Erschienen: crossmedia@cosci12

Im letzten Sommer war ich auf der kleinen, aber sehr feinen Tagung „Science and the Internet“ (#cosci12) an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Die Zeit in Düsseldorf ist mir in guter Erinnerung geblieben, da „das Internet“ im Zusammenhang mit „der Wissenschaft“ aus mehreren Disziplinen betrachtet und die disziplinäre Engfassung eines Gegenstandsbereichs gezielt aufgehoben wurde. Mit einigem zeitlichen Abstand steht nun auch der Tagungsband als Open Access zur Verfügung.

Im Band selbst findet sich ein Beitrag meiner früheren Kolleg/innen und mir zur Auseinandersetzung mit/über Medien in der Lehre, festgemacht an Medienkonvergenz und Crossmedialität. Denn speziell Crossmedialität als geplantes Zusammendenken unterschiedlicher Medien und medialer Formate und ihrer gemeinsamen Produktion/Gestaltung treibt die Zurückhaltung gegenüber Medien in der Lehre auf die Spitze: angefangen bei der zugeschriebenen Relevanz der handlungsorientierten Auseinandersetzung über das persönliche Empfinden von Medien- und Informationskompetenz(en) bis hin zu schwierigen strukturellen Rahmenbedingungen. Ausgehend von einem Fall an der Universität Augsburg zeigen wir auf, warum die Auseinandersetzung mit Crossmedialität an Universitäten an Bedeutung gewinnen sollte – und welche Auswirkungen dies auf das gängige Verständnis von Medien in der Hochschulbildung hat.


Hofhues, S., Geier, C. & Grießhammer, L. (2012). Fostering Crossmedia Literacy in Formal Educational Contexts: Conceptual Considerations and Case-Specific Results. In A. Tokar, M. Beurskens, S. Keuneke, M. Mahrt, I. Peters, C. Puschmann, T. van Treeck & K. Weller (eds.), Science and the Internet (pp. 87–98). Düsseldorf: Düsseldorf University Press.

Studentisches Publizieren: mal drei, durch drei?

Zu Beginn des Wintersemesters hatte ich von meinem Blockseminar an der Universität Augsburg berichtet, das nicht mehr den Titel „w.e.b.Square – wissenschaftliches Publizieren im Netz“ trägt, sondern unter dem Motto „Publish or Perish“ firmiert. Der neue Titel schlägt sich auch in der Konzeption des Angebots nieder, das nämlich nicht mehr ausschließlich auf das wissenschaftliche Publizieren fokussiert ist, sondern Fragen des Veröffentlichens unter drei verschiedenen „Zwängen“ beleuchtet.

Insofern scheint folgerichtig, dass am zweiten Blocktermin am letzten Samstag mit dem journalistischen, dem organisationalen (PR) und dem wissenschaftlichen Publizieren drei Perspektiven auf das Schreiben zusammengeführt und kritisch beleuchtet wurden. Aus meiner Sicht besonders interessant war dabei, alle drei Perspektiven unter dem gemeinsamen Dach Wissenschaft zu diskutieren – gefühlt ein Novum und vielleicht eine notwendige Veränderung infolge des gemeinsamen Zwangs von „Publish or Perish“? Innerhalb des Seminars war auch interessant zu sehen, wie innerhalb der einzelnen Denkweisen Feedback gegeben wird, wenn man z.B. ein Peer Review mit wissenschaftlichen Kriterien durchführt und nicht etwa redaktionell geprägte Rückmeldungen gibt, à la wir brauchen noch einen Artikel zum Thema xy oder nur ein Artikel im Lead ist ein akzeptabler Text. Ich denke, Anschauungsobjekte und Vergleiche zwischen den Sichtweisen auf das Publizieren gibt es genug – und erst im Vergleich wird deutlich, wie unterschiedlich die daraus resultierenden Handlungspraxen sind.

Bis zum abschließenden virtuellen Klassenraum wird es nun darum gehen, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der drei Perspektiven in der Kleingruppe zu explizieren und einer interessierten Studierendenschaft als „klassische“ Zielgruppe von w.e.b.Square zugänglich zu machen. Wie die Gemeinsamkeiten und Unterschiede dabei vermittelt werden, ist noch offen, immerhin sollten sich (Schreib-)Zwänge und Fragen der Sozialisation in Wissenschaft auch methodisch-didaktisch sowie medial im Projekt zeigen. Diskutiert haben wir beispielsweise über Wikis versus herkömmlichen Text, um nur ein Beispiel zur möglichen Umsetzung zu nennen.

Auf die Ergebnisse des Seminars bin ich sehr gespannt – nicht zuletzt deswegen, weil die Veranstaltung mit dem Produzieren und Veröffentlichen von Texten einen medienpädagogischen Bereich betrifft, der mich seit meiner eigenen Zeit an der Universität Augsburg interessiert und auch über die einzelne Lehrveranstaltung hinaus z.B. in eigenen didaktischen Überlegungen oder Projekt-Evaluationen begleitet.

Vortrag: „Spannung – Spaß – Spiel?“

Eine der Gesellschaften, mit denen man im medienpraktischen Umfeld Medien häufig zu tun hat, ist die Arbeitsgemeinschaft der Medienzentren an Hochschulen (AMH). Die AMH geht vor allem der Frage nach, wie man Entwicklungen in den Medien auch an Hochschulen Rechnung tragen kann. Dabei werden allerhand Punkte berührt, Ressourcen  und Organisationsmodelle ebenso thematisiert wie die aktive Medienarbeit mit Studierenden. Zu letzterem zählt auch die Konzeption und regelmäßige Durchführung von Campus-TV-Produktionen, die traditionell oft in Medienzentren angesiedelt und  nicht selten in die Lehre integriert sind. So kam es nicht von ungefähr, dass die AMH in der letzten Woche einen Workshop zum Thema „Workshop Campus TV – Ein Phänomen mit vielen Gesichtern“ unter der Leitung des Medienlabors der Universität Augsburg durchgeführt hat.

Ich selbst war im Workshop eingeladen, eine pädagogische Sicht auf Campus TV zu vertreten. Letzteres ist einerseits leicht, stellen Campus-TV-Projekte doch traditionelle Medien-Projekte an Hochschulen dar; anderseits ist es aber auch herausfordernd, gilt es neben der handlungsorientierten Sicht auch andere pädagogische Bereiche anzusprechen, etwa mit den Medienprojekten verbundene Ziele, Unterschiede in den Projektstrukturen, die Rolle des Lehrenden in (eher) offenen Medienprojekten, die Reflexion der medienpraktischen Erfahrungen im Kontext Hochschule u.v.m. Ich habe mich daher dazu entschieden, ein Impulsreferat mit der Überschrift „Spannung – Spaß – Spiel? Pädagogische Betrachtungen studentischer (Medien-)Projekte“ zu halten (zu den Folien). In Analogie zu einem bekannten Süßwarenprodukt habe ich dabei versucht, die Herausforderungen der Konzeption und Umsetzung von Medienprojekten zu differenzieren. Anhand einiger Beispiele, die bewusst über das Campus TV hinausgingen, ist es mir hoffentlich gelungen, drei Aspekte herauszuarbeiten:

  1. Spannung: Vom Projektlernen und der Gestaltung/Produktion von Medien
  2. Spaß: Von Höhen und Tiefen des Projektlernens im Prozess
  3. Spiel? Zu den Grenzen der Offenheit beim Projektlernen an der Hochschule

Die drei Aspekte haben in eine Diskussion übergeleitet, unter anderem zur Crux der notwendigen technischen Fähigkeiten zur Umsetzung und Gestaltung von Medien, die die Wahrnehmung anderer Lernerfolge mitunter in den Hintergrund drängt. Auch wurde eine intensive Diskussion über die Bewertung der Medienprojekte geführt, die allenthalben schwierig ist und infolge der häufigen Verankerung von Medienprojekten in der „normalen“ Lehre ein nicht zu unterschätzendes Problem ist. Zugleich wurden Peer-Modelle zur Betreuung und Bewertung von Medienprojekten angesprochen, die aus medienpraktischer Sicht häufig zur Problemlösung beitragen.

Alles in allem war es ein spannender Workshop, den ich zwar nur für einen Tag verfolgen konnte, der mir aber nochmals intensive Einblicke in die Produktion von Campus TV ermöglicht hat. Zugleich bot der Workshop einen schönen Rahmen zur Stippvisite in Augsburg – verbunden mit dem Wiedersehen vieler ehemaliger Kolleginnen und Kollegen, über das ich mich sehr gefreut habe.

Irritation als Daueraufgabe?

Tamara schickte mir einen Link aus der Zeit, übertitelt mit „Die Superprofs„. Der Artikel ist grundsätzlich interessant, fokussiert er doch die Bedeutung der universitären Lehre. Auch deutet er alltägliche Konflikte von Wissenschaftlern an, wenn sie sich neben Forschung eben auch oder besonders mit Lehre auseinandersetzen wollen. Der Text steht insofern stellvertretend für eine Reihe (hochschul-)pädagogischer Innovationen, die sich aus dem Hochschulalltag ergeben und meist im direkten Zusammenhang mit anvisierten Lehr-Lernzielen in einer Lehrveranstaltung stehen. Wiedererkannt habe ich mich in einem Beispiel ganz besonders: So wird unter anderem auf „10-Minuten-Präsentationen“ eingegangen und dazu von Studierenden erwartet, ihre Ideen/Konzepte argumentativ zu durchdenken und zeitlich auf den Punkt zu bringen. Vermutlich ist es auch dieses Beispiel, das Tamara beim Linkversand in den Kopf kam, denn: In meinen Seminaren in Augsburg führte die zeitliche Engfassung bei Kurzpräsentationen zu großen Diskussionen unter MuK-Studierenden. Zu Beginn mussten fast immer Präsentationen abgebrochen werden, die sich nicht an die Zeitvorgaben hielten. Gegen Ende der Projektseminare haben sich die Irritationen oft gelöst, verbunden mit Verständnis für die leicht andere didaktische Konzeption. Daher kann ich die Schilderungen im Text gut nachvollziehen, die nicht nur spezifische Lernziele mit der Methode Kurzpräsentation verknüpfen, sondern auch verdeutlichen, dass ein anderes Vorgehen in der Lehre nicht zwingend von Lernenden gewünscht ist. Bei aller Hoffnung, Lehre durch unterschiedliche Formen der Förderung attraktiver und vielfältiger zu machen, steckt im durchwachsenen Lernendenfeedback die wohl größte Herausforderung für Lehrende. Denn wie viel Irritation und Diskussion lässt sich auf Dauer schon aushalten?

Wissensmanagement im Promotionsprozess

An Hochschulen wird gerne und viel analysiert, evaluiert und begleitend erforscht. Das wird jeder Hochschulbeschäftigte kennen. Es liegt auch in der Natur der Sache, geht es doch an Hochschulen neben Lehre auch um Forschung. Für viele ist Forschung sogar bedeutsamer als Lehre, aber das wäre jetzt ein anderer Blogbeitrag zur Profession des Wissenschaftlers. 😉 Bei der Vielzahl an Untersuchungen stechen allerdings manche heraus, an denen man lieber teilnimmt als an anderen: Sie weisen einen Bezug zum eigenen Arbeitsbereich oder Forschungsinteresse auf, sie sind nah an der eigenen Lebenswelt oder aus weiteren Gründen interessant. Manchmal nimmt man auch aus Verbundenheit zum Forschenden teil, das will ich nicht verschweigen.

Eine solche Verbundenheit ergab sich neulich auch für mich, als ich nach meinem Weggang aus Augsburg von Augsburger Promotionsstudierenden zum Thema „Wissensmanagement im Promotionsprozess“ befragt wurde. Immerhin war ich den überwiegenden Teil meiner Promotionszeit an der Universität Augsburg beschäftigt; etwa die Hälfte der Zeit war ich sogar davon ausgegangen, meine Promotion dort abzuschließen. Unter Samplinggesichtspunkten war vielleicht sogar der Hochschulwechsel ausschlaggebend für die Anfrage an mich, vielleicht war es aber auch der inhaltliche Bezug zum Wissensmanagement oder schlicht meine positive Reaktion auf eine Rundmail an alle verzeichneten wissenschaftlichen Mitarbeiter.

Im Interview selbst wurde der Fokus auf den Promotionsprozess gelegt, insbesondere auf die Interaktion zwischen den Doktoranden und zwischen Doktorand(en) und Betreuer. Den Fragen lagen dabei einige Defizitannahmen zugrunde, wie mir im Verlauf des Gesprächs immer klarer wurde. Es mangelt an Austausch, es mangelt an Zeit, es mangelt mitunter auch an Wissen der (angehenden) Doktoranden über ihr Vorhaben und mögliche Konsequenzen ihres Tuns (siehe hierzu auch Mandys Bericht vom Doktorandenforum der Sektion Medienpädagogik). Dazu gehören auch all die Höhen und Tiefen, die einen während der Promotion ereilen und von denen ich mich gar nicht ausnehmen will. Die normative Setzung zu Beginn war nicht zuletzt durch die persönlichen Erfahrungen der Interviewer bedingt: Sie selbst sehen Verbesserungsbedarf in der Gestaltung der Promotion im Allgemeinen und bei der Unterstützung ihres Promotionsfortschritts im Besonderen. Gleichzeitig liefern die Defizitannahmen gute Möglichkeiten zur Verankerung des Themas im Wissensmanagement, das ja (unter anderem) auf die Verbesserung von Kommunikation und Kollaboration zwischen Individuen abzielt.

Das Interview selbst hatte ich schon fast wieder verdrängt, kam mir aber nochmals in den Sinn, als ich den heutigen Blogbeitrag auf der Doktorandenseite der UniBW München gelesen habe. Denn interner wie externer Austausch mit Gleichgesinnten oder weiteren Interessierten – das wurde als eine zentrale Anforderung an die (bessere) Gestaltung des Promotionsprozesses offenbar. Zugleich kamen wir (und damit meine ich alle Doktoranden, die bei Gabi promovieren) hinsichtlich des Wissensmanagements „gut weg“: Bei uns gibt es formale Strukturen und informelle Bande für den Austausch, alle Beteiligten interagieren bedarfsorientiert miteinander und Präsenzphasen wechseln sich mit virtuellen Phasen ab.

Ein Schmankerl existiert neuerdings mit den Videofeedbacks, die kurz vor der Disputation stehende Doktoranden auf ihren Disputationsvortrag erhalten (können). Das ist aus räumlicher Sicht interessant, wenn man wie ich nicht (mehr) am eigenen Hochschulort lebt bzw. arbeitet; zugleich wird man als Doktorand gezwungen, sich frühzeitig mit dem Disputationsvortrag auseinanderzusetzen, bevor einen etwa neue Projekte einholen oder man die Prüfungssituation zu wenig ernst nimmt (soll vorkommen ;-)). Unter der Perspektive des Wissensmanagements ist diese (neue) Maßnahme ebenfalls interessant, da speziell die weniger erfahrenen Doktoranden Einblicke in weitere Stadien der Promotion erhalten.

Für mich persönlich war es etwas stressig den Vortrag aufzunehmen, da er genau in den Stellenwechsel fiel. Im Nachhinein hat es sich aber gelohnt und Zeitmanagement ist ja auch etwas, das man im Zuge der Promotion lernen kann und soll.

"Wege in die Wissenschaft"

An Universitäten gibt es eine ganze Reihe an Veranstaltungen, die außerhalb von Lehre und Forschung stattfinden und sich speziellen Fragen widmen. Die meisten Veranstaltungen sind dabei so exotisch, dass sie nur einen kleinen Personenkreis ansprechen und zeitlich auch eher ungünstig liegen. Ist dann noch der schönste Tag des Jahres vorausgesagt, liegt es nahe, dass viele – Studierende und Mitarbeiter gleichermaßen – den Besuch des Baggersees dem angestrengten (Mit-)Denken vorziehen. Zum Glück treffen diese recht pauschalen Aussagen nicht immer zu, zumindest nicht auf den gestrigen Abend, der unter dem Motto „Wege in die Wissenschaft“ stand. Geladen hatte die Frauenbeauftragte der Philosophisch-Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Augsburg; Ziel war es, anhand von drei Wissenschaftlerinnen unterschiedliche Zugänge zur Wissenschaft kennenzulernen und darüber zu diskutieren. Nun war ich eine der drei Personen, die ihre Geschichte vor einer kleinen, aber feinen Runde dargeboten hat und die in die Pflicht genommen wurde, als jüngste Vertreterin auch den Anfang zu machen. Dabei musste ich einmal mehr feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, vom „normalen“ Gespräch über die eigene Vita abzuweichen und einen primär erzählerischen Zugang zu wählen. Deshalb war ich dankbar über den Titel der Veranstaltung, der mir mit der Weg-Analogie gleich einen Aufhänger geliefert hat. Ich habe daher davon berichtet, wie es ist, Wissenschaft im Studium zu schnuppern, wie man sich etwa durch die Mitarbeit als studentische Hilfskraft und Tutorin an Wissenschaft herantasten kann, welche Möglichkeiten des Eintauchens es in wissenschaftliche Fragestellungen gibt und unter welchen Bedingungen einen mitunter auch die Promo-Vieren anstecken (können). Meine Kurzpräsentation endete dann mit der Frage, inwiefern man von Wissenschaft leben kann – denn diese Frage wird aus meiner Sicht immer bedeutsamer, sofern sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Stelle zu Stelle hangeln und das Gefühl von Unsicherheit den Mittelbau beherrscht. Insofern war ich gespannt, welche Antworten die beiden geladenen Professorinnen (Anne Frenzel und Hildegard Macha) auf diese (und andere) Fragen hatten und habe auch ihnen beiden gerne zugehört. Wann gibt es schon mal die Gelegenheit, tolle Geschichten abseits eines geradlinigen Lebenslaufs zu hören?

PS: Inzwischen gibt es die Veranstaltung auch zum Nachhören – viel Vergnügen damit.

Ode an die Hiwis

Mit einem Blogbeitrag über studentische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in das neue Jahr zu starten, mag etwas ungewöhnlich erscheinen. Aber ich finde, dies ist an der Zeit! Warum? Weil ich ganz aktuell wieder erlebt habe, wie toll es ist, wenn man Unterstützung von Hiwis im Hintergrund erfährt (wobei der Hiwi-Begriff an dieser Stelle wirklich liebevoll gemeint ist!). Überhaupt haben unsere studentischen Mitarbeiter sehr großen Anteil an den vielen kleinen und großen Errungenschaften des universitären Alltags. Ich persönlich hoffe natürlich, dass es uns auch gelingt, die studentischen Mitarbeiter neben dem „Tagesgeschäft“ in sinnvolle Arbeiten einzubinden, dass sie z.B. eigenen Ideen nachgehen oder forschend tätig werden können. In jedem Fall glaube ich, dass wir ohne Hiwis nicht können. Von daher: öfters eine Ode an die Hiwis!

Nachtrag (22.3.2011): DIE ZEIT berichtet unter dem Titel „Ausbeute der Ausbeutung“ über studentische Hilfskräfte und Vor- und Nachteile dieses besonderen Nebenjobs an der Uni.

Hurra, das Buch ist da!

Nach über einem Jahr Arbeit kommt unser Buch „Offene Bildungsinitiativen“ frisch aus dem Verlag und Hannah, Tom und ich sind einigermaßen froh darüber, dass wir dieses Projekt zum Jahresende zum Abschluss bringen konnten. Alle Autorinnen und Autoren sollten inzwischen auch mit einem Hardcover „versorgt“ sein, sozusagen als kleines Weihnachtsgeschenk und Dankeschön für die vielen interessanten Beiträge zu unserer Publikation (falls nicht, wird es sicher noch zugestellt!). Es gibt aber nicht nur einen neuen Haufen totes Papier ;-), sondern spätestens zu Jahresbeginn auch ein E-Book. An anderer Stelle habe ich ja schon einmal angedeutet, dass uns diese Form der Hybridpublikation wichtig war, auch wenn sie ein paar Euro mehr kostet. Das will ich nicht verschweigen, denn die Finanzierung eines solchen Buches ist immer zentral, wenn man keinen Mäzen im Rücken hat. So haben auch wir viele Briefe geschrieben und herumtelefoniert, bis wir alle Kosten gedeckt hatten.

Worum es nun in der Publikation konkret geht, zeigt der Klappentext in aller Kürze auf:

Offene Bildungsinitiativen treten an deutschen Hochschulen unter verschiedenen Namen in Erscheinung – man kennt sie als „studentische Projekte“, „selbstorganisierte Studienarbeiten“ oder „universitäre Bottom-up-Initiativen“. Gemeinsam haben sie, dass sie langfristig angelegte und kontinuierliche Prozesse sind. Sie sind weder zeitlich noch räumlich eingegrenzt, gehen häufig über ein ganzes Studium hinaus und werden über mehrere Generationen von Studierenden weitergeführt. Die Mitgestaltung geht meist aus deren Bedürfnissen hervor, wodurch sie zu aktiven Gestaltern ihres Lernraums werden.

Dieses Buch hat sich zum Ziel gesetzt, Beispiele für offene Bildungsinitiativen, welche ein besonderes Potential für die überfachliche Kompetenzentwicklung mit digitalen Medien darstellen, aufzuzeigen sowie die unterschiedlichen Rahmenbedingungen zu thematisieren, mit denen diese Initiativen konfrontiert sind. Der Band richtet sich an ein breites Publikum – vom Studierenden bis zum Prorektor – und setzt sich aus Praxisbeiträgen sowie theoriebasierten Beiträgen zusammen, sodass die Leser zwischen einem praktisch-orientieren und einem theoretisch fundierten Zugang wählen können.

Es war das erste Buchprojekt, das ich federführend begleitet habe. Ich muss sagen, ich hatte zwar eine grobe Vorstellung von anfallenden Aufgaben, bin aber rückblickend froh, dass wir das Buch im Team herausgeben konnten. So ließen sich einige Aufgaben über die Zeit verteilen. Besonders dankbar bin ich Hannah, die sich mit viel Engagement auch den organisatorischen Fragen des Buchs gewidmet und fast die gesamte Kommunikation mit den Autoren sowie dem Verlag übernommen hat. Das sind die schleichenden Aufgaben, die man am Ende schnell vergisst, weil sie nebenher laufen und nur indirekten Einfluss auf das Ergebnis haben. Insofern hier nochmals ein extra großes Dankeschön 🙂

Im Namen des Herausgeberteams wünsche ich allen Leserinnen und Lesern nun viel Freude bei der Lektüre!

Ergänzung (21.12.2010): Eine Pressemitteilung zum Herausgeberband findet sich nun auch auf den Seiten des idw.

Ergänzung (23.12.2010): Das Buch ist ab sofort auch im Open-Access-Format erhältlich.

Kategorie Öffentlichkeitswirkung: KaffeePod gewinnt betacampus-Innovationswettbewerb

Aus den Erfahrungen anderer (studentischer) Projekte zu lernen, war mindestens eine Grundidee, warum der KaffeePod so aufgezogen wurde, wie wir das Projekt heute kennen und wie es auch an verschiedenen Stellen bereits beschrieben wurde (am ausführlichsten direkt im Konzept, aber auch im GMW-Artikel des Jahres 2009). So gibt es seit 2009 nicht nur ein Seminar, das die Hörspiele in einem problemorientierten Szenario produziert, sondern seitdem auch ein selbstorganisationsoffenes Angebot im Begleitstudium, das sich gezielt der Vermarktung der Podcasts annimmt.

Schon früh war uns klar, dass man diese beiden Zielrichtungen – Studentinnen und Studenten produzieren und Studentinnen und Studenten vermarkten – kaum in einem Angebot integrieren kann; gleichzeitig werden auch inhaltlich eher unterschiedliche Interessen angesprochen, sodass wir auf der einen Seite stärker technisch affine, kreative Studierende ansprechen, auf der anderen Seite vielleicht eher die Studierenden, die Handwerkszeug im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit anwenden oder (er-)lernen wollen.

Umso schöner ist es dann, wenn ein Konzept über die Zeit aufgeht und wir sehen, dass diese zuvor überlegte Zweiteilung Sinn gemacht hat: Sinn bei der Konzeption von Lehre, aber auch für die Bekanntmachung des Projekts und bei seiner Überführung in nachhaltige Strukturen. So haben wir schon vor etwa einem halben Jahr eine sehr hohe Projektförderung aus Mitteln des DAAD erhalten, um die Grundidee des KaffeePods in Hörspiele für ausländische Studierende umzusetzen. Der eine oder andere ist vielleicht schon auf dieses neue-alte Projekt gestoßen: student.stories.

Vermutlich waren es nun sowohl harte als auch weiche Faktoren, die dazu führten, dass wir gestern den betacampus-Innovationswettbewerb in der Kategorie Öffentlichkeitswirkung gewinnen konnten (Tamara schreibt in ihrem Blog auch schon darüber). Das gesamte KaffeePod-Team (und dies ist richtig groß!) hat sich jedenfalls total über die Auszeichnung gefreut, da sie die Arbeit der letzten Zeit nochmals anerkannt hat. Auch ich persönlich war – zugegeben – happy, immerhin ist viel von dem, was wir im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gemacht haben, auf meinen Mist gewachsen, wie man so schön sagt.

Wissensmanagement an Universitäten – (k)ein Thema?

Zugegeben, die Überschrift des Beitrags klingt provokant. Aber in der vergangenen Woche bin ich mehrfach gedanklich daran hängen geblieben, ob und inwiefern Wissensmanagement an Universitäten stattfindet – und auch daran, wer sich überhaupt darum kümmert, dieses im Fall der Fälle zu verbessern.

  • Ein erstes Indiz dafür, dass Wissensmanagament an Universitäten nur selten behandelt wird, sind die wenigen Publikationen. Jedenfalls wird man unter dem Stichwort Wissensmanagement nur (noch) selten fündig, sofern diese einen expliziten Hochschulbezug aufweisen sollen. Das kann natürlich mehrere Gründe haben; ich tippe vor allem auf eine Verlagerung der Diskussion in andere Themenbereiche (insbesondere E-Learning, TEL), da Wissensmanagement begrifflich viele Skeptiker hervorgerufen hat und zudem noch „out“ scheint.
  • Ein zweites Indiz dafür, dass Wissensmanagement an Universitäten offenbar keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielt, konnte man beim Knowledge Camp am vergangenen Freitag in Passau beobachten. So war ich als Vertreterin der Universität eine absolute Exotin auf der Veranstaltung; mit Ausnahme einer Gruppe um Franz Lehner und mir war kein weiterer Universitätsvertreter zugegen. Auch das gab und gibt mir zu denken, denn Diskussionen zu Themen wie Digital Story Telling, Wissenskommunikation durch Visualisierung, Wissensmanagement als überfachliche Kompetenz und Motivation für Wissensmanagement gehen durchaus auch Universitäten etwas an. Zumindest kann man an den Themenbereichen viele Schnittstellen zu relevanten Fragestellungen im universitären Bereich ausmachen, wo es z.B. auch darum geht, Wissenskommunikation und -austausch unter Studierenden und insbesondere unter den Beschäftigten zu fördern, das Problem der Leaving Experts strukturiert anzugehen oder auch Antworten auf die durch digitale Medien hervorgerufene stärkere Öffnung von Lernen und Lehren zu finden.
  • Ein drittes Indiz scheint mir die persönliche (mangelnde) Relevanz des (organisationalen) Wissensmanagements zu sein. Denn Wissensmanagement wird oft an effizienten Prozessen ausgemacht – ein betriebswirtschaftliches Credo, das (auf den ersten Blick) schlecht zum Wissensarbeiter passt und daher in Universitäten nicht selten auf Ablehnung stößt. Auch die parallele Diskussion um E-Learning führt dazu, dass oftmals eine Tool-Perspektive gegenüber den dahinter stehenden, echten Problemen dominiert.

Wissensmanagement an Universitäten ist also offenbar doch ein Thema, nur ist es mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert, wie man sie schon länger aus Unternehmen kennt.