Was ist eine „Virtuelle Universität“?

Auf die Suche nach Antworten auf diese Frage haben sich seit einiger Zeit Kolleg*innen der Ruhr-Universität Bochum gemacht, und einige dieser Antworten dokumentieren sich zum Beispiel in Buchform, zuletzt im gleichnamigen Band zur „Virtuellen Universität“ (Breil & Sprenger, 2026).

Ein schöner Band zur „Virtuellen Universität“ ist es geworden, möchte ich den Herausgebenden zurufen, und ihn – den Band – nicht nur deswegen gleich hier verlinken. Warum ich den Band schön finde, lässt sich in wenigen Worten wohl kaum beschreiben – mir gefällt der kuratierte Zuschnitt des Themas sehr gut; zugleich finde ich die Akzente der einzelnen Beitragenden im interdisziplinären Zusammenspiel äußerst anregend. Ich möchte mich folglich auch für die Gelegenheit bedanken, zusammen mit Thorsten Lorenz einen Beitrag zu Bildungstechnologien beisteuern zu dürfen (Lorenz & Hofhues, 2026). Da der Band wirklich ganz frisch bei transcript erschienen ist, reichte die Zeit nun noch nicht für eine umfängliche Rezension. Aber ich werde sicher weiter in den einzelnen Beiträgen stöbern, den Band vermutlich sogar ‚linear‘ lesen und entsprechend auf mich wirken lassen. Zu Jahresbeginn ist dafür ja – zum Glück – etwas mehr Zeit als sonst.

In dem Sinne wünsche ich allen Leser*innen nicht nur ein frohes neues Jahr, sondern gleich auch anregende Lektüren mit diesem Buch- und Lesetipp. 

Breil, P. & Sprenger, F. (Hrsg.) (2026). Virtuelle Universität. Bielefeld: transcript.
Lorenz, T. & Hofhues, S. (2026). Bildungstechnologien. WissensREproduktion in der virtuellen (Hoch-)Schule. In P. Breil & F. Sprenger (Hrsg.), Virtuelle Universität (S. 59-71). Bielefeld: transcript.

Ausschreibung einer PostDoc-Stelle an meiner Professur

An meiner Professur für Mediendidaktik ist eine PostDoc-Stelle mit einer Laufzeit von zunächst drei Jahren ausgeschrieben. Eine Bewerbung bis zum 05.01.2026 ist über das Bewerbungsportal der FernUniversität in Hagen möglich. 

Weitere Informationen zur Ausschreibung finden sich unter: https://jobs.fernuni-hagen.de/job/Wissenschaftlichen-Mitarbeiterin-%28wmd%29-im-Lehrgebiet-Mediendidaktik-%28Postdoc%29/1969-de_DE

Vom ‚umbrella term‘ zur postdigitalen Wissenschaftspraxis

Es sind wohl die KI-Themen, die das Jahr auch aus medienpädagogischer Sicht prägten, mal enger an Fragen des maschinellen Lernens oder der Algorithmizität geknüpft, mal weiter im Sinne eines ‚umbrella terms‘ für einen sich mehr oder minder schleichend vollziehenden Wandel der (Geistes-)Wissenschaften selbst. Themen, aber auch damit zusammenhängende Diskussionen werden viele sicher kennen, die sich im Feld der Medienpädagogik und Erziehungswissenschaft mit Digitalität und Bildung befassen – Ende (noch) offen, möchte man meinen. Ins allgemeine Getöse rund um KI passen dann noch Zeitungsartikel, die (wie hier in der Süddeutschen) auf veränderte Praktiken entlang der Mediennutzung und -aneignung verweisen. 

All das haben wir im zurückliegenden Forschungskolloquium zum Anlass genommen, danach zu fragen, wie „KI“ unterschiedlicher Couleur Einfluss nimmt auf die eigene wissenschaftliche Arbeit, aber auch darauf, wie sich eine postdigitale Wissenschaftspraxis darstellen könnte. Unter den Leitfragen, was sich wieder ändern sollte oder auch, was schlicht ‚weg‘ könnte, haben wir dann schließlich über Fragen diskutiert, die über KI im engeren Sinne auch hinausgehen, etwa über ‚Publish or Perish‘ als Prinzip, das die Nutzung von KI triggern dürfte, die allenthalben sichtbare Praxis der sogenannten KI-Leitlinien wie auch konkreter Lehr-Lern-bezogener Fragen, wenn sich Vermittlungsfragen nämlich interessanterweise nunmehr öfter wieder auf das Was (weniger auf das Wie) konzentrieren. 

Nicht von ungefähr kam, dass wir auch Fragen von Autor*innenschaft (etwa auch im Lichte von Barthes) in den Fokus nahmen. Spannend wars so kurz vor den Feiertagen!

Wissenschaft braucht Freiheit

Doch diese Freiheit steht zunehmend unter Druck – durch politische Eingriffe, Polarisierung und persönliche Anfeindungen. Zusammen mit meinen Kolleg*innen aus der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) und vielen weiteren setze ich mich daher für die Wissenschaftsfreiheit ein. Unter anderem fordern wir mit unserer Initiative #WissenschaftBrauchtFreiheit entschiedenen Schutz für unabhängige Forschung und offene Diskursräume. 25 Videos stehen dafür stellvertretend.

Zur Initiative: https://dgfe-und-die-wissenschaftsfreiheit.de | zur Pressemitteilung: https://www.dgfe.de/fileadmin/OrdnerRedakteure/Stellungnahmen/2025_Pressemitteilung_Wissenschaftsfreiheit.pdf | zur DGfE: https://www.dgfe.de/aktuelles


Erziehungswissenschaft nach ChatGPT (Mitteilungsheft Erziehungswissenschaft 70)

In den ersten Monaten meiner Amtszeit in der DGfE war ich mit der Ausgestaltung des Thementeils der Mitgliederzeitschrift Erziehungswissenschaft 01/2025 befasst. Dieser Thementeil knüpft unmittelbar an Fragen von Digitalisierung an, mit denen ich ja bekanntermaßen für den Vorstand ‚angetreten‘ bin. Allerdings war mir wichtig, nicht den nächsten Band zur Digitalisierung zu kuratieren, sondern Zuspitzungen in Perspektivnahme aktueller Diskussionen in gesellschaftlicher Tragweite vorzunehmen. Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen kam ich bei den großen Sprachmodellen und den damit auch öffentlich verbundenen Umwälzungen an – und daran gewissermaßen auch gar nicht vorbei. Gerade die Diskussionen um Chatbots und ihnen eingeschriebene (Trainings-)Mechanismen brachten mich dazu, in der allerersten Sitzung des damals noch frisch zusammengesetzten DGfE-Vorstands das Thema zu pointieren – und zwar in Richtung von „Erziehungswissenschaft nach ChatGPT“. 

Bei dem Thema ist es geblieben und ich bin sehr froh, dass sich so viele Kolleg*innen aus der Erziehungswissenschaft und aus angrenzenden Disziplinen an der Ausgestaltung des Mitteilungshefts beteiligt haben. Allen voran möchte ich Burkhard Schäffer erwähnen, mit dem ich den Thementeil letzthin zusammen auf den Weg gebracht habe. Hinter uns liegen viele, durchweg anregende Diskussionen und Telefonate zur Frage, wie wir die Erziehungswissenschaft nach ChatGPT eigentlich selbst verstehen möchten und wie wir das kleine Wörtchen „nach“ meinen könnten. Nicht alle bilateralen Diskussionen konnten wir in unserer Einleitung hinterlegen, so mache Frage und avisierte Konsequenz aber doch. Mit Veröffentlichung des Hefts können unsere vorläufigen Überlegungen nun nachgelesen werden. 

Mit unseren einleitenden Worten wollten wir u. a. zeigen, dass es bereits zahlreiche Anschlüsse und inhaltliche wie auch methodisch gelagerte Diskussionen innerhalb der Sektionen der Erziehungswissenschaft gibt. So ist auch dieser Band von einer Vielfalt der Diskussionen gekennzeichnet: Er wirft Fragen von ChatGPT als Werkzeug für die (Erziehungs-)Wissenschaft ebenso auf wie ein Platzgreifen von Regimen. Es finden sich Beiträge zu konkreten Einflüssen auf Gegenstandsbereiche oder präzise Blicke auf tradierte Methoden und Optionen für ihre Weiterentwicklung. Deutlich werden damit auch die gewissermaßen typischen Herangehensweisen an ein uns alle betreffendes Thema – und das aus Sicht von vielen. Ich möchte daher an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen, den Kolleg*innen für ihre Beteiligung am Thementeil zu danken. Nur so konnte es gelingen, Fragen einer Erziehungswissenschaft ‚nach‘ ChatGPT in der Breite zu fokussieren. 

Im Zusammenhang mit der Themensetzung des Hefts kam es gelegen, dass die DGfE parallel mit der Überarbeitung ihrer forschungsethischen Prämissen befasst war und ist. So ist es uns gelungen, das Heft im Bereich der Debatten um diese sich anschließenden Themen noch anzureichern. Wie gehen wir als Erziehungswissenschaftler*innen mit dem Aufkommen künstlicher Intelligenzen und maschinellem Lernen um? Wie verändern diese unseren Alltag als Wissenschaftler*in bereits? Wie transparent geschieht all das und was lässt sich eigentlich noch genau mit Blick auf KI nachvollziehen? Im Sinne einer offenen Debatte und Kontroverse laden insbesondere zwei Beiträge zur Vertiefung der damit verbundenen Fragen für unser Fach ein.

Die Arbeit an diesem Heft hat mir wirklich große Freude bereitet, trotz oder gerade wegen des Tempos, das wir zwischenzeitlich aufgenommen haben. Klasse finde ich auch, dass alle genannten Beiträge einzeln wie auch gemeinsam auf den Seiten des Budrich-Verlags zur Verfügung stehen (hier geht’s nochmals zum Download). Die Texte tragen, das wäre meine mit dem Heft verbundene Hoffnung, nun allesamt zur weiterführenden Diskussion über Erziehungswissenschaft sowie zur Vertiefung einzelner Fragen nicht zuletzt im Kontext der Lehre bei. Ich wünsche allen daher eine angenehme Lektüre und freue mich auf vielfältige Anregungen zum gemeinsamen Weiterdenken!

Herzliche Einladung

… zur Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) zum Thema „Wissenschaftsfreiheit als Grundrecht und Grundpfeiler der Demokratie“!

Das Tagungsprogramm weist die Vielfalt aktueller Diskussionen rund um Wissenschaftsfreiheit aus. Es bewegt sich in der Schnittmenge erziehungswissenschaftlicher und demokratiepolitischer Fragen. Auf den Seiten der DGfE finden sich seit heute online weiterführende Informationen, auf die ich hiermit gerne verweisen möchte.

Zu den Eckdaten der Veranstaltung: Die Herbsttagung findet vom 28. November 2025 bis 29. November 2025 in Erkner bei Berlin statt. Eine Anmeldung ist ab sofort möglich.

„Anmerkungen zur (Un)Bestimmtheit von Bildung(stechnologien)“ 

Die einen oder anderen mögen es schon gesehen haben: Die Festschrift zu Ehren des Innsbrucker Kollegen Theo Hug ist mit interessanten Beiträgen jüngst erschienen (hier). In Perspektivnahme seiner Schriften habe ich zusammen mit Paula Goerke und Mendina Scholte-Reh auch einen Beitrag zum Band beigesteuert. Darin haben wir auf empirischer Basis den Versuch unternommen, frühere Arbeiten von Theo Hug (etwa um „Technologiekritik und Medienpädagogik“) an aktuelle Perspektiven auf eine Critical Education(al) Technology anzuschließen. Kurz: Zur (Un)Bestimmtheit von Bildung(stechnologien) etwas anzumerken. Damit gratulieren wir herzlich!

Goerke, P., Hofhues, S. & Scholte-Reh, M. (2025). Anmerkungen zur (Un)Bestimmtheit von Bildung(stechnologien). In G. Pallaver, K. Rummler, P. Missomelius, V. Dander, & O. Leistert (Hrsg.), Streifzüge an den Nahtstellen von Medien, Bildung und Philosophie (S. 129–146). OAPublishing Collective. (Artikel)

„Scheinbare Gewissheiten und notwendige Selbstverständigungen“ rund um Medienkompetenz und Medienbildung

Ob die Medienpädagogik ein Update braucht, fragt die neueste Ausgabe der merz-Wissenschaft. Die Frage regt zur Reflexion darüber an, was Medienpädagogik ist und im interdisziplinären Gefüge sein kann. Gerne verweise ich daher hier auf das Münchner Heft und wünsche bei der Gelegenheit auch viel Freude mit unserem Artikel, der – wie es im Editorial heißt – diese Frage einleitend bearbeiten würde. So zeichnen Eik Gädeke und ich unter der Überschrift „Medienpädagogik in einer datafizierten und plattformisierten Gesellschaft“ vor allem die Linien nach, entlang derer sich Konzepte von Medienkompetenz und Medienbildung einerseits entwickelt und andererseits im Diskurs gefestigt haben. Das ist schon allein deswegen interessant, weil der Diskurs insbesondere um Medienkompetenz von unterschiedlichen Erwartungen inzwischen auch überformt wird. Was macht das mit Medienpädagogik in einer datafizierten und plattformisierten Gesellschaft, wird ihr disziplinenbezogenes Wissen rund um zentrale Konzepte dadurch womöglich erst prekär?

Gädeke, E. & Hofhues, S. (2024). Medienpädagogik in einer datafizierten und plattformisierten Gesellschaft: Scheinbare Gewissheiten und notwendige Selbstverständigungen. medien + erziehung (merz) Wissenschaft. 6. 15-26.

Erschienen: Special Issue zum Thema „Studentische Partizipation“ der ZfHE 

Über das Jahr 2024 hat meine Kolleg*innen Peter Tremp (PH Luzern, Schweiz), Mandy Schiefner-Rohs (RPTU Kaiserslautern-Landau) und mich die Arbeit an einem Special Issue zum Thema „Studentische Partizipation“ für die Zeitschrift für Hochschulentwicklung (ZfHE) begleitet. Aufgrund sehr vieler Einreichungen wurde die Ausgabe geradezu zur Gemeinschaftsaufgabe und nicht zuletzt zur gemeinsamen Kraftanstrengung, die zuerst mit der Sichtung vieler Einreichungen begann, ihren Weg nahm über einen umfangreichen Begutachtungsprozess bis zur Heftform, die nun digital ebenso wie „gedruckt“ zugänglich ist. 

Inhaltlich interessant ist, wie studentische Partizipation in den jeweiligen Beiträgen hergeleitet und wie auch nach empirischen Zugängen zu Fragen von Partizipation an Hochschule gesucht wird. Interessant ist auch, wie Hochschulen als Organisation verhandelt werden und welche Rolle relationale Modelle von Organisation im handlungspraktischen Tun spielen. Ich denke, ich verrate nicht zu viel, wenn ich bezüglich praxistheoretischer Theorie-/Modellbildung rund um die Governance im Hochschulwesen (für einen Überblick über Education(al) Governance auch Langer & Brüsemeister, 2019) noch Leerstellen ausmache. 

Meinen Dank möchte ich allen Beteiligten aussprechen, der die vielen Autor*innen, die leider nicht zum Zuge kamen, sowie alle Gutachtende, die sich aufgrund des doppelt-blinden Begutachtungsverfahrens nicht nennen lassen, einschließt. 

Gern nutze ich schließlich die Gelegenheit, die aktuelle Ausgabe der ZfHE hier zu verlinken.