Das Projekt "studentische Tagung"

Gestern war es wieder soweit: Die 2. w.e.b.Square-Tagung stand an – ich hatte im Vorfeld bereits mehrfach über den Stand der Dinge bzw. die wachsende Vorfreude berichtet. Und natürlich hat auch das PR-Team dafür gesorgt, dass wir einiges an Öffentlichkeit für das Projekt gewonnen haben. Das ist klasse, denn ohne die nötige Aufmerksamkeit würde es an der Uni wohl nie gelingen, Studierende zum Kommen zu begeistern. So auch gestern: Während der drei Sessions waren immer um die 40 bis 50 Gäste da; etwa die Hälfte der Studierenden stammte dabei aus meinem Seminar, die andere Hälfte setzte sich zusammen aus interessierten Studierenden und einigen Lehrenden vom Institut für Medien und Bildungstechnologie. Das Publikum wechselte von Session zu Session und am Ende durften wir noch eine auswärtige Gruppe um Christian Spannagel begrüßen, was mich natürlich besonders gefreut hat. Auch die Presse (Augsburger Allgemeine) war vertreten.

Inhaltlich sind mir vor allem zwei Dinge aufgefallen:

  1. Die erhebliche Diskussionsbereitschaft. Mit dem Kontext der Tagung, nämlich Open Educational Resources (kurz: OER), haben wir thematisch Neuland betreten: Kaum ein Studierender hatte vor der Tagung davon gehört oder konnte sich auch nur annähernd etwas darunter vorstellen. Umso erfreulicher ist daher die erhebliche Diskussionsbereitschaft, die die gestrige Veranstaltung aus meiner Sicht auszeichnete. Zu erkennen war zwar auch, dass vor allem die anwesenden Lehrenden bzw. Univertreter eine Diskussion anzetteln mussten; im Anschluss haben sich aber viele Studierende eingebracht und teils sehr heftig mitdiskutiert. Ein großer Diskussionspunkt war unter anderem die Haltung der Studierenden: Hat die Bologna-Reform diese tatsächlich verändert oder gibt es nicht seit langem unterschiedliche Kulturen, die das Teilen von Wissen auf Ebene der ganzen Universität erschwert? Konträr auch die Meinungen zur Open University und der Begriffsverwendung: Ist „open“ mit „frei“ zu übersetzen? Wie muss man das Label „open“ verstehen? Fragen, die neue Fragen aufwerfen und folglich (zunächst) ungeklärt bleiben.
  2. Der studentische Blick. Aus Lehrendensicht fand ich den gestrigen Nachmittag auch deshalb interessant, weil man von Beteiligten selbst erfährt, wie sie über bestimmte Bestrebungen an der Hochschule nachdenken. Dies war zum Beispiel beim Thema „informelles Lernen“ der Fall, wo das Augsburger Begleitstudium kritisch angesprochen wurde.  Aber nicht nur die kritische Reflexion war aufschlussreich, sondern auch das, was zum Thema „Begleitstudium“ bei den Studierenden ankommt… nicht immer das, was wir uns wünschen. Auch hier also ein Anknüpfungspunkt für uns, eigene Aktivitäten (noch) studentengerechter aufzubereiten.

Einen schönen Abschluss fand die Tagung mit der Verleihung des Best Paper Awards, der für den Vortrag von Jacqueline Bönisch vergeben wurde. Interessanterweise drehte sich dieser um die Net Generation, die seit einiger Zeit auch in der wissenschaftlichen Community heiß diskutiert bzw. kritisch beäugt wird. Liebe Jacqueline, Dir herzlichen Glückwunsch!

Wie kam es eigentlich zur w.e.b.Square-Tagung?

Da wir uns in Augsburg stark um die Einbindung von Studierenden bemühen, haben wir schon länger über das Projekt „studentische Tagung“ nachgedacht; eine Möglichkeit zur Umsetzung ergab sich schließlich durch die Anbindung an die wissenschaftliche Online-Zeitschrift „w.e.b.Square“ und das zugehörige Seminar „w.e.b.Square – wissenschaftliches Publizieren im Netz“. Im Rahmen dieses Seminars organisieren die Studierenden (fast schon „traditionell“) die w.e.b.Square-Tagungen: Sie werden Referent, PR-und Event-Manager, Cutter etc. – auf einer Konferenz gibt es viele Rollen, in die man als Studierender schlüpfen kann. Allein die Inhalte der Tagung sind (durch mich) gesetzt, um die sehr kurze Vorbereitungszeit (drei Monate) nicht mit langen Recherchen zu belasten. Denn die Entscheidung, etwas auf die Agenda zu setzen, ist schwer und dauert lange – zumindest für diejenigen, die sich nicht jeden Tag mit der Materie auseinander setzen. Dazu muss man eins wissen: Am Seminar nehmen ausschließlich Bachelorstudierende teil. Im Regelfall sind sie im dritten oder im fünften Semester und haben weder große Erfahrung mit den Inhalten (dieses Mal: OER) noch mit der Organisation von Events. Man sollte sie also langsam an das Projekt „studentische Tagung“ heranführen und nicht überfordern. Hinzu kommt, dass das Projekt Teil eines Seminars ist und die Aktivitäten allein schon deshalb im Verhältnis stehen sollten. Im Seminar selbst bekommen die Studierenden eine Menge Handwerkszeug und theoretisches Hintergrundwissen für die Organisation des Events „Tagung“ geliefert (siehe dazu Kick-off-Präsentation, S. 13).


Der Höhepunkt des Seminars ist die Konferenz selbst; in der letzten Sitzung (Februar) werden wir alles nochmals Revue passieren lassen und ich natürlich sehr genau zuhören, wie den Studierenden das Vorgehen im Seminar und schlussendlich die Tagung gefallen hat. Gespannt bin ich vor allem auf die Hinweise von den Referenten, denn sie mussten jeder drei Korrekturschlaufen bis zur Veröffentlichung auf w.e.b.Square „aushalten“ – ein intensives Feedback, dass zwar viele Lehrende gern geben würden, es aber oft an Zeitmangel scheitert, sich an der Stelle stärker einzudenken (ich habe dafür beispielsweise meine Weihnachtsferien geopfert). Das Ergebnis „Tagungsband“ kann sich jedenfalls wieder sehr gut sehen lassen… mit der Einschränkung, dass die Veröffentlichung eines gemeinsamen Werks im Vordergrund stand und folglich nicht jede Publikation gleich herausragend sein kann.

PS: Wer mehr über die Vorträge und über die Gedanken der Studierenden erfahren will, kann sich im Veranstaltungs-Blog schlau machen. Und natürlich mitdiskutieren… denn die Kommentare sind frei!

Dieser Beitrag wurde unter Wissenschaft abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

13 Antworten auf Das Projekt "studentische Tagung"

  1. Pingback: 2. w.e.b. Square-Tagung « Tara’s Weblog

  2. Alex sagt:

    Hallo Sandra,
    herzlichen Glückwunsch zur gelungen Veranstaltungen und danke für deinen ausführlichen Bericht im Blog 🙂
    Mir hat die Atmosphäre gestern sehr gut gefalllen (auch wenn ich leider nur Zeit für einen Beitrag hatte). Neben den tollen Rahmenbedingungen (Saal, Organisation, etc.) ist mir auch vor allem die von die erwähnte Diskussionbereitschaft aufgefallen, die sonst in Seminaren nicht so oft zu erleben ist.
    Die Studentensicht auf den Bologna-Prozess hätte mich auch sehr interessiert – das lasse ich mir gerne mal noch erzählen.

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
    Alex

  3. Hallo Alex,

    vielen Dank für Deine Einschätzung! Als Organisatorin ist man ja doch etwas vorbelastet und neigt zu Euphorie. Von daher umso schöner, dass Du meine Sichtweise teilst 🙂

    Die Bologna-Diskussion war sehr spannend, denn viele Studierenden konnten nicht ganz nachvollziehen, warum ausgerechnet Bologna die Bereitschaft zu teilen verändert haben sollte. Vielmehr war ihr Einwand, dass eben unterschiedliche Kulturen in den einzelnen Fächern bestehen, die Teilungsbereitschaft abschwächen oder verstärken. Interessant auch die Meinung, dass der Bologna-Prozess die Teilungsbereitschaft unter Studierenden eher fördern müsste – gerade dann, wenn wenig Zeit ist und man individual-ökonomisch entscheiden muss. Beide Einwände sind nicht von der Hand zu weisen, allerdings, und auch das wurde besprochen, die Kultur eines Studiengangs, einer Disziplin etc. sind ganz entscheidend dafür, ob jemand Wissen(sprodukte) teilt oder nicht. Jeder kennt schließlich Geschichten von/über Juristen, wo Bücher in der Bib versteckt werden… aus individual-ökonomischem Kalkül heraus.

    Viele Grüße,

    Sandra

  4. Frank Vohle sagt:

    Hallo Sandra,

    ja auch von mir herzliche Glückwünsche zur gelungenen Tagung! Ich konnte am Freitag nicht und so habe ich die Tagung im Blog verfolgt – man ist ein wenig dabei, zumindest informiert.

    Einge Punkte die du ansprichst finde ich sehr interessant:

    1) Studenten kommen nur dann auf eine Tagung wenn sie (die Tagung) Aufmerksamkeit erzeugt. => Nä, oder? Ist schon wichtig, aber wohl nicht der Kern.

    2) Was ist „open“? Ist für mich einer der zentralen Fragen bei allen neuen open und free Projekten. Ansich ist ja das open/free nur ein Gegentrend zur closed-Philosophie, die in der Reinform immer weniger funktioniert. Wichtig dabei: Öffnung ohne Schließung funktioniert nicht. An welchen Stellen muss man was öffenen, wann muss man wie schließen. Wie bei sehr vielen anderen Projekten im Lernbereich ist die Frage der Balance entscheidend. Gibt es eine „Balance- oder Ausgleichstheorie“?

    3) Begleitstudium wird auch kritisch gesehen: gut, das ist normal, kann niemanden wirklich überraschen, weil gut gemeinte und gut durchdachte Angebote immer auf unterschiedliche Meinungen/Bedürfnisse treffen. Diskussionswürdig vielleicht die Annahmen hinter dem Konzept, wovon geht man „beim Studenten“ aus? Du schreibst: „etwas anderes kommt beim Studenetn an…“ Mich nteressiert: WAS kommt den bei den (falsch) Studenten an? Das hört sich nach Kommunikationsproblem an, ist es das wirklich?

    Soweit mal, Grüße Frank

  5. Hallo Frank,

    merci für die guten Wünsche! Es war wirklich schade, dass Du nicht kommen konntest. An ein paar Stellen hättest Du sicher kritisch dazwischen „gefunkt“… und froh bin ich natürlich, wenn auf die Weise der Veranstaltungs-Blog seinen Zweck erfüllt. Denn auch das war ein kleines Projekt: Alle sechs Studierenden haben erstmals gebloggt und insofern war dies eine zusätzliche Herausforderung für sie. Und ich meine, sie haben das ganz gut hinbekommen.

    Die Sache mit der Aufmerksamkeit. Ich weiß, dass Du im Kern die Einstellung hast: Wenn jemand kommen möchte, dann kommt er auch… und wird vor allem von der Veranstaltung wissen. Allerdings haben wir gerade im Nachgang an die letzte Tagung von einigen Studierenden gehört, dass sie gern gekommen wären, aber nichts davon wussten (und zwar trotz Freitagsproblematik!). Insofern muss man, zumindest im kleinen Rahmen, für Öffentlichkeit sorgen. Natürlich bin ich PR-Anhängerin und halte folglich eine Menge von Öffentlichkeitsarbeit; allerdings meine ich, dass das „Grundrauschen“ zur Veranstaltung weitaus höher war als im letzten Jahr und bewerte das durchaus als Aufmerksamkeitserfolg. Denn letztlich geht es uns nicht nur darum, Studierende zum Kommen zu bewegen, sondern auch darum, auf Dauer eine interessierte (kritische) Masse zu etablieren – sei es vor Ort und/oder im Netz.

    Die Open-Diskussion. Aus Studierendensicht ist eins völlig klar: Open heißt frei, d.h. wenn jemand sich das Label „freie Bildungsressource“ anheftet, dann darf der Nutzer dafür nichts zahlen. Vor dem Hintergrund, wie es überhaupt zur Open-Bewegung kam, halte ich diese Einschätzung durchaus für konsequent. Allerdings, und da bin ich völlig bei Dir, geht es ein Stück weit um ein ausgewogenes Verhältnis… wie auch immer man das in der Praxis anstellt. Will man Zugang zu Bildung für alle ermöglichen, dann ist man schnell bei den Diskussionen, die auch zu Studiengebühren geführt werden (was ist der richtige Preis?). Und vor allem eine Frage bleibt ungeklärt: Wer soll’s zahlen, wenn es nicht die Nutzer sind? Es ist kaum zu erwarten, dass der Staat diese Aufgabe in Gänze übernimmt. Dann hängt man schnell an Sponsoren und begibt sich in (neue) Abhängigkeiten. Ich weiß nicht, ob das zielführender ist.

    Begleitstudium kritisch reflektiert. An manchen Stellen ist es sicher ein Kommunikationsproblem, obwohl wir sehr viel dafür tun, dass die Studierenden Hintergrund und Wesen des Begleitstudiums verstehen. Gerade zu Beginn des Studiums scheint es für einige Studierende zu abstrakt, Ziele des Begleitstudiums („Kompetenzentwicklung“) zu verstehen. Erst wenn sie den Sprung in ein Projekt wagen, erkennen sie letztlich den Unterschied zu „normalen“ Angeboten an der Universität und sehen, warum die vorher gemachten Angaben vergleichsweise schwammig sind. Daneben kann oftmals nicht eingeordnet werden, aus welchen Gründen in einem Projekt primär wissenschaftliche, praktische oder soziale Kompetenzen erworben werden können… für die Studierenden sind alle Projektangebote stark praktisch ausgelegt. Ansonsten das Übliche: Am Begleitstudium teilzunehmen heißt: viel Aufwand, den man zeitlich unterbringen muss (was aber geht!) und vor allem „Bock“ haben. Das unterscheidet Teilnehmer und Nicht-Teilnehmer ganz erheblich. Doch ob das ein echtes Probem ist, ist abhängig von den Zielen: Will man das Begleitstudium auf breiter Fläche fördern, muss man die motivationalen Unterschiede sehr genau im Blick haben; will man die Interessierten fördern, wie es jetzt ist, dann ist das Begleitstudium ein Zusatzangebot für diejenigen, denen das Studium zeitlich oder inhaltlich zu wenig ist.

    Viele Grüße,

    Sandra

  6. Pingback: Blogorette » Blog Archive » 2. w.e.b.Square-Tagung

  7. Pingback: e-Denkarium » Blog Archiv » Studierende tagen

  8. Pingback: Randnotizen » w.e.b.Square: Ausgabe 2009 01

  9. Geehrte Frau Hofhues,

    jetzt bin ich Ihnen seid geraumer Zeit nicht nur einen Mailantwort schuldig, sondern auch mal einen Dank. Und zwar ob der Inspirationen für mich, unserem Projekt info-parkour.de (einem Online-Magazin zur Campus-Kulturgenese) das wir an »unserer« Hochschule betreiben durch Ihre engagierte Arbeit und Aufarbeitung alle der dadurch erzielten Ergebnisse. Leider ist mir die Zeit zu knapp, um ausführlich Stellung zu nehmen, möchte aber meine Begeisterung für den w.e.b.Square und insbesondere für die »studentische Tagung« in schriftlicher Form hier hinterlassen. Ich, selber noch Student, kann über diese Informationen meine Expertise im Umgang mit dem organisierten Aufbau der sutdentischen Selbstverwaltung oder der Schaffung von mehr Transparenz für Mitgestalltungsmöglichkeiten durch Studenten, schärfen. Danke zunächst.

    M. A. Holtz

  10. Lieber Herr Holtz,

    vielen Dank für das Lob! Ich freue mich natürlich sehr, wenn Sie durch unsere Aktivitäten in Augsburg dazu angeregt werden, Studium und Lehre an Ihrer FH transparenter zu gestalten (und das als Student!). Was Sie uns noch ein Stück weit voraus haben, sind die Gelder: Wie ich lesen kann, wird Ihr Engagement in Teilen durch Studiengebühren finanziert. Da ist Hamburg mal wieder Vorreiter 😉
    Ansonsten würde ich mich freuen, wenn wir die Themen Lernen 2.0, Transparenz von Forschung/Lehre und (Anforderungen durch) Interdisziplinarität bald vertiefen könnten… einen ersten Ansatzpunkt gibt es ja bereits durch Ihr Interview mit Frank Vohle, was ich extrem spannend finde.

    Viele Grüße,

    Sandra Hofhues

  11. Silke Uphoff sagt:

    Liebe Sandra,

    noch ein kleines Feedback aus Studentenperspektive:).
    Auch ich fand die Tagung sehr gelungen!!!
    Ich hätte nicht gedacht, dass die einzelnen Vorträge so interessant sind und der Nachmittag so kurzweilig werden würde.
    Außerdem fand ich es bemerkenswert, dass einige Studenten bis zum Schluss durchgehalten haben (obwohl sie nicht am Seminar teilgenommen haben!).
    Es war eine tolle Erfahrung selbst vortragen zu dürfen und es wäre schön, wenn du die Veranstaltung in den kommenden Semestern wieder anbietest!

    Liebe Grüße
    Silke

  12. Liebe Silke,

    vielen Dank für Deine Einschätzung! Bislang haben sich ja primär Lehrende geäußert, sodass ich nur aus informellen Gesprächen wusste, wie Euch das Setting gefallen hat 🙂

    Ich bin jedenfalls froh, dass Ihr die Tagung selbst als klaren Mehrwert empfindet und werde daher am Projekt „studentische Tagung“ definitiv weiterdenken. Potenzial nach oben gibt es noch (wie immer halt) und erste Ideen für das kommende Jahr habe ich bereits. Vielleicht kommt auch in unserer abschließenden Sitzung am 2. Februar noch einiges an Input dazu – ich würde mich freuen.

    Viele Grüße,

    Sandra

  13. Pingback: Einfach nur “Wow”! « Sandra in the Sky

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.