. Gerade zu Beginn des Semesters gibt es zwischen Studierenden und Lehrenden viel auszuhandeln. Das betrifft im Besonderen die Diskussion über Lehrinhalte und Prüfungsformen. Hinzu kommen Verwirrungen und Missverständnisse, die infolge unterschiedlicher Studien- und Prüfungsordnungen entstehen. Ich bin daher jedes Semester auf’s Neue froh, wenn die erste Woche überstanden ist und die ganzen organisatorischen Fragen, die im Zuge von Lehre auch anfallen, geklärt sind. Dann kann man sich nämlich den Inhalten widmen, und um die sollte sich Lehre ja eigentlich drehen.

In diesem Semester werde ich – neben altbewährten Angeboten im Begleitstudium – zwei Lehrveranstaltungen anbieten. Sie sind mit den Themen Wissenskommunikation und Online-Befragungen überschrieben und beide projektorientiert aufgebaut. Wer diesen Blog hier aufmerksam verfolgt, wird jetzt denken: Kenn ich doch! Und das stimmt auch. Beide Veranstaltungen gab es schon einmal und die Wiederholung der Themenbereiche ist vor allem Ausdruck dessen, dass inzwischen auch der MuK-Studiengang einer stärkeren Planung im Bachelor und im Master unterliegt. Es gibt einfach eine Vielzahl an Angeboten, die als Basislehre benötigt und vom „Stammpersonal“ übernommen werden. Da ich selbst etwas anders studiert habe (nämlich mit vielen Freiheiten), bin ich noch unschlüssig, ob diese Akkreditierungs-konforme Entwicklung nun gut oder schlecht ist. In jedem Fall erleichtert sich für die Studierenden die Semesterplanung: Sie wissen, dass bestimmte Angebote einfach regelmäßig „da“ sind und sie sich keine Sorgen machen müssen, etwas zu verpassen. Aus Perspektive der Lehrenden macht die Dopplung auch einiges leichter: Man muss Seminare nicht komplett aus dem Boden stampfen, was die sonst aufwändige didaktische Konzeption prinzipiell erleichtert.

Selbst bei gleichbleibendem Titel kann man allerdings Umstellungen vornehmen – und die betreffen vor allem das Projekt an sich, das im Verlauf der einzelnen Seminare durchgeführt wird. So habe ich mich in diesem Semester entschlossen, „vor der eigenen Haustür zu kehren“ und die Wissenskommunikation im MuK-Studiengang zu verbessern. Wie genau das aussehen wird, werden wir im Verlauf des Semesters sehen. In jedem Fall gibt es genügend Ankerpunkte dafür, um mit Wissensmanagement-Ideen bereits in der Universität anzufangen und nicht immer direkt „nach draußen“ zu gehen. Ähnlich offen wie die zu entwickelnden Wissensmanagement-Ideen sind auch die Themen, die im Seminar Online-Befragungen behandelt werden. Das Seminar ist im Sinne des forschenden Lernens so gestaltet, dass sich die Studierenden ihre Forschungsthemen selbst suchen, Forschungsfragen entwickeln, Fragebögen gestalten, die Umfragen durchführen, auswerten und interpretieren. Um den zeitlichen Aufwand der Themenfindung etwas zu reduzieren, sind die rahmengebenen Themen „E-Learning 2.0: zwischen Beteiligungsmodellen und neuen Herausforderungen“ sowie „Die Zukunft universitären Lernens: selbstorganisiert, offen und mobil?“. Hier bin ich besonders gespannt, in welche Richtung sich die Befragungen entwickeln – und hoffe, die Studierenden in dieser sehr offenen Art des Lernens gut unterstützen zu können. Auch wenn das mediale Angebot zuletzt nicht so stark genutzt wurde, darf auch dieses Semester wieder getwittert werden: Wissenskommunikation hat den Hashtag #wissko11 und wird Auskunft über den aktuellen Status der Projekte geben. Die Online-Befragungen sind mit #olibe11 versehen; dieser Hashtag wird insbesondere über neue/passende Studien in verwandten Themenbereichen aufmerksam machen.

In jedem Fall freue ich mich auf das neue Semester und die damit verbundenen Herausforderungen.

Kompetenzentwicklung unter vernetzten Bedingungen: die 4. w.e.b.Square-Tagung

Unfassbare eineinhalb Wochen liegen schon wieder zwischen der 4. w.e.b.Square-Tagung und dem heutigen Tag. Unfassbar ist das deswegen, weil in der Zwischenzeit so viele Dinge über meinen Tisch gewandert sind, dass ich kaum Zeit hatte, die Geschehnisse zu reflektieren. Ganz stimmt das natürlich nicht, denn die Abschlusssitzung im Seminar, in der es traditionell eine Feedbackrunde gibt, hat bereits stattgefunden. Die Resonanz auf die Tagung, so viel vorne weg, war insgesamt sehr positiv, weswegen mein Bild davon heute vielleicht verzerrter ist als sonst, wenn ich noch im Anschluss an die Konferenz meine Gedanken niederschreibe. Vielleicht ist der Abstand aber gerade gut, um stärker von Einzelergebnissen zu abstrahieren. Ohne Frage bleiben nämlich drei größere Eindrücke von der Tagung zurück, die sich überschreiben lassen mit Kompetenzentwicklung, Vernetzung und Technikchaos. Dass alle drei miteinander zusammenhängen, liegt nahe, denn das w.e.b.Square-Seminar ist komplex und wächst mit jeder Idee, die wir noch in die Veranstaltung integrieren.

1. Kompetenzentwicklung
Was mich jedes Jahr auf’s Neue beeindruckt und (als Lehrende) auch ein bisschen stolz macht, ist die fachliche und die persönliche Entwicklung der Studierenden, die man in einer einzelnen Lehrveranstaltung beobachten kann. Während die Studierenden zu Beginn des Seminars noch unsicher sind, wachsen sie über einen klar definierten Zeitraum in ihre Rolle als (künftige) Referenten und Experten für ein Thema hinein. Dieses Jahr war das rahmenspendende Thema Bologna – und damit letztlich auch der reflexive Blick auf die eigene Studiensituation. Bologna bewegt mich persönlich schon eine ganze Weile, da ich selbst einen Bachelor- und Masterstudiengang abgeschlossen und mich bereits in einer frühen Phase mit der Hochschulreform auseinandergesetzt habe. Insofern war es für mich spannend zu beobachten, wie heutige Studierende auf Bologna blicken und über die Veränderungen denken – immerhin sind die „alten“ oder auch „traditionellen“ Studiengänge, die vor einigen Jahren noch als steter Vergleich herhalten mussten, inzwischen deutlich unterrepräsentiert. So haben die Studierenden in den letzten rund drei Monaten eine reflexive Haltung gegenüber Bologna entworfen, die dabei hilft, differenzierter über die Hochschulreform und aktuelle (An-)Forderungen an die Universität nachzudenken. Was uns als Lehrende vielleicht nicht so bewusst ist: Unter aktuellen Studierenden haben speziell die Studierendenproteste dazu beigetragen, dass diese eher schlecht über Bachelor und Master zu denken – ohne eigentlich zu wissen, woher dieses Bild resultiert und ob es vielleicht einseitig sein könnte. Aber auch auf Ebene der einzelnen Vorträge hat sich ein deutlicher Wissenszuwachs abgezeichnet. Das merkt man meist daran, wie sicher sich die Studierenden auf der Tagung bewegen und auf Fragen antworten. Dafür mussten sie allerdings auch hart arbeiten. Denn durch das angeschlossene Peer Review kann man über die Zeit sehr gut sehen, wie sich die einzelnen Studierenden im Team entwickeln. Besonders aufgefallen ist mir dieses Jahr allerdings die Homogenität der ganzen Seminargruppe, was sich besonders (aber nicht nur) in den allseits sehr guten Leistungen zeigt.

2. Vernetzung
Bei der diesjährigen w.e.b.Square-Tagung haben wir ein Experiment gewagt, auf das ich mich im Vorfeld sehr gefreut habe: die Vernetzung unseres Augsburger Seminars mit Medienpädagogik-Studierenden der Universität Mainz. Vermutlich habe ich mich deshalb so auf die Zusammenarbeit gefreut, weil man das an der Universität selten macht und diese Form der Vernetzung auch eine große Herausforderung für Lehrende darstellt. Zudem findet Öffnung über die Grenzen einzelner Universitäten hinaus selten und meistens als „reines“ E-Learning statt, wo die Raum- und Zeitdimension nochmals eigens definiert wird. Außerdem ist Vernetzung aufwendig: Sie erfordert Abstimmung auf allen Seiten, insbesondere aber auch bei der Planung von Lehre, sodass die Telefonkosten von uns Lehrenden ohne beruhigende Flatrate im Hintergrund sicher in die Höhe geschnellt wären. Durch die inhaltliche Zielsetzung der Vernetzung, speziell bei den studentischen Peer Reviews zusammenzuarbeiten, war diese auch kein Selbstzweck, sondern hat die jeweiligen Lehrveranstaltungen um reale Austauschmöglichkeiten bereichert. Im Austausch kann man letztlich sogar das gemeinsame Element beider Seminare ausmachen, denn inhaltlich haben wir uns mit Bologna auf der einen Seite und mit Medienpädagogik 2.0 auf der anderen Seite durchaus in unterschiedlichen Bereichen bewegt. Diese passten allerdings doch recht gut zusammen, wie man auf der Tagung sehen konnte und im sehr gelungenen Tagungsband nachvollziehen kann. Auch die Videos zur Tagung sollten bald zur Verfügung stehen.

3. Technikchaos
Wer unser Gast im Livestream war, hat vielleicht kurz vor Beginn der Tagung mitbekommen, dass die Leitung nicht so stabil funktionierte, wie sie sollte. Der Grund dafür ist einigermaßen banal: Obwohl unsere Tagung in einem Informatik-Hörsaal stattfand, gab es nur schwaches W-Lan, auf das wir für den Stream zurückgreifen konnten. Man muss kaum Techniker sein, um mutmaßen zu können, dass dies unter Umständen problematisch ist. Insofern freue ich mich besonders, dass wir mit den AV-Mediendiensten wieder ein professionelles Team „an Bord“ hatten, die mit Gelassenheit auch dieses Problem in den Griff bekommen haben. Infolge der technischen Schwierigkeiten soll der erste, offizielle Begrüßungsteil meiner eigenen Rede leider abgeschnitten worden sein, aber damit kann ich gut leben, wenn dafür alle anderen, studentischen Vorträge komplett ins Netz übertragen werden konnten. Witzig waren auch die Schalten nach Mainz und vor allem die zehn Sekunden Verzögerung, mit der Fragen (und Antworten) aus den Wohnzimmern nach Augsburg übertragen wurden. Ähnlich amüsant war die eine oder andere Stimme aus dem Off, die uns während laufender Vorträge erreicht hat. Dieses bunte Zusammenspiel der Technik würde nun mancher als Chaos empfinden; ich sehe das eher als kreative Unterbrechung, die bei allen Vorträgen Gäste und Referenten bei Laune hält und gleichzeitig offenbart, dass Studieren unter vernetzten Bedingungen auch Unwägbarkeiten bereit hält – allen grundsätzlichen Vorteilen zum Trotz.