#Crossposting

Für den NewLearningBlog der FernUniversität in Hagen haben wir – Maike Altenrath, Noelle Diegel, Christoph Piske und ich – auf unseren Workshop bei der jüngsten Hagener Bildungskonferenz zur Frage nach der Verantwortung von Pädagog*innen im Kontext digitaler Daten zurückgeblickt.

Gerne verlinke ich unseren Beitrag hier, um eine breitere Öffentlichkeit für diesen Rückblick und für das (neue) institutionelle Blogangebot der FernUni zu erreichen.

Beitrag „Die Zukunft des Digitalen liegt im Hier und Jetzt“

Die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e. V. (BKJ) hat mich im zurückliegenden Jahr um einen Beitrag zur Zukunft der Digitalisierung gebeten, der nun vorzeitig online erschienen ist. Im Beitrag stelle ich einige „Überlegungen zur (Zukunft der) Digitalisierung und Digitalität“ an, die natürlich auch von der Corona-Gegenwart beeinflusst waren bzw. sind. In der journalistischen Kurzzusammenfassung heißt es dazu wie folgt:

„Als #wirbleibenzuhause zu einem sozio-medialen Hybrid wurde, bildete sich eine gesamtgesellschaftliche Gegenwart ab. Mindestens hier wird sichtbar: Digitalisierung und Digitalität sind gesellschaftliche und kulturelle Realität im Hier und Jetzt. Mehr noch: Deren Zukunft wird jetzt gemacht.“

Ich freue mich sehr darüber, dass der Beitrag nun vorab online zur Verfügung gestellt werden konnte. In Kürze soll er ebenfalls in einer Arbeitshilfe der BKJ erscheinen.

Quelle: Hofhues, S. (2021). Die Zukunft des Digitalen liegt im Hier und Jetzt. Überlegungen zur (Zukunft der) Digitalisierung und Digitalität. In BKJ-Arbeitshilfe. Online verfügbar unter: https://www.bkj.de/digital/wissensbasis/beitrag/die-zukunft-des-digitalen-liegt-im-hier-und-jetzt/ (26.03.2021)

We are hiring!

In meinem Team sind derzeit mehrere offene Stellen zu besetzen. Über Bewerbungen (vorzugsweise online/digital) freue ich mich!

Wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in „qualitative Sozial- und Medienforschung“, 75%, TV-L 13, befristet bis 31.01.2023
https://fernuni-hagen.hr4you.org/generator.php?jobkey=fqdI0SircBN8rQf6y01wTMvENIVcKP5wPShbSEzNCK8%3D&id=1290

Lehrkraft für besondere Aufgaben „Mediendidaktik unter Bedingungen von Digitalisierung und Digitalität“, 100%, entsprechend Entgeltgruppe 13 TV-L, befristet bis 31.03.2024
https://fernuni-hagen.hr4you.org/generator.php?jobkey=VN0y%2FzlWEniIqlMOUIw6h80EtfAipVthQE0MarXPg0c%3D&id=1287

Wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in „Praktikum“, 50%, TV-L 13, befristet bis 31.03.2024
https://fernuni-hagen.hr4you.org/generator.php?jobkey=WtNA9Y%2FLFxk4pIV3e6av1HoDaNE2frTfeqP%2BgFdekXg%3D&id=1289

Darüber hinaus suche ich 3 studentische Mitarbeiter*innen zur Mitarbeit in Forschung und Lehre. Die Ausschreibung findet sich unter: https://www.fernuni-hagen.de/arbeiten/stellenangebote/studentischehilfskraefte/index115777.shtml

Drei Beiträge – eine Diskussion über die Organisationswerdung von Universität und Hochschule zwischen Digitalisierung und Digitalität

In den letzten Tagen sind zwei Bücher erschienen, die mehr als einen Blick Wert sind: Zum einen ist die Neuauflage des Handbuchs Medienpädagogik von Uwe Sander, Friederike von Gross und Kai-Uwe Hugger online verfügbar, in dessen Rahmen ich zwei Beiträge beisteuern durfte. Zum anderen ist der Herausgeberband „Wie Corona die Hochschullehre verändert“ von Ulrich Dittler und Christian Kreidl eingetroffen, in dem Kai-Uwe Hugger und ich auf ein Seminarkonzept im von der Pandemie geprägten Sommersemester 2020 zurückblicken.  

a) Beiträge zu „Hochschule“ und „OER“ im Handbuch Medienpädagogik (Sander, von Gross & Hugger, 2021)

Im Klappentext zum Handbuch Medienpädagogik heißt es wie folgt: „Das Handbuch Medienpädagogik liefert einen fundierten und systematisch aufgebauten Überblick über Theorien, Forschung, Geschichte, gegenwärtige Diskussionspunkte und Handlungsfelder der erziehungswissenschaftlichen Teildisziplin Medienpädagogik. Mit der neuen Ausgabe ist ein vollständig aktualisiertes  und erweitertes medienpädagogisches Grundlagenwerk entstanden, das umfassend medientechnologische Entwicklungen und zukünftige Trends berücksichtigt.“ (aus dem Klappentext)

In der Tat finden sich gegenüber der Fassung von 2008 einige neue Artikel, Diskussionen und auch theoretische Rahmungen, die ins Handbuch aufgenommen wurden. Diese bilden meines Erachtens ab, wie sich die Medienpädagogik als Disziplin weiterentwickelt. Zugleich werden auch die unterschiedlichen Strömungen erkennbar, die Medienpädagogik im Diskurs immer wieder neu verhandelt. Dazu zählen neben der Erziehungswissenschaft sicherlich prominent die Kommunikationswissenschaft, aber auch die Soziologie, Medien- und Sozialpsychologie sowie weitere Bezugswissenschaften. 

In dieser interdisziplinären Gemengelage widmet sich auch mein Beitrag im Handbuch Medienpädagogik der Institution Hochschule. Soweit ich weiß (und recherchieren konnte), wird damit Hochschule erstmals in einem deutschsprachigen, medienpädagogischen Handbuch diskutiert und in Verbindung mit dem Verständnis von Institution gebracht. Gerade weil ich mich beim Schreiben des Beitrags gefragt habe, welcher Institutionenbegriff nicht zuletzt der Beitragseinladung zugrunde lag, führe ich zunächst eine spezifische Sicht auf Hochschulen als Organisation ein, ehe ich zu einer Systematisierung für die Medienpädagogik komme. 

Für die folgende Systematisierung habe ich mich am vierfachen Organisationsverständnis von Renate Mayntz orientiert, die – interessanterweise neben Krankenhäusern und Verwaltungseinrichtungen – Hochschule in ihren Ausführungen betrachtet hat. Zugleich werden bereits bei Mayntz Hochschulen als soziale Organisationen aufgefasst, was im Zusammenhang mit Medienpädagogik von besonderer Bedeutung ist. So grenzt sich dieses Verständnis von der bloßen betrieblichen Organisation u. a. von Medienpädagogik ab, bietet also die Chance, auch Medienpädagogik im Kontext ihrer Gemeinschaft(en) zu betrachten und die Sichtweise erlaubt Anschlüsse dahingehend, welche Rolle Menschen in Organisationen haben/einnehmen. Dazu müsste aber ein relationales (und eben kein instrumentelles) Organisationskonzept zugrunde gelegt werden, wie ich im Beitrag vorschlage. 

Obschon der Beitrag weit vor der Pandemie entstanden ist, ergeben sich doch mehrere Anschlüsse an die Diskussionen in der zurückliegenden Zeit: 

So stellt sich umso mehr die Frage nach der Relevanz, aber auch nach der Legitimation medienpädagogischen Handelns. In der Pandemie wurde vielfach sichtbar, dass Hochschulen über weite Strecken lediglich unter der Metapher des Betriebs bzw. der Organisation von Betrieb verstanden wurden – ich erinnere nur an Begrifflichkeiten wie Emergency Remote Teaching oder schlicht den Notbetrieb. Hier das eigene Verständnis von Hochschule zu prüfen, wäre allein schon deswegen von Bedeutung, weil es dann nicht um die Aufrechterhaltung von Betrieb, sondern vielmehr um die Frage ‚Was ist Universität?’ oder auch ‚Was ist Hochschule’ ginge. Auch daher gerät die Organisationswerdung von Universität und Hochschule in ihrer Historizität in den Blick.

Zur Pandemie passt letztlich auch der Beitrag zu Open Educuational Ressources (OER), den ich ebenfalls für das Handbuch Medienpädagogik verfassen durfte. Auch OER werden erstmals im Handbuch besprochen – als Diskussionsfeld der Medienpädagogik. Zum Zeitpunkt der Artikelproduktion stand also noch zur Debatte, inwieweit OER als Teil professionellen medienpädagogischen Handelns konzipiert werden können und sollen. Auch deswegen erläutere ich im Beitrag einmal mehr, was OER sind und welchen Beitrag Medienpädagogik mit ihren Akteur*innen in dieser Diskussion leisten könnte. Die zurückliegenden OERlabs dienen schließlich als Beispiel. 

In der Pandemie mag es nun ein fast zynisch klingen, wenn ich im Beitrag zeige, dass OER oft an (organisationalen) Optimierungsprozessen anknüpfen und dass Ungleichheiten durch OER eher verstärkt als abgemildert werden. Dass dieses ambivalente Bild von OER nämlich ziemlich genau zu dem passt, was derzeit in fast allen Bildungskontexten diskutiert wird, mag auch daran liegen, dass die Pandemie soziale (Problem-)Lagen nicht nur spiegelt, sondern in ihren Ausprägungen noch verdichtet. Diesen Aspekt werden mein Team und ich sicherlich auch in unserem Papier betonen, das dem BMBF im Zusammenhang mit der partizipativen Erstellung der OER-Strategie des Bundes am Ende dieser Woche zugehen wird. 

b. Blicke in den Band „Wie Corona die Hochschullehre verändert“ (Dittler & Kreidl, 2021)

Es bleibt der Blick in den Herausgeberband von Dittler und Kreidl, die inmitten des ersten Lockdowns mit einer Beitragsanfrage für ihr Buch „Wie Corona die Hochschullehre verändert“ auf mich zukamen und rasch erkannten, dass diese spezielle Zeit dokumentiert werden müss(t)e. 

Dabei stand für mich ‚damals’ weniger die Digitalisierung von Lehr-Lernangeboten im Vordergrund – meine Veranstaltungen waren ohnehin längst in Form von Blended Learning organisiert und mussten „nur“ noch in ein 100%-Online-Format überführt wurden. Auch diverse OER lagen zum Einsatz in Vorlesungen wie auch in den Seminaren vor. Doch eine Diskussion hat nicht nur mich, sondern den gesamten Arbeitsbereich Medienpädagogik in dieser Zeit beschäftigt: 

– Wie können Studierende eigentlich ihre mannigfaltigen Erfahrungen im Zuge ihres ersten Semesters in dieser bis dato nicht gekannten Form zum Teil ihres Studiums machen? 

– Welche Aufgabe und Verantwortung haben wir als Hochschullehrende, gesellschaftliche Entwicklung und Kernanliegen auch zum Gegenstand von Lehre zu machen? 

Mit diesem Blick haben Kai-Uwe Hugger und ich das Seminar „#Covid-19: Beobachtungen, Beschreibungen, Analysen und Reflexionen aus studentischer Sicht“ aus der Taufe gehoben. Mit dem Seminar geben wir zudem Einblick darin, wie Lehre aus lebensweltlicher Perspektive an aktuellen Gegebenheiten anknüpfen kann und warum sich hier eine besondere Passung von medienpädagogischen Anliegen und Universität ergibt. 

Zweifelsohne interessant ist auch nachzulesen, wie unterschiedlich das Sommersemester 2020 von den am Band beteiligten Kolleg*innen erlebt wurde und welche Aspekte sie in ihren jeweiligen Artikeln oder Interviews in den Fokus rücken. So wird meines Erachtens auch deutlich, dass organisationales Handeln mit der bereits genannten Aufrechterhaltung von Betrieb auf den üblichen Handlungsebenen von Hochschule adressiert wurde, die Pandemie aber gleichwohl Anforderungen an Hochschulen als Organisation stellte, die vermutlich erst weit nach der Pandemie umfassend sichtbar werden und abseits einer Semesterlogik oder einem Notbetrieb nur gemeinsam und querliegend zu den (betrieblichen) Handlungsebenen zu bewältigen sind. 

Literatur

Hofhues, S. (2021). Diskussionsfelder der Medienpädagogik: Open Educational Ressources (OER). In U. Sander, F. von Gross & K.-U. Hugger (Hrsg.), Handbuch Medienpädagogik. 2. vollständig aktualisierte, überarbeitete und erweiterte Auflage (S. 1-9, online first). Wiesbaden: Springer. (Artikel)

Hofhues, S. (2021). Institutionen der Medienpädagogik: Hochschule. In U. Sander, F. von Gross & K.-U. Hugger (Hrsg.), Handbuch Medienpädagogik.2. vollständig aktualisierte, überarbeitete und erweiterte Auflage (S. 1-9, online first). Wiesbaden: Springer. (Artikel)

Hofhues, S. & Hugger, K.-U. (2021). #Covid-19: Beobachtungen, Beschreibungen, Analysen und Reflexionen aus studentischer Sicht. In U. Dittler & C. Kreidl (Hrsg.), Wie Corona die Hochschullehre verändert (S. 281-292). Wiesbaden: Springer. (Artikel)

Auf Exkursion

In der Pfingstwoche bietet die Kölner Semesterplanung die Gelegenheit zu Exkursionen. Diese Möglichkeit wird auch rege genutzt, insbesondere für weite Konferenzreisen und den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, die nicht in Deutschland leben und arbeiten. Denn der Semestertakt zwingt letztlich dazu, kleine Nischen in Curriculum und Semesterferien für Austausch jeglicher Art zu verwenden. Nicht anders war es auch im Fall meines Kyoto-Aufenthalts, der seit längerem für eben diese Pfingstwoche geplant war und mich inzwischen in Erinnerungen schwelgen lässt. So verrate ich nicht zu viel, wenn ich sage, dass Japan zauberhaft und mitunter so widersprüchlich ist, dass die Diskussionen vor Ort viel Freude bereitet haben. Gleichzeitig ziehen sie Fragen westlicher Lesarten spezifischer Diskussionen nach sich, an denen sich letztlich auch ein hochentwickeltes Industrieland wie Japan orientiert. Aber von vorne.

UoC Mobility Grant

Als ich zu Jahresbeginn mein Bewilligungsschreiben für ein UoC Mobility Grant in Händen hielt, konnte ich es kaum fassen. Es würde in der Exkursionswoche tatsächlich nach Kyoto an die Kölner Partneruniversität Kyoto Sangyo University gehen. Die Überraschung und Freude war deswegen hoch, weil diese Stipendien rar sind und ausgehend von eigenen Forschungsthemen in der Kölner Exzellenzinitiative vergeben werden. Nun bin ich von Hause aus weder Ethologin noch ausgewiesen in der vergleichenden, erziehungswissenschaftlichen Forschung, sodass meine Frage nach der Studierendenschaft auch andere Auslegungs- und Bewertungsmöglichkeiten geboten hätte. Immerhin führten mich meine letzten Delegationsreisen in die USA verbunden mit Konsortien, die das US-amerikanische Bildungssystem in Bezug auf Grade der Digitalisierung prüfen wollten (siehe hier; hier). Meine Japanreise verfolgte nun einen gänzlich anderen Zweck: Mir geht es nicht um Grade der Digitalisierung, sondern darum, was Studierende mit Medien machen und wie selbstverständlich sie in und mit Medien interagieren. In Bezug auf derart gelagerte Fragen schien mir Japan – verbunden mit Städten wie Kyoto oder Tokio – ein besonders geeignetes Land.

21 Stunden wach
Japan liegt bekanntermaßen nicht gerade um die Ecke. Wenn ich richtig zurückgerechnet habe, dauerte es ca. 21 Stunden, um von Köln über München nach Osaka zu fliegen und vor Ort weiter nach Kyoto zu reisen. Es ist ja irgendwie auch logisch, dass es keinen Direktflug aus Köln in die älteste Stadt Japans gibt. Folglich ist eine solche Auslandsreise nicht nur schön und beeindruckend, sondern auch ein wenig anstrengend und geprägt von mehreren Wartezeiten, vielen Filmen und dem einen oder anderen Power nap. Über eineinhalb Ruhetage vor dem ersten Kennenlernen der Kolleginnen und Kollegen vor Ort war ich daher sehr froh, da zudem ein Zeitunterschied von sieben Stunden zu bewältigen war. Insbesondere der Sonntag bot zugleich die Gelegenheit, die Stadt ein wenig zu erkunden.

Dr. No(h)
Wer sich ein wenig mit Japan beschäftigt, weiß, dass es in dem Land nicht nur Technik zu entdecken gibt, sondern auch Jahrtausende alte Traditionen wie das Noh-Theater. Das Noh-Theater ist auch deswegen so spannend, weil es außenstehend fast nicht zu verstehen ist. Es ist derart kulturell geprägt und aufgeladen, dass es sich nur einer spezifischen Gruppe erschließt. In einem Workshop an der Kunsthochschule haben wir dann in einer kleineren Gruppe versucht, das Noh-Theater sowie verwandte Aufführungsformen zu verstehen. Ein Unterfangen, das für zwei Stunden definitiv (zu) anspruchsvoll war. Sprachbarrieren kommen hinzu, wenn sich in Textbüchern, Regieanweisungen etc. Zeichen und Symbole finden, die sich nur mit direkter Übersetzung erschließen. Hierfür nachträglich ein großer Dank an unseren Host an der Kyoto Sangyo Universität, der stets zwischen Deutsch, Englisch und Japanisch hin- und hergesprungen ist, um Verständigung zu ermöglichen.

FabLab Osaka
Einen völlig anderen und aus meiner Sicht weit bekannteren Eindruck vermittelte das FabLab in Osaka, das sich in einem Hinterhof in Hafennähe befand und als sozial- bzw. gesellschaftskritisches Projekt von einer Künstler*innengruppe entstanden ist. Das FabLab ist in unmittelbarer Nähe einer Schreinerei lokalisiert. Dies führt zu praktischem Austausch und nicht zuletzt zu einer Menge von Spänen und Staub. Vor Vortragsbeginn über das Feature als journalistisch-mediale Form mussten wir uns daher erst einmal Platz schaffen.
Im FabLab stand dann der Austausch vorwiegend mit Musikwissenschaftler*innen im Fokus, was daran lag, dass ich zusammen mit meinem Kollegen aus der Musik die Japanreise angetreten habe. Folglich drehte sich auf der Reise viel um Medien, aber nicht unbedingt aus der Perspektive, wie sie aus dem E-Learning (vermeintlich) bekannt ist. Stattdessen haben wir kulturwissenschaftliche Perspektiven aufgenommen und über unterschiedliche Medienbegriffe, theoretische Zugriffe, praktische Formate sowie Formen der Vermittlung stets vergleichend zwischen Japan/Deutschland diskutiert.

Industrieuniversität
In Kyoto gibt es, schenkt man der Wikipedia Glauben, insgesamt ca. 40 Universitäten. Ich habe keinen Überblick, wie viele Universitäten bzw. Hochschulen Städte wie Köln, München oder Hamburg aufweisen, meine Vermutung ist allerdings, dass diese Zahl nicht erreicht wird. Die Universitäten weisen dabei ein sehr unterschiedliches Spektrum auf und eine Unterscheidung nach Hochschultyp, wie sie bei uns gängig ist, gibt es dort im Grunde nicht. Gleichwohl wurde uns berichtet, dass wir an einer privaten Industrieuniversität zu Gast sind. Die Übersetzung des Hochschulnamens finde ich deswegen so interessant, weil er aus meiner Sicht sehr gut wiederspiegelt, wie das Japanische Hochschulsystem zu verstehen ist. Es geht vorwiegend darum, Menschen in Arbeit zu bringen – und die Übergänge in die Arbeit als Hochschule zu gestalten.
Die Zeit in Kyoto war zu kurz, um alle Facetten dieser (Ziel-)Orientierung zu durchblicken und vor allem auch staatliche Universitäten besser kennenzulernen. Mir scheint aber doch, dass durch die Orientierung an Arbeit die Strukturen des Studiums enger sind und die Möglichkeiten, sich im Studium praktisch auszuprobieren, verbreitet sind. Auch auf Netzwerkbildung im Studium wird geachtet, indem beispielsweise zentrale Anlaufpunkte gezielt initiiert werden. Eine wichtige Rolle spielen darin Sprachen und die Bibliothek.
Aus medienpädagogischer Sicht hat mich nicht zuletzt gefreut, dass über die Mittagszeit das studentische Radio erklang. Allerdings ist die tägliche Sendezeit auf 30 Minuten begrenzt.

Klangwelten
Aus anderen Ländern lassen sich zahlreiche Eindrücke mitnehmen, wobei mir ein Aspekt deutlich im Gedächtnis geblieben ist: die Klangwelt(en). So werden öffentliche Räume nicht nur mit vielen Informationen ausgestattet, sie werden auch in Form von Ansagen und/oder Musik dargeboten. An diese Klangwelten gewöhnt man sich schnell, aber es ist für unsere Ohren doch einigermaßen ungewöhnlich, weithin beschallt zu werden. Dies zeigt sich in Kaufhäusern ganz besonderes. Darin spielt beinahe jede Abteilung andere Bänder ab. Fasziniert habe ich daher die Menschen beobachtet, wie sie sich in diesem Rahmen orientiert haben, während wir uns geradezu angestrengt auf eine Beobachtung konzentriert haben. Ein völlig anderes Bild vermittelte die Stimmung in den Tempelanlagen: Hier wurde durch Stille Kraft für den Alltag getankt.

Wie weiter?
Ein paar Tage später bin ich nun wieder im Kölner Unialltag angekommen und andere Aktivitäten und Aufgaben liegen vor mir. U.a. findet in der kommenden Woche die Tagung des Intermedia-Studiengangs statt, die noch vorbereitet werden will (zur Tagungswebseite). Neben den Eindrücken habe ich aber auch Datenmaterial mitgebracht, um das ich mich in den Semesterferien kümmern werde. U.a. habe ich eine Gruppendiskussion mit japanischen Studierenden durchgeführt, die mich vor allem zu methodischen Fragen im kulturellen Kontext führen wird. Daneben konnten wir die Intensivierung des Austauschs zwischen dem Studiengang Medienkommunikation, Sprachenstudiengängen sowie Intermedia verabreden. Im direkten Gespräch entstehen doch mehr Ideen, als sie sich auf dem Reißbrett entwickeln und hier dokumentieren lassen.

Rückblick: Sektionstagung Medienpädagogik

Vor ein paar Tagen fand in Bremen die Sektionstagung Medienpädagogik in der DGfE (= Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaft) statt. Das Tagungsthema lautete Medienpädagogik in Zeiten einer tiefgreifenden Mediatisierung (zum Tagungsprogramm). Mit der Fokussierung wurde aus meiner Sicht dem Tagungsort Bremen Rechnung getragen. Immerhin steht Mediatisierungsforschung dort seit Jahren im Mittelpunkt und Mediatisierung als Phänomen, Gegenwartsdiagnose bzw. schlicht ‚Dauerbrenner’ wird vor Ort in Projekten und interdisziplinären Zusammenhängen theoretisch reflektiert wie auch empirisch untersucht.

Auf die Tagung blicke gerne zurück, etwa wegen der sehr engagierten (Auftakt-)Keynote, die die politische Dimension der Medienpädagogik nicht nur betont, sondern mit Blick auf politische Entwicklungen absichtsvoll stark gemacht hat. Nicht zuletzt deshalb hat Shakuntala Banaji als Keynote-Speakerin auch auf das anglo-amerikanische Citizenship-Konzept verwiesen, das hierzulande oft als bürgerschaftliches Engagement übersetzt wird. Mein Eindruck ist, dass die gegenwärtige Diskussion über Citizenship evtl. einen Schritt weiter gehen könnte als jene, die ich vor Jahren im Zuge meiner Dissertation kennengelernt und dann mit Bezug zu einem Projekt näher in den Blick genommen habe. Folgt man Shakuntala Banaji, können (medien-)pädagogische Maßnahmen nämlich ohne gesellschaftlichen Bezug nicht stattfinden; ein solcher gesellschaftlicher Bezug erfordert jedoch auch eine normative Debatte darüber, wohin sich Gesellschaft oder ihre Teilbereiche bewegen sollen.

Angesprochen sind damit durchaus auch kommunikative Figurationen, wie diese später bei Andreas Hepp analysiert und als Wesensmerkmal einer tiefgreifenden Mediatisierung herausgestellt wurden. In diesem Zusammenhang sind auch seine drei Thesen zur Re-Figuration durch tiefgreifende Mediatisierung zu sehen, wenngleich über das Adjektiv ‚tiefgreifend‘ weiter zu diskutieren ist. So ist der Hinweis zur Veränderung sozialer Praxis durch Medien unabhängig von konkreten Medienentwicklungen m.E. bereits in älteren Mediatisierungstheorien eingelagert. Der inhärente Widerspruch der Gestaltung, der sich auf unterschiedlichen Ebenen durchaus in beiden Keynotes findet, wurde im Plenum nicht weiter debattiert, drängt sich aber unter Bezugnahme auf Subjektivierungstheorien auf. Konkret: Wie gestalte ich meine Medienwelt? Wie gestalten Medienwelten mein Leben (mit)? Und welche Gestaltung (von Welt) habe ich (noch/wieder) in der Hand?

Schön für mich, im Kontext einer Sektionstagung aber (noch) ungewöhnlich waren die Tracks zur Erwachsenenbildung (in Kombination mit der Lehrer*innenbildung) und der Beruflichen Bildung, sodass auch Erwachsene als (mögliche) Zielgruppe der Medienpädagogik/-didaktik weiter in den Blick genommen wurden. Einen Aufriss zur Diskussion stellt hier sicherlich auch unser Beitrag zu „Ambivalenzen medienpädagogischer Erwachsenenbildung“ dar, welcher unterschiedliche Begründungsnarrative und -widersprüche zwischen Subjekt/Medien/Organisation fokussiert hat. Mit dem Beitrag wollten wir absichtsvoll keine Antworten liefern, sondern zur Diskussion mit den Teilnehmenden anregen. Das Diskussionsprotokoll wird gerade noch erstellt und kann – bei Interesse – angefragt werden.

In einem ähnlichen Zusammenhang sehe ich auch den Beitrag zum BMBF-geförderten #ko.vernetzt-Projekt, der Einblick in die Konzeption, das Untersuchungsvorhaben sowie erste Ergebnisse geben sollte. Diskutiert wurde u.a. über die Zusammenführung unterschiedlicher Ergebnisse und über methodologische Zugriffe auf das Feld – auch vor dem Hintergrund einer Förderlaufzeit von drei Jahren. Nach und nach werden wir Projektergebnisse sicherlich veröffentlichen; wer sich zwischendurch einen Eindruck verschaffen möchte, kann dies u.a. in einem (kurzen) Artikel in der Zeitschrift berufsbildung (Heft 171) tun oder bei Twitter nachlesen, wo die Tagungsbeiträge fast lückenlos dokumentiert sind. Dafür – und für vieles weitere – vielen Dank an die Tagungsausrichter*innen rund um Karsten D. Wolf.

Artikel: Leitideen in der medienpädagogischen Erwachsenenbildung

Seit wenigen Wochen ist die neue Ausgabe der Zeitschrift Medienpädagogik zum Zusammenhang von Medienpädagogik und Erwachsenenbildung online. Das Thema des Hefts finde ich wichtig, weil medienpädagogische Fragen für mich nicht auf jugendliche Zielgruppen beschränkt sind, im Gegenteil: Gerade durch die aktuellen Umwälzungsprozesse in Arbeit, Kultur und Gesellschaft ist Medienpädagogik mehr denn je gefragt, sich um alle Zielgruppen und damit auch um Erwachsene mit ihren spezifischen Bildungsinteressen und -bedarfen zu kümmern. Herausfordernd dafür ist sicherlich, das Spezifische der Medienpädagogik mit Erkenntnissen in der Erwachsenenbildung zu verbinden. Diesen Versuch haben Christian Helbig und ich nun mit einem Beitrag unternommen, indem wir Leitideen der Medienpädagogik explizieren und diese in Bezug setzen zu medienbezogenen Annahmen und Projekten in der Erwachsenenbildung. Wir sehen den Beitrag als Beitrag zur Diskussion und freuen uns daher, wie so oft, auf Feedback und Hinweise jedweder Art. Aber auch die anderen Beiträge versprechen einen umfassenden Einblick in die Diskussion, die angesichts der genannten Umwälzungsprozesse in Zukunft sicherlich weiter zu führen ist.

Helbig, C. & Hofhues, S. (2018). Leitideen in der medienpädagogischen Erwachsenenbildung: Ein analytischer Blick. MedienPädagogik 30 (Themenheft ‚Medienpädagogik und Erwachsenenbildung’), 1-17.

Still, aber nicht untätig

In letzter Zeit ist es still geworden auf dem Blog – erstmals seit 2007 – und das hat einen einfachen Grund: Die drei zeitgleich gestarteten, BMBF-geförderten Forschungs- und Entwicklungsprojekte sowie damit zusammenhängende Teamentwicklungsprozesse erfordern derzeit meine Aufmerksamkeit. Ich bin in der Zwischenzeit also nicht untätig, im Gegenteil:

Einblick in ein erstes Projektergebnis aus dem You(r) Study-Verbundforschungsprojekt bieten jetzt bspw. unsere systematischen Reviews zu digitalen Lerninfrastrukturen, zu mediengestützten Lehr-/Lernszenarien sowie zur Mediennutzung Studierender. In den Reviews haben die unterschiedlichen Projekt-Beteiligten den Forschungsstand, so er für die nächsten Schritte im Projekt relevant ist, aufgearbeitet. Inhaltlich sind die Ergebnisse auch außerhalb von You(r) Study interessant, weswegen sie seit einigen Tagen unter freier Lizenz auf dem You(r) Study-Blog verfügbar sind. Auf dem Blog schreiben wir als Verbundprojektteam übrigens auch über weitere Aktivitäten rund um das Projekt. Vorbeisurfen oder abonnieren lohnt sich also.

Apropos Blog: Auch in den OERlabs tut sich sukzessive etwas, u.a. berichten wir in regelmäßigen Podcasts über offene Handlungspraktiken, die nach aktuellem Stand so schwer in Textform zu fassen sind. Zudem findet in Kürze der erste Multistakeholder-Dialog an der Universität zu Köln sowie an der TU Kaiserslautern statt, um mit vielen Beteiligten über Medienbildung in der Lehrer*innen(aus-)bildung ins Gespräch zu kommen. Dazu werden wir mit Utopien (von Schule) starten und uns nach und nach Fragen der Ermöglichung von Medienbildung, bestehenden Annahmen und medienbezogenen Routinen sowie (hoch-)schulischen Strukturen zu widmen.

Das geschieht in #ko.vernetzt übrigens auch, allerdings vor dem Hintergrund einer erwachsenenbildnerischen Perspektive der Förderung von Medienkompetenzen. Aktuellen Einblick bietet eine Präsentation (Download PDF), die für die Tagung Berufsbildung 4.0 der AG BFN entstanden ist.

Mit You(r) Study in Berlin #digiZeit17

Vor gut drei Monaten ist unser You(r) Study-Projekt in der Förderlinie „Forschung zur digitalen Hochschulbildung“ des BMBF an den Start gegangen. Mit dem Projekt verfolgen wir, d.h. Sandra Aßmann, Taiga Brahm, Mandy Schiefner-Rohs, alle wissenschaftlichen Mitarbeitenden und ich, das Ziel, das Medienhandeln von Studierenden zu erforschen. Wir gehen dabei von der Prämisse eigensinnigen Medienhandelns von Studierenden aus und wollen untersuchen, wie und vor allem warum sich Medienhandeln von Studierenden (nicht) ergibt. Um das Medien- und nicht zuletzt Studierendenhandeln zu rekonstruieren, nutzen wir unterschiedliche Verfahren und Instrumente empirischer Sozialforschung. Wenn man so will, zeichnet das Projekt ein Oszillieren zwischen Methoden und Methodologien aus, wie es u.a. Schlömerkemper von pädagogischer Forschung mit ihrem spezifischen Erkenntnisinteresse einfordert.

Das vergleichsweise aufwendige und in Teilen offen gehaltene Design ist es sicherlich auch, das vor Ort in Berlin bei der Fachtagung des BMBF zu „Hochschulen im digitalen Zeitalter“ die meisten Fragen erzeugt hat. So wurden die Projektkoordinatorin Antonia Weber und ich als Projektleitung nicht nur während der Postersession oft gefragt, wie wir uns die qualitativen Arbeiten im You(r) Study Lab vorstellen und mit welchen Zielgrößen wir hier arbeiten. Wir kamen in vielen Gesprächen an den Punkt, wo Grundannahmen über Hochschul-, Medien- und Bildungsforschung deutlich wurden, die das eigene Erkenntnisinteresse zu leiten scheinen – nicht umgekehrt.

Angesichts des vorliegenden Wissens über Medien(-einsatz) in der Hochschule/Lehre ist das nicht ganz überraschend: Insbesondere die vielen existierenden Konzepte zum Einsatz von Medien in der Lehre führen zu einem gesteigerten Interesse daran, die Wirksamkeit einzelner Szenarien in (eher) testenden bzw. vergleichenden Verfahren zu untersuchen. Die Annahmen in Bezug auf Medien und ihren Nutzen in der Lehre sind dabei klar: Es wird erstens davon ausgegangen, dass Lernen mit digitalen Medien – im Vergleich zum Lernen ohne digitale Medien – einen Unterschied macht. Implizit wird zweitens davon ausgegangen, dass Medien Lernerfolge per se sicherstellen würden. An diesen Grundannahmen zeigt sich meines Erachtens sehr deutlich, an welchem Scheideweg sich Mediendidaktik aktuell befindet: So kann man den über Jahre gezeichneten Weg der Disziplin weiter verfolgen – man bleibt der Forschung in der Disziplin damit sozusagen treu. Gleichzeitig muss die Frage zugelassen werden, inwieweit die genannten Grundannahmen aktueller Medienkultur überhaupt entsprechen und ob sie nicht aus einer Zeit stammen, in der noch in digital und analog unterschieden werden konnte.

Ich verstehe die unterschiedlichen geförderten Projekte daher auch als Ausdruck einer Suchbewegung, in welche Richtung sich Hochschul-, Medien- und Bildungsforschung entwickeln könnte. Insbesondere hoffe ich auf Antworten zu methodologischen Fragen, denn: Wie sich in unserem Projekt-Workshop II unter Beteiligung der Projekte OpenTeach, FLIPPS, ActiveLeaRn, LearnMap und QuaSiD richtigerweise herausgestellt hat, haben nicht wenige Akteur*innen ein Interesse daran, die bestehenden Erkenntnisse zu Medien an der Hochschule zusammenzuführen und aufzuspüren, wie sich Inhalte und Methoden integrieren lassen bzw. welchen Stellenwert Forschungsparadigmen bezogen auf das jeweilige Erkenntnisinteresse haben. Fast schon eine logische Konsequenz ist, die (offene) Frage nach der Gestaltungs- bzw. Entwicklungsorientierung auf’s Tableau zu führen, sollen Befunde nicht nur zur empirischen Forschung, sondern auch zur konkreten Hochschulentwicklung beitragen. Als anregend erwies sich beispielsweise die Frage danach, was an der Hochschule eigentlich ein Befund sein kann und soll.

Apropos Befund: Ich nehme aus Berlin mit, dass viele Projekte nach wie vor Studierende lieber beforschen als mit ihnen zu forschen. Auch hierin zeigen sich Grundannahmen bezogen auf Medien, Didaktik und Lernen – über den primär methodisch orientierten Paradigmenstreit hinaus.

Aus der Geschichte lernen #jfmh17

Das Junge Forum Medien und Hochschulentwicklung 2017 an der Universität Hamburg liegt schon wieder ein paar Tage zurück. Doch die Eindrücke wirken nach, nicht zuletzt weil die Podiumsdiskussion zur Geschichte und zum Verbleib des Jungen Forums viele Gespräche dazu angeregt hat, warum wir das JFMH im Jahr 2012 als Kooperation des MA-Studiengangs „Higher Education“ der Universität Hamburg sowie der wissenschaftlichen Fachgesellschaften dghd und GMW initiiert haben. Entsprechend hieß das JFMH zunächst auch JFHM: Junges Forum Hochschul- und Mediendidaktik. Erst im zweiten Jahr der Durchführung kamen die beiden weiteren Fachgesellschaften, die Sektion Medienpädagogik der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft und die Fachgruppe E-Learning der Gesellschaft für Informatik, hinzu und der Name wurde für die zweite Tagung an der Universität Potsdam angepasst.

Im Jahr 2012 war für uns von zentraler Bedeutung, einen physischen Ort für Austausch für Mitarbeitende von Universitäten und Hochschulen zu schaffen, die sich wissenschaftlich und praktisch mit Fragen von Hochschul- und Mediendidaktik beschäftigten. Die erste Veranstaltung fiel dabei genau in die Anfangszeit des Qualitätspakts Lehre, in dessen Zuge viele neue Stellen im „Third Space“ geschaffen wurden (zur Diskussion siehe bspw. die frühere Ausgabe der ZfHE). Gerechnet haben wir mit dem sehr großen Zuspruch damals nicht:

Eigentlich dachten wir an ein Summer School-ähnliches Format, das für jegliche Fragen des Nachwuchs zwischen Wissenschaft und Praxis in der Hochschul- und Mediendidaktik zur Verfügung steht. Dass sich dann im Jahr 2012 ca. 120 Personen zur Tagung angemeldet haben und aus der Idee ad hoc ein lebendiges Tagungsformat wurde, war zwar sehr schön, aber nicht Teil eines lange ausgeklügelten Plans (siehe meinen damaligen Blogbeitrag). Der große Zuspruch von damals führt aber sicherlich bis heute dazu, dass das Junge Forum Medien und Hochschulentwicklung zu einem Ort geworden ist, an dem der Nachwuchs im genannten Themenfeld diskutiert und Erwartungen in Richtungen einer Tagung mit entsprechenden Inhalten und Formaten bestehen.

Die eingeschliffenen Routinen in Richtung einer Tagung sind es aber auch, die mich seit einiger Zeit zum Nachdenken anregen:

  • Einerseits halte ich es für sehr wichtig, dass die jeweiligen Ausrichtenden zusammen mit den Nachwuchsverantwortlichen der Fachgesellschaften ein Format kreieren, das gemeinsam entstanden ist und hinter dem alle stehen. So wurde auch in diesem Jahr wieder eine sehr schöne Tagung kreiiert, dessen Teil ich sehr gerne war (Danke an Anna und Franziska für die Ausrichtung!).
  • Andererseits nehme ich wahr, dass das JFMH als Tagung mitunter als „gegeben“ hingenommen wird. Dies ist ein eindeutiges Zeichen dafür, dass es sich in einem Verstetigungsprozess befindet. Vor allem nehme ich an, dass die breite Akzeptanz der Teilnehmenden ein permanentes Hinterfragen der Veranstaltung geradezu verhindert. Trotzdem halte ich es für wichtig, sich dieser Diskussion zu stellen, um das JFMH (wieder) als Veranstaltung für den Nachwuchs zwischen Wissenschaft und Praxis zu konzipieren.

Damit einher geht, sich zu überlegen, wie die Relation von Wissenschaft und (hochschulischer) Praxis eigentlich beschaffen ist und welche Erfahrungen Teilnehmende des JFMH in die Veranstaltung einbringen können. So schätze ich seit dem ersten Zusammentreffen in Hamburg, wie Teilnehmende des Jungen Forums miteinander umgehen und wie wertschätzend Diskussionen ausfallen können, sollten sie teils auch kritisch geführt werden. Ich versuche daher abschließend drei Anforderungen zu formulieren, die meines Erachtens zur Weiterentwicklung des JMFH und zur Überwindung von Routinen beitragen könnten. Über eine kritische Diskussion würde ich mich freuen.

Wie könnte sich das JFMH weiterentwickeln?

Anforderung 1 wäre für mich, Teilnehmende künftig wieder mehr als „Ressource“ in die Veranstaltungskonzeption einzubinden. Handlungsleitend könnte dafür das Motto sein: Jede/r bringt wertvolle Erfahrungen zwischen Wissenschaft und Praxis ein und wird dazu angeregt, diese auf dem JFMH zu teilen. Dies schließt meines Erachtens nicht aus, berufs- und forschungserfahrene Personen gezielt zum Erfahrungsaustausch einzuladen.

Anforderung 2 ergibt sich aus der Entwicklung in Richtung einer Tagung: So galt bisher das Motto, wer Interesse hat, darf selbstverständlich an der Veranstaltung teilnehmen (unabhängig vom Alter oder anderen Kriterien, wie sie im Zusammenhang mit dem „Jungen Forum“ definiert werden könnten). Ich halte es dennoch für wichtig, nach den Erfahrungen der letzten sechs Tagungen eine Schärfung vorzunehmen. So wird das JFMH meiner Meinung nach nicht nur für Fragen des inhaltlichen Austauschs benötigt, sondern insbesondere als Ort für solche Fragen, die üblicherweise an der Heimathochschule oder im Arbeitszusammenhang nicht gestellt werden. Es sollte beispielsweise erlaubt sein, über eigenes Nicht-Wissen zu sprechen und auf dem JFMH Tipps zu erhalten, wie man mit diesem Nicht-Wissen umgehen kann – idealerweise schließen sich Workshops zum Thema an. Auch halte ich für bedeutsam, Themen wie Methodenstreit, Forschen und Arbeiten im interdisziplinären Zusammenhang sowie Werdegangsoptionen in einer sonst nicht vorgefundenen Konsequenz zu bedienen.

Anforderung 3 resultiert aus dem vorher Skizzierten: Meiner Meinung nach liegt die Stärke des JFMH im „Dazwischen“, indem vorwiegend Phänomene adressiert werden und nach Beiträgen dazu aus unterschiedlichen Disziplinen sowie an den Schnittstellen von Wissenschaft und Praxis gefragt wird. Thematische Setzungen der Tagungen verleihen hier nur vordergründig Orientierung, will man eigentlich an den Rändern und Grenzen von Disziplinen über Fragen von Medien und Hochschulentwicklung diskutieren.