„Bildung, Schule, Digitalisierung“

… lautet der Titel des Tagungsbands zur gleichnamigen Tagung an der Universität zu Köln. Die Tagung ist Pandemie-bedingt leider ausgefallen, den Tagungsband haben wir dennoch weiter forciert und nun liegt dieser vor. Insgesamt 478 Seiten geben Einblick in die Vielfalt der Diskussionen um „Bildung, Schule, Digitalisierung“. Entsprechend unterscheiden sich die Beiträge auch danach, ob sie theoretische Überlegungen rund um das (Tagungs-)Thema voranstellen oder empirische Befunde zeigen; auch Konzepte oder Reflexionen finden ihren Platz im Band.

Quelle:
Kaspar, K., Becker-Mrotzek, M., Hofhues, S., König, J. & Schmeinck, D. (Hrsg.) (2020). Bildung, Schule, Digitalisierung. Münster: Waxmann. (Download/Open Access)

Data-Driven Schools #CfP

Im Anschluss an den leider ausgefallenen DGfE-2020-Kongress und das „All is data (Aid)“-Projekt rufen wir – Mandy Schiefner-Rohs, Andreas Breiter und ich – zur Einreichung von Beiträgen zum Thema „Datengetriebene Schule“ (engl. Data-driven Schools) auf. Aus dem Call (dt. Fassung):

„Die Steuerung durch Zahlen (Grek 2009; Hartong 2016) genauso wie die Quantifizierung des Sozialen (Mau 2017) scheinen zu einem neuen Paradigma für die Bildungspolitik und Bildungsadministration geworden zu sein. (Inter-)Nationale Schulleistungstests, Schulinspektionen oder (Hochschul-)Rankings sind beispielhafte Formen einer Bildungssteuerung mit und durch Daten bzw. Zahlen (für die Schule z.B. Altrichter 2010). Während dabei bisher vor allem Daten über Lernende und deren Leistungen erzeugt werden, werden im Zuge der Digitalisierung weitere Datenquellen explizit oder implizit erschlossen: Denken wir nur an Lernsoftware, die oft als explizite Datenquelle für Forschung und Praxisgestaltung dient, oder an die impliziten «digitalen Spuren» (engl. digital footprints oder traces), die wir alle in Softwareprodukten hinterlassen und die prinzipiell von unterschiedlicher Seite erschlossen werden können. Werden Datensätze miteinander verbunden, spielen häufig Learning Analytics vor dem Hintergrund der Diskussionen um Individualisierung und Digitalisierung eine Rolle – wenngleich diese Tendenz im pädagogischen Umfeld mithin kritisch betrachtet wird (u.a. Büching et al. 2019; Allert, Asmussen und Richter 2018). All diese Entwicklungen spielen sich im Rahmen der durch ‹Digitalität› geprägten Gegenwart ab, die sich durch spezifische normative Setzungen, Machtkonstellationen und letztlich veränderte Rahmenbedingungen pädagogischen Handelns auszeichnet. Optimierung erscheint hier als ein tief in der ‹Digitalität› verwurzeltes Prinzip, welches eine erziehungswissenschaftliche Perspektive herausfordert, indem Gegenstandsbereich und Forschungspraxis, aber auch Handlungskonzepte unmittelbar von Transformationsprozessen betroffen sind.

Alle genannten Beispiele zielen letztlich auf eins: auf die Optimierung des Lehrens und Lernens durch Daten, Zahlen und jüngst Algorithmen. Der Begriff der Datafizierung nimmt deswegen im Diskurs diese Zielperspektive auf. Er legt mit aller Kraft offen, was unter den sichtbaren Tendenzen in der Bildung, insbesondere aber im Kontext Schule unter Daten verstanden wird: So ist mit der Digitalisierung dort einerseits ein verdichteter, hochkomplexer Prozess der Kommunikation und Interdependenzbewältigung von Menschen in ihren Handlungskontexten festzustellen. Das Soziale selbst wird darin zur Objektivation kommunikativen Handelns (Knoblauch 2017) und stellt sich in hohem Masse datenbasiert und/oder -gesteuert dar. Andererseits entstehen durchaus neue datenbasierte Praktiken, die sich in Schulen im Speziellen und in Bildungsorganisationen im Allgemeinen analysieren, beschreiben, beobachten und reflektieren lassen. Darüber hinaus werden Daten als Referenzpunkte für individuelle oder gemeinsame, für implizite oder explizite Entscheidungen immer häufiger automatisch erzeugt, sodass das Soziale auf einzelne Datenpunkte, Zahlen- respektive Schwellenwerte und/oder Indizes zugespitzt wird. Prietl und Houben (2018) sprechen aufgrund dieser offensichtlichen Reduktion von Komplexität gar von einer Datengesellschaft.

Aus medienpädagogischer Sicht werden mit Daten, Zahlen und Algorithmen diverse Forschungsperspektiven aufgeworfen sowie Gestaltungsfragen insbesondere an den Kontext Schule gestellt. Sie siedeln sich an in den Bildungsorganisationen selbst, indem beispielsweise nach den konkreten Angebotsstrukturen und Massnahmen im Umgang mit der Datengesellschaft in der Schule gefragt wird. Sie werfen Fragen nach interdisziplinärer Forschung und Entwicklung im Schulkontext auf, wenn erst das Zusammenspiel von (Medien-)Pädagogik und Informatik Forschungsfragen im Feld beantworten lässt (u.a. Breiter und Jarke 2019). Es deuten sich zudem vielfältige Anlässe für Kooperationen, aber auch für Abgrenzungen zwischen Politik, Verwaltung, Bildungsorganisationen und den Menschen sowie zwischen Datenproduktion und -konsum an (vgl. Hartong 2016). (Inter-)national lässt sich an der wachsenden Bedeutung sozialer Vermessungspraktiken, Datafizierung und Algorithmen im Bildungssektor anschliessen (z.B. Boyd und Crawford 2012; Espeland und Stevens 2008; van Dijk 2014; Kitchin 2016; Selwyn 2016; Knox et al. 2019).

Daten, so viel lässt sich bis hierhin aus dem Diskurs festhalten, beschreiben nicht nur soziale Wirklichkeiten – sie erschaffen oder verändern diese infolge ihrer blossen Verfügbarkeit oder der Orientierung daran. So lässt sich schon jetzt eine Verhaltenssteuerung durch Algorithmen beobachten (z.B. Manolev, Sullivan, und Slee 2019), die ebenfalls (nicht nur) medienpädagogisch zu reflektieren ist. Software bzw. Dateninfrastrukturen sind entgegen naiver Annahmen nicht neutral – es werden soziale Relationen und Ungleichheiten darin technisch eingeschrieben (Dalton und Thatcher 2014; Fuller 2008; Kitchin und Lauriault 2014; Lachney, Babbitt und Eglash 2016, Hartong 2020).“ (Auszug aus dem Call)

Der vollständige Call ist unter medienpaed.com verfügbar. Wir freuen uns auf Beitragsvorschläge bis zum 31.7.2020.

Noch ein neues Projekt: Beteiligung an der Digitalstrategie Lehrer*innenbildung Köln (DISK)

In der Qualitätsoffensive Lehrer*innenbildung des BMBF wurde im zurückliegenden Jahr eine vertiefende Förderung für Vorhaben in und zur Digitalisierung ausgeschrieben. Hierbei war auch die Universität zu Köln erfolgreich: Unter dem Titel „Digitalstrategie Lehrer*innenbildung Köln: Kompetenzen nachhaltig entwickeln (DiSK)“ sollen in den nächsten (knapp) vier Jahren Medienkompetenzentwicklung und Medienbildung von (angehenden) Lehrer*innen in den Blick genommen werden (zur Projektdatenbank). In den Verbund sind unterschiedliche Kolleg*innen aus Fachwissenschaften und Fachdidaktik wie auch aus den Erziehungs- und Bildungswissenschaften involviert. Die medienpädagogisch/-didaktische Sicht bringt der Arbeitsbereich im so genannten „DISK-Forum“ ein, das nach dem Vorbild der OERlabs zu Kommunikation und Austausch in der Lehrer*innenbildung anregen soll. Aufgrund der Vorgaben durch das Land NRW (siehe Medienkompetenzrahmen) gibt es ohnehin Kommunikationsanlässe genug.

Digitalisierung in der Lehrer*innenbildung: Blicke in einen lebendigen Diskurs #CfP

Viele Kolleg*innen haben bereits geholfen, den Call zu unserer Tagung zu „Bildung, Schule und Digitalisierung“ zu verbreiten. Ich verlinke daher an dieser Stelle lediglich auf die Seiten des Mercator Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache, das den Call für die Kölner Organisator*innen recht zügig online verfügbar gemacht hat (zum CfP). Im Call selbst adressieren wir den gesamten Diskurs zu Medien in der Lehrer*innenbildung, der sich seit ein paar Jahren (wieder) als sehr lebendig darstellt und nicht mehr auf Medien- und Schulpädagogik beschränkt ist. Auch begrifflich und konzeptionell haben sich Verschiebungen ergeben (Stichwort: Digitalisierung), die jedoch nur teilweise in der Lehrer*innenbildung reflektiert werden. Aufgrund dieser Kontur würden wir uns über möglichst vielfältige Arbeiten und Einreichungen freuen, die theoretische und/oder empirische Beiträge für das Feld anvisieren.

Mit Blick auf meinen eigenen Kalender ist mir klar, dass für viele die gesetzte Frist von (noch) sechs Wochen eher knapp ist (Einreichung von Abstracts bis zum 15.10.2019). Hintergrund ist der zugehörige Tagungsband, der mit der Veranstaltung im Open Access-Format vorliegen soll (und wird ;-)). Die Arbeit an Text und Buch braucht bekanntermaßen ein wenig Vorlauf; sie motiviert vielleicht aber auch ein wenig, sich mit Beiträgen aus Fachwissenschaften, Bildungswissenschaften und Fachdidaktiken an der Tagung zu beteiligen.

Tag der Medienkompetenz im Landtag NRW #TdM18

Alle zwei Jahre findet der Tag der Medienkompetenz im Landtag NRW statt. Meist bildet ein Thema den Ausgangspunkt für Impulsbeiträge und Diskussionen; dieses Jahr ging es z.B. übergeordnet um Fakenews, Verschwörungstheorien und Algorithmen. Unter diesem Oberthema wurden allerhand Themen verhandelt und auch diverse Projekte vorgestellt. Ich selbst war mit dem Projekt OERlabs und einer studentischen Gruppe aus meinem Seminar ‚Gestaltung und Produktion digitalen Lernmaterials‘ zu Gast. Gemeinsam haben wir einen Stand zu Möglichkeiten der Praxiskooperation in Lehre/Forschung wie auch zum OER-Aspekt gestaltet. Am Nachmittag war ich geladen im Panel „Was sagt die Wissenschaft?“ des Grimme-Forschungskollegs. Darin habe ich versucht den Bogen zu schlagen zwischen Medienpädagogik und Informatik, was sich anlässlich der thematischen Setzung geradezu anbot. Meine Folien stelle ich auf diesem Weg gerne zur Verfügung (TdM18).

Still, aber nicht untätig

In letzter Zeit ist es still geworden auf dem Blog – erstmals seit 2007 – und das hat einen einfachen Grund: Die drei zeitgleich gestarteten, BMBF-geförderten Forschungs- und Entwicklungsprojekte sowie damit zusammenhängende Teamentwicklungsprozesse erfordern derzeit meine Aufmerksamkeit. Ich bin in der Zwischenzeit also nicht untätig, im Gegenteil:

Einblick in ein erstes Projektergebnis aus dem You(r) Study-Verbundforschungsprojekt bieten jetzt bspw. unsere systematischen Reviews zu digitalen Lerninfrastrukturen, zu mediengestützten Lehr-/Lernszenarien sowie zur Mediennutzung Studierender. In den Reviews haben die unterschiedlichen Projekt-Beteiligten den Forschungsstand, so er für die nächsten Schritte im Projekt relevant ist, aufgearbeitet. Inhaltlich sind die Ergebnisse auch außerhalb von You(r) Study interessant, weswegen sie seit einigen Tagen unter freier Lizenz auf dem You(r) Study-Blog verfügbar sind. Auf dem Blog schreiben wir als Verbundprojektteam übrigens auch über weitere Aktivitäten rund um das Projekt. Vorbeisurfen oder abonnieren lohnt sich also.

Apropos Blog: Auch in den OERlabs tut sich sukzessive etwas, u.a. berichten wir in regelmäßigen Podcasts über offene Handlungspraktiken, die nach aktuellem Stand so schwer in Textform zu fassen sind. Zudem findet in Kürze der erste Multistakeholder-Dialog an der Universität zu Köln sowie an der TU Kaiserslautern statt, um mit vielen Beteiligten über Medienbildung in der Lehrer*innen(aus-)bildung ins Gespräch zu kommen. Dazu werden wir mit Utopien (von Schule) starten und uns nach und nach Fragen der Ermöglichung von Medienbildung, bestehenden Annahmen und medienbezogenen Routinen sowie (hoch-)schulischen Strukturen zu widmen.

Das geschieht in #ko.vernetzt übrigens auch, allerdings vor dem Hintergrund einer erwachsenenbildnerischen Perspektive der Förderung von Medienkompetenzen. Aktuellen Einblick bietet eine Präsentation (Download PDF), die für die Tagung Berufsbildung 4.0 der AG BFN entstanden ist.

Im Gespräch: #OERlabs

Die OERlabs nehmen nach und nach ihre Arbeit auf. U.a. sind Bence und ich derzeit in einem Video zu Lehrer*innenbildung, offenen Bildungsressourcen und Labor-Verständnis auf dem YouTube-Kanal des ZfL der Universität zu Köln zu sehen.

Wer lieber liest statt (fern-)sieht, kann Details zum Projekt auch in der aktuellen Synergie-Zeitschrift der Universität Hamburg (Download PDF) sowie auf unserem OERlabs-Blog nachlesen. Alle Mitarbeitenden in den OERlabs posten hier fleißig Informationen rund um unser Praxis- und Entwicklungsprojekt. Ein Podcast zur Dokumentation offener Bildungspraktiken wird folgen.

Hochschulrahmenvertrag der VG Wort oder: Wenn Handlungspraktiken und geltendes Recht aufeinander prallen. #medida16

Es passt ja irgendwie ins Bild, dass der (neue) Hochschulrahmenvertrag der VG Wort erst jetzt intensiv diskutiert wird. Absehbar ist nämlich, dass sich zum 1.1.2017 gängige Handlungspraktiken von Hochschullehrenden und Studierenden verändern müssen.

Hintergrund sind Abgaben, die die VG Wort als Vertreterin der Autor*innen von den Hochschulen einfordert. Abgaben, die lt. geltendem Urheberrecht rechtmäßig sind, aber längst nicht mehr zu den Handlungspraktiken von Lehrenden und Studierenden an Hochschulen passen. Dort werden seit mindestens zehn, eher seit 15 Jahren und mehr digitale Materialien ins Lernmanagement-System (LMS) geladen und Lernenden zur Verfügung gestellt. Richtig war das nie, praktisch schon, wie vielerorts online zu lesen ist:

Urheberrecht vs. digitales Studieren“, RP online
Weitere Hochschulen winken ab“, Börsenblatt
Unirahmenvertrag: Studierende protestieren und Unis verweigern Unterzeichnung“, Netzpolitik.org
Unirahmenvertrag: Der Boykott der Hochschulen ist nachvollziehbar, die VG WORT muss verhandeln“, Pressemitteilung des Vorstands der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW)

Weiterführend lesenswert:
Tag der Kompromisse endet mit Eklat“, Stefan Niggemeier
Siggener Thesen zum wissenschaftlichen Publizieren im digitalen Zeitalter“, Merkur

Sehnsüchtig warten nun alle Hochschulen und ihre Mitglieder auf eine neue Lösung („Wissenschaftsschranke“), die die VG Wort und HRK im Gespräch eruieren soll. Die Wiederaufnahme von Gesprächen ist allerdings zu spät – zumindest für das laufende Semester. Für das Wintersemester 2016/17 müssen Hochschulen übergangsweise eine praktikable Lösung finden, mit den Urheberrechtsproblemen umzugehen.

Konkret sieht dies so aus, dass viele Hochschulen ihre digitalen Materialien löschen, Dozierende zum Löschen von Inhalten auffordern oder Systeme kurzzeitig abschalten. So auch an der Universität zu Köln, was vielfältige Anschluss-Diskussionen und nicht zuletzt Panik erzeugt. Dabei wäre mit der Hypertextstruktur des Internets vieles durchaus zu lösen…

So oder so ist die aktuelle Diskussion fachwissenschaftlich interessant: An der Diskussion um digitale Inhalte in den diversen LMS zeigt sich einerseits, dass die Hochschulen in den letzten Jahren bedeutend „digitaler“ geworden sind, als man gemeinhin öffentlich annimmt. Gerade digitale Plattformen, die nicht ohne Grund im Hochschuljargon „PDF-Schleudern“ genannt werden, sind üblich geworden. Andererseits haben die meisten Hochschulen das urheberrechtliche Problem sehenden Auges in Kauf genommen – nicht zuletzt, um Änderungen im Urheberrecht zu erzwingen oder das Problem (idealerweise) auszusitzen.

Man kann die Diskussion aber auch anders (produktiver oder pragmatischer) deuten: Mit dem neuen Hochschulrahmenvertrag der VG Wort gibt es endlich Gründe, sich mit medien- und urheberrechtlichen Fragen im Kontext der Hochschullehre zu beschäftigen. Das ist für Expert*innen seit vielen Jahren Alltag, mindestens seit der Hoffnung auf Lehrinnovationen durch digitale Medien, der „Erfindung“ von Open Access und Creative Commons. Jetzt scheint  das Zeitfenster zu sein, solche Diskussionen in der Breite zu führen und angemessene Lösungen für alle Beteiligten zu finden. Darüber hinaus könnten die Startbedingungen für unser neues Praxis- und Entwicklungsprojekt „OERlabs“ an den Universitäten Köln und Kaiserslautern kaum günstiger sein:

Wann, wenn nicht jetzt, sollte man über freies Bildungsmaterial (OER) ins Gespräch kommen?

Nachtrag, weil mich dazu eine Nachfrage erreicht hat: Mit „richtig“ meine ich oben, wenn ganze Bücher gescannt und online gestellt wurden etc.

Neue Aufgaben: Wechsel auf die Juniorprofessur für Mediendidaktik/Medienpädagogik

Während an der ZU die Vorbereitungen für die Erstsemesterwoche auf Hochtouren laufen, habe ich mich dort bereits ausgeklinkt – und das nicht ohne Grund. Ab morgen werde ich mich neuen Aufgaben auf der Juniorprofessur für Mediendidaktik/Medienpädagogik an der Universität zu Köln widmen. Auch wenn Wechsel immer Wandel bedeutet und man sich an eine neue Umgebung in jeder Hinsicht gewöhnen muss, freue ich mich auf den Wechsel in die alte Heimat NRW sehr. Zurück blicke ich auf eine Zeit, die vor allem eins war: spannend, lehrreich und emotional. Aus diesem Grund werde ich meine knapp zwei Jahre an der ZU sicher nicht vergessen und ich hoffe, über die Einbindung in die Veranstaltung „Arbeitstechniken forschenden Lernens“ ihr noch ein wenig verbunden zu bleiben. Ab morgen wird jedoch von anderer Stelle berichtet: erst einmal von der Jahrestagung der GMW, die bis Freitag in München stattfindet, und dann – sukzessive – aus Köln und Umgebung.

Schülerakademie zu „Open Education“

Über die Sommermonate werden an der Zeppelin Universität immer drei Schülerakademien angeboten: von jedem Fachbereich eine. Für den Fachbereich Staats- und Gesellschaftswissenschaften, innerhalb dessen die Hochschuldidaktik angesiedelt ist, hat Christian Schmidt in diesem Jahr die Schülerakademie zu „Open Education“ ausgerichtet (bzw. macht das noch immer: Sie geht erst morgen zu Ende). Ich selbst durfte heute in dieser Schülerakademie als Expertin zu Gast sein. Auf mich warteten neugierige Schülerinnen und Schüler, die sich seit drei Tagen ins Thema eingearbeitet haben und ganz schön kniffelige Fragen für mich bereit hielten. Eineinhalb Stunden lang ging es nur so hin und her – zwischen den einzelnen Dimensionen, innerhalb derer sich das Thema bewegt, aber auch zwischen persönlichen Standpunkten, Visionen und Utopien. Das Interesse der Schüler_innen lag dabei vor allem auf der politischen Dimension und Fragen der Entwicklungszusammenarbeit: Wie lässt sich diese mit und durch den Open-Gedanken neu/anders gestalten? Aber auch Vorstellungen über Lernen und Bildung wurden gemeinsam entwickelt, was für mich nicht weniger interessant war. Wie kann man Open Education in der Praxis realisieren? Was sind die größten Herausforderungen? Wie würden passende didaktische Szenarien aussehen? Schüler_innen sind nämlich durchaus in der Lage zu antizipieren, vor welchem Umbruch das Bildungssystem stehen würde, sofern Open Education in Gänze realisiert würde. Gleichwohl gelingt es durch die gemeinsame Auseinandersetzung sehr gut, den Fokus stärker auf die „Zwischentöne“ zu lenken, sprich auf Umsetzungsvarianten, Rahmenbedingungen und individuelle Voraussetzungen für Open Education. Es liegt also eine wirklich anregende Diskussionsrunde hinter mir – zu einem Thema, das weitaus mehr Potenzial zur Diskussion geboten hätte, als wir Präsenzzeit hatten. Vielleicht ergibt sich ja hier im Blog oder andernorts noch die Gelegenheit zu „mehr“.