FIM 2011: Einblicke in Mediennutzungsverhalten in/von Familien

Kürzlich ist erstmals die FIM-Studie erschienen. FIM steht für Familie, Interaktion und Medien und soll die Reihe der KIM- und JIM-Studien seitens des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest fortan ergänzen. Das ergänzende Potenzial zeigt sich vor allem darin, dass die FIM-Studie Einblicke in Familie(n) gewinnen möchte und hierzu nicht allein auf gewohnte Erhebungsformen wie standardisierte Befragungen setzt, im Gegenteil: Es werden auch Tagebücher genutzt und damit Familienverständnis, Umgangsformen sowie Gewohnheiten mit und ohne Medienbezug erhoben.

Besonders interessant sind aus meiner Sicht die Hinweise zur Kommunikation in den Familien, die äußerst demokratisch verläuft und einen leichten Schwerpunkt in der Mutter-Kind-Interaktion aufweist. In Bezug auf Medien- und Mediennutzungsverhalten in den untersuchten Familien wird nochmals die dichte Geräteausstattung deutlich, die inzwischen neben Fernsehen und Radio Smartphones, Internet, Computer, MP3-Player, Spielekonsolen etc. umfasst (die dazugehörige Abbildung findet sich auf S. 57). Die Hinweise zu den genuinen Medientätigkeiten verstehe ich nicht ganz: So heißt es, dass berufstätige Eltern mehr Medien nutzen als nicht berufstätige Eltern und dies wird als „überraschend“ eingestuft (S. 59). Ich sehe hingegen durchaus Entsprechungen in anderen Mediennutzungsstudien, die seit längerem auf den Zusammenhang intensiver Mediennutzung mit Berufstätigkeit hinweisen (z.B. im (N)Onliner-Atlas). In Bezug auf die (gemeinsame) Mediennutzung zeigt sich bis auf Weiteres die Dominanz des Fernsehens (S. 60). Hier müsste man aus meiner Sicht noch deutlicher darauf schauen, welche Medien sich überhaupt zur gemeinsamen Nutzung eignen. Ich habe den Verdacht, dass individuelles Mediennutzungsverhalten und familiär-gemeinsames Mediennutzungsverhalten nicht zwingend übereinstimmend sind. Eine aufschlussreiche Grafik findet sich auf S. 62: die Medienbiographie von Kindern und Jugendlichen. Anhand der Abbildung wird sehr gut deutlich, wie sich Mediennutzungsverhalten im Gesamten verändert, nämlich individualisiert und differenziert hat, und gleichzeitig der Umgang mit unterschiedlichen Medien immer früher beginnt. Weit hinten im Schlussteil wird daher empfohlen, „Familien in Medienkompetenzfragen zu stärken“ (S. 92), was wie eine banale Empfehlung klingt, aber doch auf der Höhe der Zeit ist, wenn man sich speziell die Medienbiographie von Kindern und Jugendlichen vor Augen führt.

Fazit. Die FIM-Studie ergänzt das Portfolio der Mediennutzungsstudien des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest um eine weitere Komponente: Kommunikation, Interaktion und Mediennutzung in der Familie. Die FIM-Studie greift damit offene Fragen aus der (insbesondere) KIM-Studie und der JIM-Studie auf, die auf die Bedeutung der Familie als wichtig(st)e Sozialisationsinstanz hindeuteten. Positiv zu bewerten ist der pragmatische Umgang mit den Medienentwicklungen, die man der Studie zufolge nicht (weiter) verleugnen kann, sondern mit denen man produktiv und kritisch-reflexiv umgehen muss.

Quelle:

Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest – MPFS (2012). FIM 2011. Familie, Interaktion & Medien. Untersuchung zur Kommunikation und Mediennutzung in Familien. Stuttgart: Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg. http://www.mpfs.de/fileadmin/FIM/FIM2011.pdf (11.02.2012).

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