Medienbildung an der Hochschule? #mwb2015

Die Tagung „Medien – Wissen – Bildung: Medienbildung wozu?“ hat mich in diesem Jahr besonders angesprochen, wurde doch gefragt nach spezifischen Verständnissen von Bildung, nach Perspektiven für Medienbildung sowie nach sich verändernden Handlungspraktiken, welche im (medialen) Handeln des Einzelnen sichtbar werden. So war es in den letzten beiden Tagen vor Ort in Innsbruck sehr bereichernd, mit Vertreter_innen ganz unterschiedlicher Bezugsdisziplinen über Medien- und Bildungsverständnis zu diskutieren, mit ihnen nach der praktischen Relevanz dieser Fragen zu suchen und die Bedeutung der Praxen umgekehrt wieder in den Diskurs einzubringen. Entsprechend gab es Beiträge auf der Tagung, die sich eher theoretisch Medien, Bildung und Medienbildung näherten, sowie eher gestaltungsorientierte Beiträge, die sich intensiv (aber nicht ausschließlich) mit der Bedeutung normativer Setzungen für eine Anwendung in der Praxis auseinandersetzten (zum detaillierten Programm). In letzteren Bereich fiel sicherlich auch mein Poster, auf dem ich Optionen für eine Medienbildung an der Hochschule offenlegen und vor allem zur Diskussion über die enge Verbindung von Forschungsverständnis, Medien(-begriff) und Bildung(-sbegriff) beitragen wollte. Die Einbindung in ein sog. Educamp gab mir dann viel Raum, mit den Teilnehmenden nach solchen Optionen zu suchen sowie derzeitige Begriffe bzw. Konzepte auch zu schärfen. Weiter beschäftigen werden mich sicherlich die (diversen) Bilder von Medienbildung, die auf der Tagung sichtbar wurden und die u.a. Petra Missomelius auf ihrem Poster festgehalten hat (ein kleiner Eindruck ist schon online). Letzteres ist nicht nur sehenswert, sondern regt auch dazu an, andere Darstellungsweisen für den Ausdruck komplexer Zusammenhänge zu nutzen (wie dies bspw. auch in den Künsten üblich ist).

CfP: Junges Forum Medien und Hochschulentwicklung #jfmh15

2012 fand das Junge Forum Hochschul- und Mediendidaktik zum ersten Mal an der Universität Hamburg statt. Nach Stationen in Potsdam und Dresden wird es im Jahr 2015 in Düsseldorf zum vierten Mal ausgerichtet (derweil unter leicht anderem Namen – Junges Forum Medien und Hochschulentwicklung – und mit mehr Fachgesellschaften als Unterstützende). Ich berichte daher an dieser Stelle gerne über den bis 22.2.2015 laufenden Call for Presentations, denn: Das Junge Forum lebt von den Personen, die es mitgestalten und Beiträge in ganz unterschiedlicher Form einbringen. Gleichzeitig finde ich es bemerkenswert, dass das Junge Forum unter wechselnder Regie zum vierten Mal stattfinden kann – und das mit nahezu komplett ausgewechselter „Mannschaft“. Hoffen wir auf eine ebenso schöne Tagung in Düsseldorf im Juni.

Rückblick: Herbsttagung der Sektion Medienpädagogik #mpdgfe14

„Hurra, Augsburg!“ mögen viele im Süden lebende Medienpädagog_innen gedacht haben, als der Tagungsort für die diesjährige Herbsttagung der Sektion Medienpädagogik bekannt wurde. Für mich war die Freude umso größer, da nach Augsburg zu reisen für mich auch heißt, an einen alten Lebensmittelpunkt zurückzukommen. Es war daher fast ein wenig schade, dass wir in der sehr schönen neuen Stadtbibliothek im Herzen Augsburg getagt haben und nicht ‚draußen‘ an der Uni waren. Angesichts der guten Lage und – bis auf WLAN – hervorragenden Ausstattung war dies aber sehr gut zu verkraften.

Inhaltlich hielten die zwei Tagungstage einige Diskussionen bereit, die ich im Dreieck von Mediendidaktik, Medienpädagogik und Medienbildung verorten würde – zusammenhängend mit den schwierigen Fragen danach, wie sich (normative) Haltungen auf Ansätze und Konzepte auswirken oder welche Rolle eigentlich institutionelle Gefüge für gegenwärtige Medienpädagogik spielen. Erfreulich waren für mich aber insbesondere diejenigen Beiträge, die sich explizit den Medienökologien gewidmet haben: Interessant daran war besonders, dass wenig(er) auf alte sozial- und medienpädagogische Überlegungen (etwa im Sinne Baackes) zurückgegriffen wurde, sondern eher neuere Konzepte mit Bezug zu Medienökologen vorgestellt/skizziert wurden. Dazu zähle ich bspw. Technologie-zentrierte Sichtweisen auf Infrastruktur und media ecologies, aber auch interessante Überlegungen hinsichtlich relevanter Kontexte für Lernen (z.B. zum Stichwort learner-generated context, siehe Judiths Folien). Ich selbst hatte die Gelegenheit, in meinem Vortrag Bezüge sowohl zur Frage einer zeitgemäßen Mediendidaktik herzustellen als auch die Bedeutung der Institution hinsichtlich der (subjektiven) Medienbildung ein Stück weit zu schmälern. Immerhin lässt sich Medienhandeln kaum auf Institutionen begrenzen, sondern findet überall statt: in ganz unterschiedlichen Kontexten vor dem Hintergrund sich ähnelnder oder unterscheidender Zielrichtungen (zu meinen Vortragsfolien ‚Medienbildung an der Hochschule‘). Spannend und hilfreich waren so vor allem die Diskussionen, die sich den Vorträgen angeschlossen (Mandy weist bereits auf die wertschätzende Diskussionskultur hin) und die gemeinsame Weiterentwicklungsprozesse angestoßen haben.

Letztere sind aller Voraussicht nach auch im Doktorandenforum zustande gekommen, das wirklich hervorragend besucht und von kritischen Fragen und Bemerkungen im positiven Sinne gekennzeichnet war. Eine dieser Diskussionen betraf etwa Design-based Research und die Frage, ob man Doktoranden einen ganzen Design-Prozess für ihre Dissertation ‚zumuten‘ kann. Andere Diskussionen wiesen eher auf den präzisen Gebrauch unterschiedlicher Begriffe (Lernen, Bildung, Wissen, Kompetenz_en etc.) hin, wiederum weitere auf mögliche Missverständnisse eines mobile learnings. So oder so habe ich mich gerne als critical friend in diese Session eingebracht und freue mich, wenn ich auf diese Weise die Nachwuchsarbeit der Sektion weiter unterstützen kann.

Fazit. Eine wirklich schöne Tagung liegt hinter uns – Danke Kerstin, Hannah und dem Augsburger Team der (ehem.) Mediendidaktik!

Vortrag: „Lernen und Medienhandeln im Format der Forschung“ #TT2014

Morgen bin ich auf der Tagung „Teaching Trends“ an der Universität Oldenburg, um dort unser Papier zum „Lernen und Medienhandeln im Format der Forschung“ vorzustellen (zum Programm). Auch wenn eine sehr weite Bahnfahrt vor mir liegt, freue ich mich sehr auf die Veranstaltung. Immerhin liegt sie etwas mehr an der Schnittstelle von Hochschul- und Mediendidaktik als sonst und thematisiert Herausforderungen im Zuge digitaler Medien an der Hochschule. Mit unserem Artikel schlagen wir daher auch die Brücke: zwischen hochschul- und mediendidaktischer Theorie und Praxis, zwischen disziplinären Zugängen und interdisziplinär zu bearbeitenden Fragen und zwischen bereits gewonnenen Erkenntnissen und noch bestehenden blinden Forschungsflecken. Den konzeptionellen Rahmen bietet hierfür das forschende Lernen, das uns drei Autorinnen thematisch-inhaltlich einmal mehr zusammenbringt.

Aus dem Abstract:
„Das Interesse am forschenden Lernen und an der theoretisch-konzeptionellen wie auch empirisch basierten Weiterentwicklung dieses Konzepts ist im deutschsprachigen Raum groß. Der Bologna-Prozess könnte dieses bis dahin vor allem normativ geprägte Interesse befördert haben, da er die Verbindung von Lehre und Forschung aus unterschiedlichen Perspektiven auf den Prüfstand stellt. Bringt man noch die digitalen Medien in die Diskussion zum forschenden Lernen ein, eröffnen sich mindestens drei Zugänge: (a) Man kann das Lernen im Format der Forschung in Verbindung mit Medien näher betrachten. (b) Man kann Einsatzmöglichkeiten digitaler Medien innerhalb verschiedener Konzepte forschenden Lernens prüfen. (c) Man kann die Frage nach dem Forschungsverständnis, einer Disziplin oder eines Fachs in den Mittelpunkt stellen und dessen Einfluss auf individuelle Haltungen und die Gestaltung von Lehr-Lernszenarien und Medien beleuchten. Der Beitrag zielt darauf ab, die Nutzung digitaler Medien beim forschenden Lernen breiter zu betrachten als bisher üblich und mehrere Sichtweisen einzunehmen: eine hochschul- und mediendidaktische ebenso wie eine medientheoretische und -soziologische. Entsprechend wird der Kontext von Lernen, Medienhandeln und Bildung (durch Wissenschaft) erweitert, in der Erwartung, dass damit auch interdisziplinäre Forschungsfragen mit theoretischer, empirischer und praktischer Relevanz möglich werden.“

Hofhues, S., Reinmann, G. & Schiefner-Rohs, M. (2014). Lernen und Medienhandeln im Format der Forschung. In O. Zawacki-Richter, D. Kergel, N. Kleinefeld, P. Muckel, J. Stöter, J. & K. Brinkmann (Hrsg.), Teaching Trends14Offen für neue Wege: Digitale Medien in der Hochschule (S. 19-36). Münster: Waxmann. (Buch)(Preprint) (Präsentation)

Rückblick: #jfmh14

Ein Rückblick auf ein ‚Event‘ der letzten Tage fehlt an dieser Stelle definitiv noch: Die Betrachtung des Jungen Forums Medien und Hochschulentwicklung, das in diesem Jahr zum dritten Mal ausgerichtet wurde und am 13. und 14. Juni 2014 an der TU Dresden stattfand. Die TU Dresden, insbesondere Andrea Lißner und Team, war dabei ein toller Gastgeber: Im modernen Informatikgebäude gab es genügend Platz für Austausch, aber auch eine ausreichende Zahl an Steckdosen und viele ungewöhnliche Sitzgelegenheiten, die sowohl die individuelle Programmgestaltung als auch Kollaboration über Fachgesellschaften und Tracks hinaus möglich machten. Inhaltlich bot die Tagung ein breites Spektrum an Themen und Vertiefungen an. So waren es vor allem die Keynotes, die zum Denken in unterschiedliche Richtungen anregten. Erwähnt sei bspw. Markus Krajewski aus Basel mit seinem ‚produktiven Verzetteln‘. Die Metapher des Verzettelns geht dabei auf den Zettelkasten zurück, den viele Forschende seit Jahrhunderten einsetzen, um ihre Studien zu dokumentieren und zu reflektieren. Sie nutzen den Zettelkasten dann als Ausgangspunkt für neue Texte, da er seit jeher eine Form des externalisierten Gedächtnisses ist. Die Metapher des Verzettelns mit und ohne Zettelkasten erweist sich auch dann als nützlich, wenn man digitale anstelle von analogen Medien zur Dokumentation einsetzt. Krajewski selbst zeigte ein eigens entwickeltes Werkzeug, um ‚produktives Verzetteln‘ anzustoßen (siehe seine Software ‚Synapsen‘). In ähnliche Richtungen stoßen aber letztlich alle Literaturverwaltungssysteme und Social Bookmarking-Tools. Der mediengeschichtliche Zugang zu einem sowohl medientechnisch als auch medienpsychologisch höchst interessanten Thema hat sich dabei als absolut brauchbar erwiesen und in Randgesprächen wurde vielfach auf diese Keynote verwiesen. Diskutiert wurde allerdings eifrig darüber, dass der historische Zugang insgesamt einer 1:1-Übersetzungs-Logik folgt, d.h. analoge Handlungspraxen werden vorwiegend in digitale übertragen. Dass und wie digitale Werkzeuge hier Erweiterungen anbieten und damit neue Handlungspraxen durch Gebrauch erzeugen, wurde in dieser Keynote eher nicht thematisiert. Dafür hatte aber am Folgetag Christina Schwalbe von der Universität Hamburg einige Ideen, wie sich Handlungspraxen in der digitalen Welt von solchen in einer Buchkultur unterscheiden. Dabei halfen zwei Tabellen/Abbildungen besonders (zu den Folien): Zum einen bot die Tabelle zur Entwicklung von Leitmedien und kulturellen (Handlungs-)Praxen eine Einordnung unterschiedlicher Praxen und Erweiterungen an. Zum anderen wurde auf unterschiedlichen Gestaltungsebenen argumentiert, nämlich auf solchen, die im engeren Sinne der Didaktik zuzuordnen sind, aber eben auch auf solchen, die eher der Organisationsentwicklung und darin im Besonderen einer systemtheoretischen (Denk-)Richtung zuzuordnen sind. Die Bezugnahme auf die strukturale Medienbildung von Jörrissen und Marotzki erwies sich im Kontext der Nachwuchstagung zudem als hilfreich, da anhand der zweiten Keynote der praktische Gehalt einer Theorie der Medienbildung deutlich wurde. Vertiefungen ganz anderer Art bot später Peter Baumgartner mit seinem Workshop zu Publikationsindizes an, der bei der Gruppe der Nachwuchsforschenden und -praktiker auf großes Interesse gestoßen ist, auch wenn der Sinn der Auseinandersetzung mit dem Publizieren mehrfach erst auf den zweiten Blick erkannt wurde (zum Rückblick auf den Workshop). Überhaupt sind es solche Aha-Effekte, die man in vielen Gesprächen auf dem Jungen Forum wahrnehmen konnte und die eine Tagung unter Novizen oder weniger erfahrenen Forschenden wie Praktikern besonders auszeichnen. Dass solche Effekte in den einzelnen Tracks am Freitag und Samstag ebenso erzielt werden konnten, ist wahrscheinlich, denn: Das Feedback des Plenums ist auf der Nachwuchstagung traditionell wohlwollend und nicht zerstörend, alle Anwesenden bemühen sich um echte Rückmeldungen und weniger um Co-Referate, und gleichzeitig wird den Referenten zugestanden, selbst in diesem inzwischen professionalisierten Tagungsrahmen Fehler zu machen. Insgesamt haben sich das Tagungsprogramm und die unterschiedlichen Angebote also einmal mehr bewährt; genauso kam die etwas kleinere Teilnehmerzahl (+/- 60 Teilnehmende) den Gesprächen eher zugute und das Rahmenprogramm ‚Bunte Republik Neustadt‘ hat für das Tüpfelchen auf dem I gesorgt. Als Nachwuchsvertreterin der GMW sage ich daher Danke nach Dresden und hoffe, dass sich für das nächste Jahr bald ein neuer Austragungsort findet/formiert. Denn das Junge Forum als kooperative Nachswuchsveranstaltung geht weiter, natürlich.

Von Rothemdchen, Vielfalt und offenen Lernumgebungen: (m)ein Rückblick auf die #gmw13

Wenn die Jahrestagung der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW) in einer Massen- und Pendleruniversität und zugleich einer Kreativhochburg des deutschsprachigen E-Learnings stattfindet, sind die Erwartungen hoch: hinsichtlich der anzutreffenden Themen „zwischen Vision und Alltag“, hinsichtlich eines breiten Spektrums zwischen Theorie, Empirie und Praxis sowie hinsichtlich der wie selbstverständlich integrierten Tagungsformate.

Greift man das Tagungsmotto „E-Learning zwischen Vision und Alltag“ auf, schlugen sich viele der eingereichten Beiträge auf die Seite des Alltags, insbesondere die Texte, die sich dem Einsatz von digitalen Werkzeugen für Lehre und Forschung widmeten. Neu und aus meiner Sicht positiv war, dass auf der diesjährigen Tagung erstmals die Lehrer(aus)bildung recht präsent war, in eigenen Tracks sowie in Workshops (siehe unten). Desweiteren wurde die Zukunft u.a. von Larry Johnson skizziert, Verantwortlicher für den Horizon „Trend“ Report im New Media Consortium, oder von Lorna Hughes, die die Frage nach der Bedeutung von Content für das Lernen aus bibliothekarischer Sicht aufwarf. Auch die weiteren Keynote-Lectures oder eingeladenen Beiträge deuteten Richtungswechsel an, etwa Rolf Schulmeister in Richtung unglücklicher Evaluationen im Hochschulalltag oder Marc Rittberger in Richtung wachsender Bedeutung von Open Content (am Beispiel Pedocs). Ob und inwieweit alle Beiträge unter das Tagungsmotto zu integrieren waren, blieb den Gesprächen in den Kaffeepausen vorbehalten; mein Eindruck war, dass viele relevante Themen angeschnitten wurden, die einer persönlichen Bewertung bedürfen: Denken wir nur an das angemessene Verhältnis von Technologie und Didaktik, an die Machbarkeit empirischer Studien im Hochschulkontext, das Interesse am und die Notwendigkeit eines Lernen(s) mit Medien usw. Ein wenig gesucht habe ich nach den Visionen des E-Learnings, die durch die bearbeiteten Frage- und Problemstellungen mitunter durchschienen, aber expliziter sein könnten: So habe ich Gespräche im Ohr, die endlich für den Fokus auf das Lernen, weniger auf das „E“ plädierten (und mich an den Beitrag von Gudrun Bachmann et al. aus dem Jahr 2009 erinnerten). Auch hatte ich den Eindruck, dass immer mehr Personen Interesse daran haben, mit ihren didaktischen Konzeptionen auch Lücken zu schließen. Während viele Angebote auf den Anwendungsbereich von digitalen Werkzeugen fokussieren, könnten sowohl Herausforderungen informationstechnischer Grundbildung als auch (sozial-)pädagogische Fragen stärker als bisher bearbeitet werden. Ein ähnliches Plädoyer hatte ich im Frühjahr in Paderborn abgegeben und stehe immer noch dahinter: Eine Fokussierung auf das Medium als Werkzeug ist aus meiner Sicht auf Medien an der Hochschule zu wenig.

Diese Leerstellen konnten allerdings erst sichtbar werden dadurch, dass die Tagung eine Vielfalt an disziplinären Zugängen und eine bunte Mischung aus eher wissenschaftlichen und eher reflektierten Praxisbeiträgen angeboten hat. Hierin lag und liegt sicherlich eine Stärke der GMW, dass theoretische Fragen nicht nur empirisch untersucht werden, sondern auch in praktische Umsetzungen münden – oder umgekehrt, denn es liegt in der Natur der Sache, dass man mitunter „bottom-up“ zur Konzeption kommt. Entsprechend sinnvoll ist daher eine Integration von Lang- und Kurzbeiträgen innerhalb eines Tracks, sofern sie sich an ähnlichen Aspekten reiben. Auch die Vielfalt disziplinärer Zugänge hilft, einzelne Projekte besser bewerten zu können: So war es für mich bspw. sehr interessant einen Track zu moderieren, der sich der Studieneingangsphase widmete und Lösungen aus hochschul- und mediendidaktischer sowie aus technischer und Kommunikationssicht angeboten hat. Durch die bloße Struktur des Tagungsprogramms werden Theorie und Praxis ins Verhältnis gesetzt, indem nämlich Phänomene aus unterschiedlichen Blickrichtungen betrachtet und mitunter „geerdet“ werden. Inwiefern die Gestaltung und Entwicklung von Lernumgebungen dabei bereits Forschung ist, wurde kontrovers diskutiert und insbesondere von den Vortragenden selbst als Implementierung, Umsetzung oder Praxis skizziert. Diese eher forschungsmethodologischen Leerstellen wurden daher genauso sichtbar.

Das Interesse an Leerstellen führte auch dazu, dass ich zusammen mit Mandy Rohs, Claudia Bremer und Marc Egloffstein einen Workshop zu Konzeptionen und Förderansätzen von Medienkompetenzen in der Lehrpersonenbildung angeboten habe (zu den Folien). Der Workshop fand bereits am Preconference-Tag der GMW13 statt und zog weitaus mehr Interessent/inn/en an als gedacht. Um die 20 Teilnehmenden hatten Lust darauf, sich mit uns dem Thema zu widmen – und praktisch tätig zu werden, denn aus der Workshop-Ausschreibung ging hervor, dass wir ein partizipatives, produktorientiertes Format zur Umsetzung gewählt hatten. Das Format griff dabei eine lehrveranstaltungsbezogene Konzeption aus dem Jahr 2010 auf (Credits to all involved@vitamin b!) und konnte als erprobt gelten – was hilfreich ist, wenn man sich auf die Dynamiken gemeinsamer Medienproduktion innerhalb eines Workshoptages (bzw. 2×3 Stunden) einlässt. Rückblickend sehr interessant ist, dass im Workshop selbst gewählte Themen ohne größere Schwierigkeiten bearbeitet wurden, im Gegenteil: Am Ende blickten wir auf lösungs- und zielgruppenorientierte Texte, die für unsere Pixi-ähnliche Publikation auch weiter verwendet werden können. Auch die Konzeptionen und Förderansätze von Medienkompetenzen kamen zur Sprache, aber vielmehr nebenbei als ausdrücklich: durch die Reflexion eigenen Lehrhandelns, durch die Unterscheidung zwischen Schule, Hochschule und Weiterbildung sowie durch die eigenen Schul- und Medienerfahrungen, die vielen Texten schließlich zugrunde lagen. Große Irritation löste allerdings das gewählte Workshop-Format aus, das ein Einlassen auf die offene Lernumgebung von Anfang an von Nöten machte. So war das Feedback der Anwesenden nicht anders als in der Lehre, wo offene Konzepte häufig Spaß machen und unerwartet kreative Ergebnisse hervorbringen, aber anstrengend sind und die Verantwortung für das Lernen in Teilen in die Hände der Lernenden legt.

Die beiden anderen Workshops, in die ich zentral involviert war, waren in anderer Hinsicht spannend. Sie griffen beide ein Trendthema auf – einmal mit den MOOCs und einmal mit dem Service Learning – und versuchten sich beiden Themen sukzessive zu nähern. Der MOOC-Workshop war klassisch mit vier Thementischen organisiert, die von Ulf-Daniel Ehlers, Claudia Bremer, Rolf Schulmeister und mir geleitet wurden. Durch die unterschiedlichen Sichtweisen auf MOOCs wurde sicherlich nochmals das breite Spektrum der Diskussion deutlich, ohne dies in der Kürze der Zeit abschließend zu bearbeiten (zu meinen Folien). Eigentlich fing die Diskussion nach dem Workshop erst richtig an. Anders als bei MOOCs, wo durch die Berichterstattung über deren Integration in den USA bereits hohe Vorkenntnis und teils auch eigene Erfahrungen vorhanden sind, ist das pädagogische Konzept des Service Learnings beinahe unbekannt. Letzteres hat mich in Teilen überrascht, da hier ähnliche öffentliche Aufmerksamkeit über Förderlinien und Berichterstattung vorliegt. Allerdings wird der Konnex zu „den Medien“ nicht gleich deutlich, wie Philip Meyer in meiner Doppelsession mit Holger Kubinski und Manuel Yasli nochmals am Beispiel der Augsburger Service Learning-Initiative zeigte. Unsere Doppelsession war daher stärker in zwei Teile geteilt als gedacht: In der ersten Session mussten nochmals Grundlagen erarbeitet werden und es wurde intensiv diskutiert, was Service Learning eigentlich sei. Ob es sich um alten Wein in neuen (us-amerikanischen) Schläuchen handelt und wer eigentlich mit wem kooperiert? Und welche Rolle spielen Unternehmen beim Service Learning, passt eine Kooperation mit ihnen zum Service-Charakter des (sozial-)pädagogischen Konzepts? Im zweiten Teil konnten wir uns mehr den Rahmenbedingungen widmen, die für Service Learning mit Medien an Hochschulen bestehen sollten (zu den Folien). Ganz interessant daran war, dass man sich rasch vom pädagogischen Konzept löste und Fragen der Hochschuldidaktik/-entwicklung zuwandte. Es wurde nochmals über das Wesen von Projekten gesprochen, über die Bedeutung von (medialer) Infrastruktur, zentrale Ansprechpartner/inn/en und Nachhaltigkeit – Aspekte, die man auch mit anderen pädagogischen Konzepten in Verbindung bringen kann und sich bspw. in Publikationen zum E-Learning seit Jahren finden (z.B. in den SCIL-Arbeitsberichten). Leider war die Doppelsession mit der Feststellung gewisser Ähnlichkeiten beendet – eine Herausforderung, die sicherlich im offenen Barcamp-Format liegt: Hier werden neue(re) Themen eher angerissen als geklärt. Doch hat auch die Initiative „EduCamp meets GMW“ auf der diesjährigen Tagung ihren Platz in der Mitte der Tagung gefunden.

Mit drei Workshops, der Co-Moderation „EduCamp meets GMW“ und der Vorstandstätigkeit war ich auf der GMW13 in vielerlei Hinsicht involviert, habe aber anders als in den letzten Jahren viel von der Tagung mitbekommen. Das mag mit eigenen Routinen zusammenhängen, sicherlich aber auch mit der fantastischen Tagungsorganisation. Speziell an den „Rothemd(ch)en“, wie Claudia Bremer und Detlef Krömker ihre Mitarbeitenden tauften, kam niemand vorbei. Sie waren präsent, zuvorkommend und hilfsbereit und haben viele Wege für die Involvierten abgenommen. Dafür abschließend ein ganz herzlicher Dank! Da ich selbst mit Studierenden aus Heidelberg angereist war und auch sonst den Eindruck hatte, die GMW hätte sich verjüngt, fühlte ich mich in Frankfurt vielfach an meine erste GMW-Tagung in Hamburg 2007 erinnert. Ich konnte noch gut nachvollziehen, wie es ist, sich erstmals auf einer Konferenz zurecht zu finden, die Personen und Meinungen für sich sortieren zu müssen und das tolle Rahmenprogramm genießen zu wollen. Letzteres fand seinen Höhepunkt beim Conference Dinner im Deutschen Filmmuseum Frankfurt – an einem Ort, den man den E-Learnern gar nicht zutrauen würde und nicht zuletzt deswegen sehr angenommen wurde. Ich blicke zurück auf eine gelungene GMW13 und freue mich auf ein Wiedersehen an der PH Zürich im Jahr 2014.

 

Rückblick: Junges Forum Medien und Hochschulentwicklung (#jfmh13)

Als Teil des Organisationskomitees auf die eigene (Nachwuchs-)Tagung zurückzublicken, ist schwierig: Wie euphorisch geht man mit dem Erlebten um, wie kritisch sieht man manche Aspekte? Ich will dennoch an dieser Stelle einen kurzen Rückblick auf das Junge Forum Medien und Hochschulentwicklung wagen, das heute genau eine Woche zurückliegt und mich/uns doch weiter beschäftigt.

Zunächst einmal bildete die Zusammenkunft der unterschiedlichen Akteure aus den Fachgesellschaften sowie aus Wissenschaft und Praxis eine tolle Gemeinschaft zum Weiterdenken. Das große Potenzial zeigte sich bereits in der Auftakt-Keynote von Gabi Reinmann, die sich mit Educational Design Research und letztlich auch mit der Frage der Gemeinsamkeiten (und Unterschiede) zwischen Wissenschaft/Forschung und Praxis beschäftigte. Für mich, aber auch für Mandy Rohs und Ulrike Lucke, die die zugehörige Fish Bowl mit mir gestalteten, waren die Überlegungen zwischen Instructional Design (ID) und Design (Based) Research (DR) nicht neu, im Gegenteil: In unseren eigenen Forschungs- und praktischen Tätigkeiten stoßen wir oft auf Gestaltungsfragen und können daher Gabis Ansatz gut verstehen. Der Blick ins Plenum zeigte aber, dass die im Beitrag aufgeworfenen Fragen, etwa zur Rolle der Person, zum Handeln von Wissenschaftlern/Praktikern, zu (Forschungs-)Mainstream und zur Machbarkeit, zur Bildungsinstitution etc., durchaus ambitioniert waren: Immerhin hatten höchstens ein Fünftel der Anwesenden überhaupt einmal von ID und/oder DR gehört (wie ich beim Stimmungsbild zur Überbrückung von technischen Pannen herausfand ;-)). Der Beitrag war daher für viele Teilnehmende neu und hat zur weiterführenden Verarbeitung und Diskussion geführt. Insbesondere in den Pausengesprächen wurden wir immer wieder darauf aufmerksam, wie Aspekte des Beitrags reflektiert wurden und eigene Forschungs- und Praxisperspektiven darin identifiziert wurden.

Es mag daher ein glücklicher Zufall (oder auch die von uns geplante Spur ;-)) sein, dass im weiteren Verlauf der Tagung Gestaltungsfragen präsent waren. Ich selbst durfte bspw. eine Session begleiten, in der es um Implementierung von E-Learning und Hochschuldidaktik im Rahmen des Qualitätspakts Lehre ging. Die Inhalte dieser Praktiker-Session lagen mir sehr nahe, da ich mich in meiner Hamburger Zeit mit ganz ähnlichen Fragen beschäftigt habe und zugleich den Forschungsstand in beiden Bereichen gut kenne. Beides, sowohl die Erfahrungen als auch die theoretisch-konzeptionellen Impulse, waren so auch Gegenstand der Diskussionen, die Patrick Bettinger und ich zusammen moderierten. Hilfreich war dabei sicherlich die Zusammensetzung des Plenums, das nicht nur aus Nachwuchskräften bestand, sondern viele erfahrene Wissenschaftler/innen und Praktiker/innen versammelte. Auf diese Weise konnten wir permanent zwischen dem Status quo und einer Vision von Medien und Hochschuldidaktik changieren, denn letztlich sollte das Forum nicht nur Erfahrungsaustausch im Jetzt sein, sondern auch Perspektiven zur weiteren Beschäftigung entwickeln.

Während die Praktiker-Sessions generell mit Vorgaben aus Drittmittelprojekten oder durch Vorgesetzte zu kämpfen hatten, konnte sich der Forschungstrack dezidiert Forschungsfragen widmen. Obschon man ausgehend von der Auftakt-Keynote Überschneidungen in den Herangehensweisen ausmachen konnte, war der Unterschied in der Tiefe der Auseinandersetzung und dem Grad der Reflexion spezifischer Fragestellungen doch deutlich spürbar. Letzteres mag auch darin liegen, dass das Forschungsprojekt (meist Promotionsprojekt) ein individuelles Projekt mit (mehr oder weniger) Gestaltungsspielraum ist. So hat bspw. Andrea Ließner in ihrem rückblickenden Blogpost beschrieben, wie sie mit dem Feedback innerhalb des Forschungstracks zurecht kam und dies speziell in der Anfangsphase der Promotion gut beratend aufnehmen konnte. Die Trennung in Forschung und Praxis wirkt daher inhaltlich mitunter künstlich, bezogen auf offene Fragen und Art und Weise der Auseinandersetzung lassen sich aber doch erhebliche Unterschiede ausmachen, die auch nur teilweise in inhaltsorientierten Tracks zu vereinen wären.

Besonders erwähnen möchte ich auch die Nachwuchs-Keynote, die mit der zweiten Durchführung zur schönen Instanz auf dem Jungen Forum geworden ist. Patrick Bettinger sprach über die „entgrenzte Universität“ und hatte dabei nicht nur ein Medienprojekt der Universität Augsburg im Gepäck, sondern auch offene Fragen zum Verhältnis von Studium und Arbeit. Das war und ist spannend, denn der Übergang zwischen den einzelnen (Lebens-)Phasen scheint mir fließend – nicht nur, aber auch institutionell betrachtet. Wie unterstützen Medien die Entgrenzung von Universität? Worin besteht Entgrenzung? Wird Entgrenzung aus subjektiver oder aus Hochschul-, d.h. institutioneller Sicht, betrachtet? Fragen über Fragen, die sich spät abends vor dem 1930er-Jahre Konzert-Abschluss ergaben.

Der stimmungsvolle Abschluss des ersten Tages deutet auch an, wie die Atmosphäre auf dem Jungen Forum generell ist: nämlich jederzeit wertschätzend, konstruktiv (nicht positiv naiv!) und nett. Ob das nun am großen Anteil der weiblichen Organisatorinnen liegt, wie Claudia Bremer vermutete, lasse ich an dieser Stelle im Raum stehen. Ich nehme an, es ist eher das pädagogische Interesse an der Nachwuchsförderung, das bei allen Teilnehmenden vorhanden war/ist und sich eben im Umgang und Miteinander von Anfang bis Ende fast schon traditionell spiegelt. Nicht zuletzt aufgrund vorhandener Interessensbekundungen halte es für sehr wahrscheinlich, dass das Projekt Nachwuchstagung auch im nächsten Jahr aufrecht erhalten werden kann. Einen großen Anteil daran haben auch die Potsdamer, denen für die Organisation des zweiten Jungen Forums vor Ort ein großer Dank gebührt.

Junges Forum Medien und Hochschulentwicklung: Lern- und Bildungsprozesse gestalten und erforschen

Ich freue mich sehr, dass ich auf diesem Weg die (Nachwuchs-)Tagung „Junges Forum Medien und Hochschulentwicklung: Lern- und Bildungsprozesse gestalten und erforschen“ der Fachgesellschaften Deutsche Gesellschaft für Hochschuldidaktik (dghd), Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW), Sektion Medienpädagogik der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) sowie Fachgruppe E-Learning der Gesellschaft für Informatik (GI) ankündigen darf. Die Nachwuchstagung wird in diesem Jahr organisiert von der AG E-Learning der Universität Potsdam und findet am 7. und 8. Juni 2013 in Potsdam statt. Sie greift Spannungsfelder auf, die schon bei der letzten Tagung in Hamburg aufgezeigt wurden und mit Fragen der Gestaltung und Erforschung von Medien und/oder Hochschule disziplinenübergreifend erneut thematisiert werden. Auch dieses Mal besteht die Möglichkeit zur Einreichung von Präsentationen (zum Call), die fachlich-inhaltlich sowie methodisch unterschiedlich akzentuiert sein dürfen und einem Review unterzogen werden. Im Nachgang zur Tagung können die Beiträge ebenfalls publiziert werden, inkl. eines offenen Peer-Coachings bis zur Einreichung des Texts. Hinweise hierzu erfolgen nach der Einreichung.

Zusammen mit dem gesamten Organisationsteam freue ich mich auf interessante, ausgewogene oder polarisierende, praktische, empirische oder theoretische Beiträge, die das ganze Spektrum der Medien und Hochschulentwicklung aufzeigen.

Medienpädagogik „10 Jahre danach“

Über 10 Jahre nach der Einführungsvorlesung in die Medienpädagogik an der Universität Augsburg hat es mich in diesem Jahr erstmals zur Herbsttagung der Sektion Medienpädagogik nach Hamburg verschlagen. Der Besuch der Tagung traf sich ganz gut mit dem Kick-off unseres Projekts, über den ich am Samstag schon berichtet habe. Zur Sektionstagung bin ich aber aus anderen Gründen gegangen: Vor allem wollte ich wissen, was aktuelle Diskussionen in „der“ Medienpädagogik sind bzw. was Stand der medienpädagogischen Forschung und Praxis ist (siehe dazu auch Mandys Blogpost); gleichzeitig hat mich interessiert, wie „die“ Medienpädagogen sind, würden wir doch gerne mit der Sektion Medienpädagogik eine dritte Fachgesellschaft in das Junge Forum Hochschul- und Mediendidaktik integrieren. Auf diese Weise fielen persönliche Interessen zusammen mit einem breiteren Blick auf Themen und Inhalte, Herangehensweisen und (Rück-)Schlüsse sowie Personen, die sich in vielen Fällen zwischen den Fachgesellschaften ohnehin überschneiden. Es kam daher nicht von ungefähr, dass ich mich in vielen Diskussionen „zuhause“ fühlte, mir zugleich aber Herausforderungen des fachübergreifenden Denkens und Arbeitens in den Sinn kamen. Denn bei breiten Themenspektren wie auf der Herbsttagung lässt sich gut identifizieren, dass Medienpädagogik als Fach(-bereich) aktuell einen Wandel vollzieht, der sich nicht (mehr) in der Ausdifferenzierung von Medienpädagogik in Mediendidaktik und Medienerziehung fassen lässt, sondern vielmehr beeinflusst ist von den disziplinären Perspektiven auf Medien, die sich teils aufeinander zu bewegen, dem Verständnis von Medien, das sich bis auf weiteres zwischen Werkzeug, Inhalt und Raum befindet, und der Rolle von Computer, Internet und digitalen Medien, die (inzwischen) nicht mehr negiert wird/werden kann. Insgesamt hat die Tagung also eindeutig in Richtung eines Zusammenwachsens medienpädagogischer und mediendidaktischer Fragen gezeigt – bei mir im Kopf sowieso, aber vor allem auch perspektivisch über den Tellerrand einer Fachgesellschaft hinaus. Eine schöne Erfahrung „10 Jahre danach“.

ECER 2012: Einblick und Rückblick

Einen Tagungsrückblick „schulde“ ich noch, nämlich einen kurzen Einblick bzw. Rückblick in die European Conference on Educational Research (ECER), die vom 17. bis 21. September 2012 an der Universidad de Cádiz (Spanien) stattfand. Ich sage bewusst „durfte“, denn Tagungen wie die ECER sind in jeder Hinsicht besonders: zuvorderst ob der Größe, die einen vollständigen Überblick weder vor Ort noch hier im Blog zulässt, dann ob der Reise, die sich irgendwo zwischen Strapaze und Erlebnis bewegt, und ob der Kosten, die internationale Konferenzen immer auch verursachen.

Umso mehr schätze ich es, dass ich seitens der HAW zur Teilnahme an der Konferenz und am Symposium von Mandy und Annabell ermuntert wurde. Im Symposium selbst habe ich dann am Beispiel des Theorie-Praxis-Transfers versucht zu skizzieren, wie sich pädagogische Herausforderungen an Hochschulen nicht selten fachübergreifend auftun, welche Möglichkeiten der Auseinandersetzung Lehrendennetzwerke ggf. bieten und welche Rolle auch (digitale) Medien zur Problembewältigung spielen könnten. Mein kurzer Impuls endete dann mit zwei Fragen, die bei der Konzeption entsprechender Angebote zu berücksichtigen sind:

  • What is theory, what is/are practice(s)?
  • What are teachers‘ media related routines and teaching beliefs?

Letztere Frage nach den Beliefs fand sich in vielen Vorträgen auch außerhalb des Symposiums wieder, etwas häufiger in Richtung Überzeugungen von (Hochschul-)Lehrenden bzw. Lehreridentität als im Zusammenhang mit dem Medieneinsatz in Bildungskontexten.

Überhaupt war ich irritiert ob der zurückhaltenden Auseinandersetzung mit und über Medien, die sich vielleicht ergeben muss, wenn man sich in den vielen sog. ECER-Netzwerken ohne Medien im Titel tummelt. Dennoch fiel auf, dass – wenn überhaupt – an vielen Stellen eher nach der technologischen Innovation im Bereich Medien gesucht wurde, statt nach der pädagogischen Idee „hinter“ dem Medieneinsatz zu fragen. Gefragt nach dem Ziel des Medieneinsatzes blieben die Antworten entweder aus oder richteten sich auf Kompetenzorientierung und/oder Assessment. Hier lassen sich durchaus Parallelen zur deutschsprachigen Diskussion ausmachen.

Im Verlauf der Tagung haben mich u.a. folgende Fragen noch beschäftigt:

  • Welche Relevanz hat der Bildungsbegriff bzw. haben Konzepte von Bildung im angloamerikanischen Sprachraum?
  • Welche Verantwortung hat das Subjekt für die Bildung, welche Rolle spielen passende Strukturen zur Entwicklung des Einzelnen?
  • Wie wirken sich Methodologien auf das Verständnis von (komplexen) Bildungsfragen aus?
  • Welche Bedeutung nimmt das informelle Lernen in formalen Bildungskontexten ein, wie „beforscht“ man informelles Lernen?
  • Etc.

Die Fragen deuten bereits an, dass die ECER durchaus Potenzial zur fachlich-inhaltlichen Auseinandersetzung geboten hat – nicht zuletzt im Austausch mit den vielen anderen Tagungsbesuchern, mit denen sich einige nette Gespräche ergeben haben. Und ich kann es nicht verleugnen: An einem schönen Ort zu tagen, ist anregend und sorgt für die notwendige Abwechslung zu einem dicht gedrängten Tagungsprogramm.