Forum Wissenschaftskommunikation – (leider) ohne mich

Neulich wurde nach längerer Zeit mal wieder eine Einreichung von mir abgelehnt. Begründet wurde dies mit der Vielzahl an Interessenten und, so meine Interpretation, mit der mangelnden inhaltlichen Passung. Entsprechend neugierig war ich daher gestern auf das Programm zum Forum Wissenschaftskommunikation, das die Einreichung betraf und in ein paar Wochen in Mannheim stattfinden wird. Betrachtet man nun das Programm näher, sind doch in der Mehrzahl klassische Einreichungen im Bereich der Wissenschaftskommunikation vertreten. Jedenfalls verfolgen die Beiträge, soweit ich das vom Papier her einschätzen kann, alle eine Top-down-Logik der Kommunikation.

Mit Sicherheit spiegelt diese Form der Kommunikation die Realität an deutschen Universitäten wieder und wie Wissenschaftskommunikation professionell betrieben wird, allerdings werden doch die digitalen Medien und die daraus resultierenden Veränderungen in dieser Betrachtungsweise stark vernachlässigt. Entsprechend spielt auch auch die Kommunikation, die von unten, nämlich durch Öffnung von Lehre oder offene Bildungsinitiativen vonstatten geht, keine Rolle. Dies finde ich, nicht nur aufgrund meines abgelehnten Beitrags, der sich „Wissenschaftskommunikation „von unten“: Weblogs in Forschung, Lehre und Studium“ nennt, ausgesprochen schade. Zumindest anhand der Augsburger Erfahrungen kann man nämlich sagen, dass Wissenschaftskommunikation längst nicht mehr ausschließlich über klassische Kanäle verläuft. Vielmehr wird der einzelne Wissenschaftler über seine Scientific Community hinaus zum Kommunikator – mit allen positiven Auswirkungen und negativen Facetten, die Formen der (virtuellen) Thematisierung haben können.

Meinen Beitrag werde ich jedenfalls eine Weile aufbewahren und vielleicht in ein paar Jahren – ggf. modifiziert – nochmals einreichen. Vielleicht ist die Zeit dann reif dafür 🙂

Virtuelle Kollaboration als neuer Trend?

Langsam, aber sicher beschleicht mich das Gefühl, dass virtuelle Kooperation und Kollaboration auch im Kontext Hochschule ankommt. Erst wird das (Buch-)Projekt L3T, bei dem Sandra und Martin für das gemeinsame Schreiben von Artikeln im Bereich E-Learning geworben haben, von einer großen Gruppe an Wissenschaftlern befürwortet und nun noch die Prozesse der virtuellen Zusammenarbeit ob ihrer Aktualität von Karin (und mir) begleitet. Ein paar Tage später lese ich auf Twitter von Caro und Thu, dass sie Erfahrungen von Lehrenden zum Web 2.0-Einsatz sammeln – und zwar unkonventionell auf ihrem Blog. Sie verfolgen wie bei L3T das Ziel, die Ergebnisse zu publizieren (in der Online-Zeitschrift MedienPädagogik) und nutzen ihren Blog als digitales Forschungswerkzeug, um ein erstes Stimmungsbild aus der E-Learning-Community einzuholen. Außerdem schreiben sie öffentlich, sodass der Entstehungsprozess des Artikels sichtbar bzw. kommentier- (und damit veränder-)bar ist. Ich selbst bemerke auch, dass ich mehr als noch vor ein paar Jahren auf die virtuelle Kooperation unterschiedlicher Partner setze. Die Kooperationsszenarien werden dabei immer komplexer und verknüpfen meist reale mit virtueller Kooperation. So kommt es auch, dass ich (zusammen mit weiteren) im kommenden Wintersemester erstmals ein uniübergreifendes Seminar anbieten werde. Ohne digitale Werkzeuge, die Kooperation und letztlich auch Kollaboration als besonders intensive „Form“ von Zusammenarbeit erleichtern, wäre diese Öffnung von Lehr-Lernprozessen allerdings nicht möglich. Insofern finde ich auf sehr unterschiedlichen Ebenen spannend, wie der Kooperation allseits (d.h. in Forschung und Lehre) ein immer größerer Stellenwert beigemessen wird und wie sich Zusammenarbeit durch den Medieneinsatz nochmals immens verändern kann.

Hochschuldidaktik, E-Learning und Forschungswolke: Eindrücke von der DOSS 2010

In dieser Woche war ich erstmals auf einer Tagung von Hochschuldidaktikern, der Dortmund Spring School for Academic Staff Developers (DOSS). Insofern hatte ich keine konkreten Erwartungen, sondern war eher gespannt auf lehr-lernbezogene Inhalte und Themen und wie diese aus hochschuldidaktischer Perspektive diskutiert bzw. umgesetzt werden. Denn natürlich machen wir uns im Institut viele Gedanken über „gute“ Lehre und darüber, wie man diese mit dem Einsatz von (digitalen) Medien bereichern kann. Wenn ich also eine Erwartung hatte, dann die, welche Rolle Medien im Kontext der Hochschuldidaktik spielen und wie Schnittstellen zum (uns bekannten) E-Learning aussehen. Ich wählte folglich eine Vielzahl an Panels und Diskurswerkstätten, die explizit „die Medien“ zum Inhalt hatten.

Schnell musste ich allerdings feststellen, dass ich mit meiner aufgeschlossenen Haltung zum Thema Medien eher Exotin auf der Veranstaltung war. Dies zeigte sich etwa darin, dass

  • an vielerlei Stellen grundlegende Kenntnisse zum Mediennutzungsverhalten bzw. zum E-Learning an sich und zu dessen Einsatzmöglichkeiten in der Lehre fehlten und
  • E-Learning, wenn dieses inhaltlich behandelt wurde, in der Regel der Hochschuldidaktik als Methode untergeordnet wurde. Letzteres hat zumindest unter denjenigen von uns, die einen starken Medienbezug mitbringen, intensive Diskussionen ausgelöst – zur Rolle von Medien in der Hochschuldidaktik und zur Verankerung von E-Learning an der Hochschule (siehe dazu auch Kerstins Blogbeitrag).

„Unterm Strich“ habe ich das Gefühl, dass sich gerade in Punkto Verzahnung von Hochschuldidaktik und E-Learning Grabenkämpfe auftun, die noch nicht ausgestanden sind. An sich schade, da sich meiner Meinung nach eine gute Passung beider Bereiche ergibt, wenn man die historischen Wurzeln und hochschulpolitische Aspekte zugunsten des Lernenden (der ja in beiden Bereichen im Zentrum steht) einen Moment lang außen vor lässt.

Abseits von diesen allgemeinen Fragen, die permanent auf der Tagung präsent waren, haben wir auch an konkreten Beispielen diskutiert. So haben Hannah und ich z.B. die Gelegenheit genutzt und unsere Idee der Forschungswolke vorgestellt. Ich sage ganz bewusst „Idee“, denn noch ist diese nicht umgesetzt (siehe Präsentation bei Slideshare). Momentan gehen wir davon aus, dass die Forschungswolke ab dem Sommersemester als Personal Learning Environment (PLE) im Augsburger MuK-Studiengang zum Einsatz kommen wird. Im Vortrag haben wir allerdings den technischen Aspekt der PLE eher ausgeklammert und stattdessen als theoretische „Hintergrundfolie“ das forschende Lernen herangezogen, welches im Übrigen in vielen Vorträgen und Diskurswerkstätten als wünschenswertes didaktisches Konzept für die Hochschullehre vorgestellt wurde. Im Anschluss an den Vortrag diskutierten wir dann über Chancen und Grenzen der Forschungswolke und wurden im Kern darin bestärkt, bedarfsorientierte webbasierte Angebote für Studierende zu machen und diese um Präsenzangebote zur Unterstützung forschenden Lernens anzureichern. Unter Umständen ergeben sich durch die Vorstellung der Forschungswolke sogar Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Einrichtungen anderer Universitäten – wir werden sehen 🙂

Fazit: Die Reise nach Dortmund hat sich auf jeden Fall gelohnt, um bereits bekannte Themen aus anderer Perspektive zu betrachten und mit Personen zu sprechen, die dem Medieneinsatz in der Hochschullehre teils eher kritisch gegenüberstehen. Das bin ich in Form und Umfang gar nicht mehr gewöhnt!

Bekannt, befreundet, vernetzt!

Ein Seminarprojekt, über das ich dieses Semester noch gar nicht berichtet habe, ist die Konzeption, Organisation und Durchführung der 3. w.e.b.Square-Tagung am 22. Januar 2010. Dabei ist die zugehörige Lehrveranstaltung schon so weit fortgeschritten, dass nahezu der gesamte Input bereits erfolgt ist und die Studierenden mitten in ihren Teilprojekten stecken. So schreiben einige Teams fleißig an ihren Artikeln, da der Abgabetermin naht und ihnen über die Weihnachtstage ein Review bevorsteht. Andere Teams sind mit der PR- und Öffentlichkeitsarbeit für die Veranstaltung beschäftigt bzw. planen die Videodokumentation der Tagung. Diese unterschiedlichen Aufgaben in einem Seminar zu vereinen, ist zugunsten des gemeinsamen Ziels (Tagungsorganisation) notwendig, aber aus Lehrendensicht mitunter gar nicht so einfach. Schließlich soll der Input für alle Gruppen gleichermaßen relevant sein und doch so viele Facetten bieten, dass man als Studierender inhaltlich etwas mitnimmt.

In diesem Jahr gibt es daher gegenüber den Vorjahren eine weitere Inputsitzung, die sich explizit dem Vortrag auf einer Veranstaltung widmet und daher mit Rhetorik überschrieben ist. Abgesehen davon treffen wir uns (je nach Bedarf) mit den Teams, um Detailfragen zu klären, die in den Präsenzsitzungen zu kurz kommen bzw. dort inhaltlich nur schwer Platz finden. Da das Projektseminar in diesem Semester so viele Teilnehmer hat wie nie (30), bin ich wirklich froh, dass es mit Marianne und Tamara zwei Co-Dozentinnen gibt, die viele Fragen abfangen und zusätzliche Ideen in die Organisation einbringen. Eine schöne Entwicklung ist auch, dass wir bei der kommenden w.e.b.Square-Tagung aller Voraussicht nach erstmals einen Live-Stream anbieten werden.

Warum ich all das heute schreibe, hat aber einen ganz anderen Grund: Mit dem Versand der Pressemitteilung ist der Startschuss für die Öffentlichkeitsarbeit zur Tagung gefallen. Und ich will mit meinem Blogbeitrag gern dazu beitragen, dass Studierende und Lehrende der Universität Augsburg sowie weitere Interessierte auf die Veranstaltung aufmerksam werden und bei Interesse vorbeikommen. Der Eintritt ist kostenlos und für das leibliche Wohl ist gesorgt. Inhaltlich wird es so oder so spannend, denn: Mit dem Thema „Bekannt, befreundet, vernetzt!“ beleuchten wir Social Networks aus Studierendensicht und das dürfte für alle Beteiligten ausreichend Diskussionspotenzial bieten.

Vom Lernen und anderen (nackten) Tatsachen

Gestern hatte die Fachschaft MuK zusammen mit einem Organisationsteam aus Absolventen des MuK-Studiengangs zur Graduates09 geladen. Wie in jedem Jahr war ich auch dieses Mal dabei; ganz witzig, wie sich Rollen auf der Veranstaltung im Laufe der Jahre verändern können. Früher habe ich mitorganisiert und vor allem darauf geschaut, dass das Programm reibungslos abläuft. Heute bin ich meistens Gast und werde für spontane Aktionen angeworben (siehe Blogeintrag vom letzten Jahr). So durfte ich gestern zusammen mit Alex Glücksfee spielen und die Rosen an die Absolventen überreichen. Gerade letzteres mache ich wirklich gern, da ich die Absolventen seit Beginn ihres Studiums kenne, sie größtenteils und meist sogar mehrfach in meinen Veranstaltungen waren und ich mit vielen von ihnen als Hiwi am imb zu tun hatte bzw. habe. Von daher ist das auch für mich ein emotionaler Moment, denn natürlich ist die Beendigung des Studiums ein wichtiger Schritt für alle Beteiligten.

Die Grußworte des Boards des Studiengangs wurden per Videobotschaft eingespielt und hierzu hatte sich Gabi etwas Besonderes einfallen lassen. Sie hat die Geschichte von „Outlearning the Wolves“ (nach-)erzählt.

„Outlearning the Wolves“ als Analogie für eine Absolventenfeier aufzugreifen, war wirklich eine tolle Idee, denn einfache Grußworte ohne persönliche Note langweilen den Zuhörer recht bald. Durch die Analogie und einige Überraschungsmomente waren alle Anwesenden voll dabei, mehr noch: Sie waren gespannt auf den Ausgang und die Übertragung der Geschichte auf den Alltag von Studierenden bzw. von Absolventen und auf die künftigen Anforderungen oder Herausforderungen, die auf die Beteiligten zukommen. Schön fand ich persönlich den Schwenk auf die Organisation Universität, da viele Absolventen im Umfeld des imb oder der Fachschaft aktiv waren bzw. sind, wodurch sich eine besondere Form von Bindung an den Studiengang und an die entsprechenden Personen ergibt.

Ganz zum Schluss will ich die „nackten Tatsachen“ nicht verschweigen: So wurden viele Wissensprodukte aus Lehrveranstaltungen der letzten drei Jahre gezeigt, darunter auch mehrere Printkampagnen und Imagefilme aus meinen Seminaren. Das Prekäre dabei: Bei den Lernergebnissen meiner Veranstaltungen wurde viel Haut geboten. Ehrlich gesagt, war mir das in Gänze vorher nie so bewusst. Aber „Sex sells“ wird von den Studierenden offenbar als Motto sehr ernst genommen. Ich glaube, ich muss diese (bislang) ungekannte Häufung mal zum Thema machen… 😉

Ansonsten eine wirklich sehr schöne Feier, viel Wiedersehensfreude und einige interessante Gespräche. Bis zum nächsten Mal!

EduCamp Graz '09: ein Rückblick

Nach zwei Tagen EduCamp muss ich erst mal meine ganzen Gedanken sortieren. Ich bin vor allem mit der Erwartung nach Graz gefahren, das schon mehrfach gelobte Format BarCamp endlich selbst kennenzulernen: Es spricht sich einfach leichter über etwas, was man selbst erlebt hat; umgekehrt lässt sich schlecht urteilen über Vor- und Nachteile eines offenbar innovativen Formats, wenn man dieses nur vom Lesen und Hörensagen kennt (auch wenn man durch Blogs, Twitter und Co. einen recht umfassenden Eindruck erhalten kann). Von daher war ich besonders gespannt, wie sich die Veranstaltung vor Ort entwickelt und insbesondere darauf, wie es sich mit der Selbstorganisation von Sessions und den inhaltlichen Diskussionen verhält. Im Gegensatz zu klassischen Konferenzen sollen sich Inhalte und Gespräche von selbst ergeben und nicht lange im Voraus geplant werden. Außerdem besteht jederzeit die Möglichkeit, durch das Angebot neuer Sessions eigene Impulse einzubringen. Eine Chance, die auf vorab durchgestylten Tagungen auf die Kaffeepause verschoben werden muss.

Genau diese spontanen Sessions waren es dann auch, die mich inhaltlich am meisten zum Nachdenken angeregt haben: Sie knüpften an beobachtbare Phänome, konkrete Probleme oder künftige Herausforderungen im Bereich Bildung an und waren dadurch stärker in die Zukunft gerichtet. Oftmals standen Ideen mit Gestaltungsspielraum für das „Publikum“ im Vordergrund. Folglich wird sehr offen diskutiert und dem Diskurs viel Raum und Zeit eingeräumt.

Wie groß dieses Bedürfnis ist, zeigte sich gleich zu Beginn auch bei unserem Bildungssofa. Das Bildungssofa hat zum Ziel, generationenübergreifend über bildungsspezifische Fragestellungen zu sprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. So ging es dieses Mal im weistesten Sinne um die „Macher“ von Bildungsinnovationen und was „EduPunks“ und „Establishment“ voneinander lernen können (die Streams sind online zugänglich). Im Prinzip eine spannende Idee, auf diesem Weg den Dialog zwischen den unterschiedlichen Generationen anzukurbeln und vor allem ein Bewusstsein für die Vor- (und Nach-)Teile der jeweils anderen Perspektive zu stiften. Ich sage deshalb „im Prinzip“, denn die Diskussionsbereitschaft der Teilnehmer war so groß, dass wir den inhaltlichen Fokus des Sofas zugunsten der vielen Fragen aufgeben mussten.

Die Frage ist nun, ob ein solches Lösen von konkreten Inhalten gut oder schlecht ist, ob es im Rahmen des EduCamps wichtig ist, Freiheiten zu schaffen, und wie es mit der prinzipiellen Übertragbarbeit eines solchen dialogorientierten Sofas auf andere (möglicherweise stärker durchorganisierte) Veranstaltungen aussieht. Wir selbst sind in dieser Hinsicht unschlüssig, denn: Auf der einen Seite müssen Tom und ich selbstkritisch zugeben, dass wir das eigentliche Vorhaben nicht ganz durchgehalten haben; auf der anderen Seite waren die Diskussionsinhalte ausgehend von den Statements von Doris Carstensen und Thomas Bernhardt so spannend und informativ, dass ich rückblickend ungern darauf verzichtet hätte. So oft gibt es schließlich Diskussionen auf einem Podium, die ohne konkrete Impulse zu Ende gehen. Das war hier eindeutig anders: Aufgrund der Diskussionsinhalte entstanden neue Sessions (unter anderem zur Frage der Bewertungskriterien von Blogs) und die räumliche Gestaltung (Stuhlkreis, Sofa in der Mitte) wurde von Beginn bis zum Ende der Veranstaltung nicht mehr verändert. Der Raum mit dem roten Sofa wurde so immer wieder zum Gesprächsinhalt und zum beliebsten Ort des Camps.

Leider erlaubten nicht alle Räume die dialogorientierte Umgestaltung: Durch das Nutzen von Hörsälen waren die Bankreihen vorgegeben; die Frontalsituation war trotz Versuchen der Teilnehmer oftmals gegeben. Mit der räumlichen Gestaltung wird so offenbar ein Schema abgerufen, dass starken Einfluss auf die jeweilige Rolle der Beteiligten nimmt. Dies muss man aus meiner Sicht für weitere Veranstaltungen dieses Formats im Kopf behalten, da die prinzipielle Offenheit und die hierarchiearme Struktur zu den Grundprinzipien gehört.

Abseits von den Formatfragen fand ich den Austausch mit Mo, Ralf und Thomas über den Einsatz von Web-2.0-Tools in der Lehre sehr interessant. Noch immer scheint nämlich der Gebrauch von Tools alles andere als selbstverständlich und eine gewisse Kompetenz im Umgang etwa mit Blogs zu fehlen. Abgesehen davon haben wir die konkreten Bewertungsmöglichkeiten von Blogs diskutiert und inwieweit wir selbst Kriterien für das öffentliche Schreiben und Reflektieren vergeben. Auch hier scheint noch unklar zu sein, was der optimale Weg ist: Zu viele Vorgaben unterbinden das kreative Schreiben; mangelnde Kriterien können den Einstieg in das Schreiben vermasseln; welche Rolle spielt der „Besitz“ des Blogs? Dass der Lehrende gewisse Vorstellungen über Ziele des Werkzeugeinsatzes haben soll, darüber bestand Einigkeit – allerdings wiederum erstaunlich, dass wir nur solche Lehrende ausmachen konnten, die Web 2.0 in der Lehre einsetzen, wenn Web 2.0 auch Gegenstand in der Veranstaltung ist. Ich hätte so etwas vorab vermutet, aber in der Deutlichkeit nicht unbedingt erwartet. Bleibt also zu fragen: Wo sind diejenigen, die sich Web 2.0 auch in fachfremden Kontexten zueigen machen?

Interessant war zudem die Diskussion darüber, welche Rolle E-Portfolios heutzutage spielen können, und der Fokus, mit dem E-Portfolios auf dem EduCamp diskutiert wurden. So stand immer wieder das Bewerbungsportfolio im Vordergrund, anhanddessen sich Arbeitgeber ein Bild vom potenziellen Mitarbeiter machen könnten. Die Möglichkeiten, E-Portfolios für das Lernen einzusetzen und insbesondere prozessorientierte Fortschritt für den Lernenden (und den Lehrenden) zu dokumentieren, wurden als wichtig erkannt, aber teils auch als „durch“ empfunden. Es gäbe viele andere Werkzeuge, die ähnliche Funktionen erfüllen könnten. Mich begeistern solche Diskussionen gerade deshalb immer, weil sie dann entstehen, wenn der erste Hype eines Tools vorüber ist und es um konkrete Anwendungsszenarien bzw. um ihren nachhaltigen Einsatz als Bildungsinnovation geht.

Ein paar mehr Studierende auf dem EduCamp hätte ich mir noch gewünscht. Das will ich nicht unerwähnt lassen, denn so oft sprechen wir über Lernende und nicht mit ihnen. Hier gibt es mit Sicherheit noch Potenzial nach oben.

Inhaltliche Widersprüche und studentische Verhandlungstaktiken

Inzwischen laufen sie also, meine drei Seminare, und mit leichtem Schmunzeln blicke ich auf die einzelnen Kick-off-Veranstaltungen zurück. Denn zunächst einmal bin ich überrascht über die ganzen Ansprüche, die anhand der Titel und Beschreibungstexte in meine Lehrveranstaltungen projiziert werden: angefangen bei Aktualität, Praxisbezug über Fall- bzw. Problemorientierung bis hin zu Spaß. Gefühlt ein ganzes Sammelsurium an Erwartungen, mit denen Studierende offenbar Seminare besuchen – gepaart mit dem Zwang zum Punkteerwerb und entsprechenden Modulwünschen. Während ich die Erwartungen, die an Lehre gestellt werden, sehr spannend und hilfreich für die Einordnung der Anforderungen an mich finde, bringen mich Punkteerwerb und Modulverteilung regelmäßig zum Grinsen: Denn die studentischen Verhandlungstaktiken werden immer ausgereifter und sind ein Stück weit auch strategisch ausgeprägt (siehe hierzu auch Gabis Arbeitsbericht). Das führt dazu, dass so mancher nur noch zwei Punkte braucht und diese mit möglichst wenig Aufwand erreichen möchte. Aus meiner Sicht ein Widerspruch in sich, wenn man nochmals auf die Erwartungen an die Veranstaltung schaut: Denn Praxis- und Problemorientierung stehen in keinem Verhältnis zu zwei Punkten oder, um es plakativer zu machen, zwei Punkte entsprechen dem Workload eines Referats, nicht aber dem von Gruppenarbeit und Co. Wer sich also auf der einen Seite praxisnahe Veranstaltungen mit aktuellem Bezug und Teamarbeit wünscht, der kann auf der anderen Seite nicht erwarten, sich durch den bloßen Erwerb von zwei Leistungspunkten eben dieser zu entziehen zu können. Ein anderer Widerspruch ist regelmäßig die Frage nach dem, wie wissenschaftliches und praxisorientiertes Arbeiten miteinander in Punkten aufgewogen werden: Ist es gewissermaßen gleich anspruchsvoll, praxisorientierte Lösungen zu finden bzw. theoretisch-konzeptionelle Ausarbeitungen anzufertigen? Natürlich vergleicht man ein Stück weit Äpfel mit Birnen, will man aber beides ins Seminar integrieren, lassen sich insbesondere aufgrund der gemachten Erfahrungen und der von Studierenden verfassten Reflexionen in vorangegangenen Semestern sehr faire Lösungen finden. Manchmal würde ich mir echt wünschen, dass bei aller Verhandlungstaktik auch mal den Dozenten vertraut wird… 😉

Uni 2.0… auch in Deutschland!

Beim Thema „Twittern als Hausaufgabe“ wird offenbar lieber nach Australien als an die eigenen Unis in Deutschland geguckt. Selbst wenn Twittern im Artikel nicht ganz so gut weg kommt – lieber Spiegel, auch hierzulande gibt es eine Menge Lehrende, die die digitalen Medien für Lehren und Lernen einsetzen und seit einiger Zeit mit Twitter experimentieren! Ein kurzer Blick in Twitter bzw. in die deutschsprachige E-Learning-Community hätte mit Sicherheit geholfen, entsprechende Interviewpartner zu finden. Oder, um es mit @DeanoMarteeno zu formulieren: Uni 2.0 gibt’s z.B. in Augsburg! Aber nicht nur da: Denn erst heute habe ich in Twitter spannende Einträge rund um E-Portfolios verfolgt (z.B. bei @ralfa). So oft springe ich für Journalisten in die Bresche, dieses Mal muss ich mich aber echt aufregen. Sorry.

Kaffeekränzchen war gestern

… heute gibts den KaffeePod!

Mit dem Lauch des KaffeePod im September konnten wir den ersten großen Meilenstein erreichen. Doch jeder, der ein (Medien-)Projekt macht, weiß, jetzt geht es erst so richtig „ans Eingemachte“. Vor allem wollen wir den Semesterauftakt dazu nutzen, das neue Podcastangebot unter den Augsburger Studierenden bekannter zu machen. Hierzu gibt es seit ein paar Tagen einen Flyer, den ich Euch nicht vorenthalten will:

Der Flyer soll ab Montag an verschiedenen Orten verteilt werden – bei aller Diskussion um den virtuellen Raum dieses Mal ganz real in der Cafete, in der Mensa und an anderen Stätten, wo sich Erstsemester aufhalten. Den Flyer selbst konnten wir nur drucken, weil wir dafür mit dem IT-Servicezentrum einen Sponsor gefunden haben, und natürlich auch, weil wir mit Caro eine kreative Designerin in unserem Team haben. Wenn Ihr, liebe Blogleserinnen und -leser nun helft, den Flyer und damit auch die Idee des KaffeePod im Internet zu verbreiten, würden wir uns sehr freuen! Danke Euch allen!! 🙂

PS: Inzwischen gibt es online erste Schnipsel vom KaffeePod international, unserer nächsten „Baustelle“ neben dem Erreichen der Zielgruppe für den deutschsprachigen KaffeePod. Denn es geht immer weiter… immer weiter… irgendwie.

Die Sache mit dem Raum… ein großes Ärgernis

Heute ist ein guter Tag, um mich aufzuregen. Aufzuregen über die Uni bzw. vor allem über die (Un-)Logik, die Uni manchmal durchdringt. Warum gerade heute? Ich habe heute erfahren, dass mir trotz fünf Semesterwochenstunden kein Raum für meine Lehrveranstaltungen zugeteilt wird. Auf Nachfrage heißt es, dass die Veranstaltungen ja früh morgens (8.15 Uhr), Freitagnachmittag oder samstags stattfinden könnten. Für diese Zeiten gibt es noch Räume. Das Groteske an der Geschichte ist nicht, dass ich spätestens um 6.00 Uhr aufstehen muss, um Veranstaltungen um 8.15 Uhr in Augsburg durchführen zu können. Das lässt sich durchaus regeln. Das Unglaubliche an der Situation ist vielmehr, dass ich als Lehrende (natürlich!) Lehrverpflichtung habe und die Uni mir nicht zusichern kann, einen adäquaten Raum für meine Seminare zu haben. Im Sommer kann man schon mal in den Innenhof, die Cafete oder anderswo hin ausweichen. Aber im Winter? Ich frage mich schon, wie die Uni wachsende Nachfrage einerseits und sinkendes Angebot andererseits in den Griff bekommen will. Immerhin steigt mit den Studienbeiträgen die Zahl an Lehrenden stetig an und von einer deutlichen Abnahme der Studierendenzahlen (z.B. durch die demografische Entwicklung) sind wir noch weit entfernt, sodass das Raumproblem zumindest an der Uni Augsburg immer mehr um sich greift. Eine Lösung ist derzeit nicht in Sicht, zumal aus Uniperspektive sicher andere Probleme im Vordergrund stehen als die Sache mit dem Raum.