„Lust oder Frust?“ Dokumentation der 10. GEW-Wissenschaftskonferenz

Unter dem Titel „Lust oder Frust? Qualität von Lehre und Studium auf dem Prüfstand“ ist dieser Tage die Dokumentation der 10. GEW-Wissenschaftskonferenz erschienen (Download .pdf). Deutlich wird die Spannweite der Diskussionen über Studium und Lehre, wie sie viele aus ihrer täglichen Arbeit an Hochschulen kennen und begleiten. Daher bietet die Dokumentation sicherlich einen hilfreichen Einblick über gewerkschaftliche Positionen hinaus. Ich selbst habe einen Beitrag zur Digitalisierung an Hochschulen beigesteuert, der in aller Kürze diesbezügliche Diskurse benennt und in Ansätzen auch zusammenführt.

Vorbild Pusteblume #LehreN

Das aktuelle Papier des Wissenschaftsrats zu „Strategien für die Hochschullehre“ hat bereits viele Stimmen und Einschätzungen aus unterschiedlichen Fachperspektiven ausgelöst. Jetzt meldet sich auch das Netzwerk LehreN zu Wort, das seit einigen Tagen Statements der Fellows sammelt und sukzessive öffentlich zur Verfügung stellt. Ganz gleich, wie man das neue Papier nun findet: Die Diskussion über Lehre ist in jedem Fall eine Bereicherung für die deutsche Hochschullandschaft, die sich nach wie vor so schwer tut mit der sich professionalisierenden Lehre. Auf diesem Weg mache ich daher gerne etwas Werbung für die Statements aus dem Netzwerk, die auf der Webseite mit dem schön-doppeldeutigen Namen „Vorbild Pusteblume“ seit einigen Tagen online sind.

Sommersemester und Sendepause

Mit dem Zurückdatieren von Beiträgen habe ich es nicht so. Aber eigentlich wäre es dafür an der Zeit, denn: Das Semesterende liegt inzwischen zwei Wochen zurück. Dennoch will ich an dieser Stelle eine kurze Notiz zum Sommersemester hinterlassen, war es doch für mich ein abwechslungsreiches zweites Semester in Köln. Gerade die Lehrveranstaltungen haben mich in diesem Semester herausgefordert. U.a. galt es, zwei komplexe inhaltliche Überlegungen ins Korsett einer semesterweisen Lehrveranstaltung zu gießen und zu planen. Herausgekommen sind eine problem- und eine forschungsorientierte Veranstaltung. Beide mit Fokus Medien, klar.

Die Seminare hätten unterschiedlicher kaum ausfallen können, da in der problemorientierten Variante primär offene Bildungsressourcen (OER) produziert werden sollten. Das Setting war entsprechend so angelegt, dass am Ende „etwas rauskommt“ (siehe OER-Blog). In der forschungsorientierten Veranstaltung ging es darum, eigenen Forschungsfragen innerhalb zweier (formaler und informeller) Kontexte nachzugehen (siehe Kontexte-Blog). Das Ende war hier, wenn man so will, offen: Natürlich kann ich Forschungsergebnisse nicht in gleicher Form vordefinieren, wie dies bei Medienprodukten der Fall ist. Dennoch haben beide Lehrveranstaltungen eine Gemeinsamkeit: Sie haben Studierende dazu angeregt, sich selbst Gedanken zu machen, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen und ihre Ergebnisse selbst zusammenzustellen und schließlich zu präsentieren. Kein Wunder, dass es für viele Studierende im OER-Seminar als riesige Wertschätzung empfunden wurde, dass gleich sechs Jury-Mitglieder „für sie“ zu Gast waren. Dass mir solche Veranstaltungen mit anderen auch viel Spaß machen, sei nur nebenbei bemerkt. Ein großer Dank daher an alle Mitwirkenden.

Auch sonst laufen die Aktivitäten in Köln langsam an. Projekte und Projektvorhaben mehren sich genauso wie die internen Aufgaben. Aber das ist auch ganz normal, denn die „Schonfrist“ des ersten Semesters ist lange passé. Besonders freue ich mich daher, dass ich im Sommersemester viele weitere Kolleg*innen kennenlernen konnte und sich so manche Idee für Kooperationen ergeben hat – nicht zuletzt im Forschungskolloquium Medienpädagogik, das ich grandios fand und wo ich auf Weiterführung mit den Kolleg*innen der TH hoffe.

Ganz praktisch werde ich ab dem nächsten Semester an der Universität zu Köln u.a. die Online-Vorlesung Unterrichten übernehmen, die – unter mediendidaktischen Gesichtspunkten – einer dringenden Rekonzeption bedarf. Grund hierfür ist die Abschaffung der Anwesenheitspflicht in Köln/NRW, die massive Auswirkungen auf Prüfungen bzw. erlaubte Assessmentformen hat. Aktuell werden noch zwei Artikel finalisiert, bis ich dann endlich in die Sommerpause gehen darf.

Mit der GMW’16 melde ich mich Ende August aus Innsbruck zurück. Bis dahin habe ich (vielleicht ;-)) auch den Tagungsband gelesen.

Immer einen Plan B zur Hand #innolehre

Mal fällt spontan der Beamer aus, wie beim Symposium zu Innovationen in der Lehre an der Universität zu Köln (Programm-Flyer). Mal möchte die Blogfarm nicht, wie ich es für meine aktuellen Seminare gerne hätte. Beides zeigt exemplarisch, was im Kontext von (digitaler) Lehre besonders wichtig ist: nämlich immer einen Plan B zur Hand zu haben. Beim Symposium bestand dieser in der vorgezogenen Pause, um der internen Vernetzung von Lehrenden besonders viel Raum zu geben, vor allem aber das Beamer-Problem zu lösen. Im Seminar poste ich stellvertretend für die Studierenden ihre Blogbeiträge, was nicht ganz im Sinne der Erfinderin ist. Immerhin erhalten die Studierenden so aber Einblick in die Arbeitsstände der anderen Gruppen, was Ziel der Aufgabe der Berichterstattung war/ist. Wim Gijselaers von der Universität Maastricht sprach in seiner Keynote übrigens auch von der Notwendigkeit eines Plan Bs: Mit der Lehre sei es ähnlich wie mit der Deutschen Bahn. Man verfolge einen Plan und doch komme es zu Verzögerungen. Auch wenn an der einen oder anderen Stelle die Analogie mit der Bahn hinkte (z.B. als es um die Zweiklassengesellschaft in Bezug auf Präsenz- und Online-Lehre ging), funktionierte sie für den Vortrag und das Symposium prächtig. Im Verlauf des Nachmittags bis zur anschließenden Podiumsdiskussion wurde sie immer wieder bemüht oder dankend aufgegriffen.

Semesterbeginn #UzK

Seit zwei Wochen laufen die Veranstaltungen des Sommersemesters. Ich selbst biete im SoSe zwei Lehrveranstaltungen in der grundständigen Lehre der Universität zu Köln (UzK) an. Ausgehend vom interdiszipilinären Bachelor- (und bald Master-) Studiengang Intermedia sind diese Veranstaltungen auch für andere Studiengänge geöffnet (z.B. Erziehungswissenschaft, Frühförderung, Bildungswissenschaften). Kern beider Veranstaltungen sind ‚typische‘ mediendidaktische Herausforderungen und Probleme:

  • Die eine Veranstaltung nimmt speziell die Gestaltung und Produktion digitalen Lernmaterials in den Blick, wobei mir die Diskussion über und mit OER in diesem Seminar besonders wichtig ist. So ist Ziel der Veranstaltung, sich kritisch mit der gegenwärtigen Lernmaterialgestaltung auseinanderzusetzen, die OER-Debatte in Bezug zu anderen, eher schulpädagogischen Diskursen der Lernmaterialproduktion zu setzen und über die Analyse hinaus selbst Lernmaterial für einen frei gewählten, formalen oder informellen Kontext zu gestalten.
  • Die Kontexte sind es auch, die im Fokus meiner zweiten Lehrveranstaltung stehen: Im Fokus der (eher) forschungsbasierten Veranstaltung steht das Analysieren und Hinterfragen eines formalen und eines informellen Kontexts. Jeweils die Hälfte des Seminars setzt sich mit dem einen (bzw. dem anderen) Kontext auseinander, sodass alle wechselseitig von den Ergebnissen profitieren und sich wichtige Fragen bzgl. der Kontext-Gestaltung aus dem kontrastierenden Vorgehen ergeben.

Auf beide Lehrveranstaltungen freue ich mich sehr, weil sie inhaltlich aktuelle mediendidaktische Fragestellungen aufgreifen und Studierende durch ihr eigenes Tun zum Fragen (und damit Forschen) anregen. Die Seminare werden überdies durch Blogs begleitet, die – wie gewohnt – öffentlich zugänglich sind und von außen verfolgt werden können (zum Kontext-Blog; zum OER-Blog). Über Kommentare zu den einzelnen Blog-Beiträgen und Feedback jeder Art freuen wir uns natürlich sehr.

Semester“ferien“

Gerade sind Semesterferien. Zur Erinnerung: Mit Semesterferien wird die Phase im Studium bezeichnet, wo man eine längere Zeit auf Achse ist, wo Urlaub oder Praktika gemacht werden und wo zuhause oder in der Bibliothek Hausarbeiten geschrieben werden. „Schöne Ferien,“ hieß es daher oft unter Kommiliton_innen. Gemeint war eine schöne freie Zeit und die Hoffnung auf ein Wiedersehen nach den Ferien. Denn am Studienort war eigentlich niemand, allenfalls für kürzere Phasen, wenn die Bücher ausgingen oder ein Abgabetermin anstand. Das Komische daran: Semesterferien sehen heute irgendwie anders aus – nicht bei den Studierenden, denn die Flure sind leer. Aber bei mir als Dozentin an einer Uni durchaus. Es gibt vor Ort viel zu organisieren, zu korrigieren, zu schreiben. Auch stehen einige Reisen an, allerdings aus dienstlichen Gründen, die einer Vor- und Nachbereitung bedürfen. Einzig die selbstbestimmte Einteilung der Zeit ist von früher geblieben. Immerhin.

Geblendet (von der Morgensonne) #medida15

Eine ganz neue Erfahrung: morgens um kurz nach 7 Uhr die Bahn zu nehmen, um ab etwa halb Acht den Laptop aufzuklappen und sich (gedanklich) auf die kommende Vorlesung einzustimmen. Etwa so wird in den kommenden Wochen jeder Mittwochmorgen für mich aussehen: Zwischen Acht und halb Zehn findet dann meine Einführungsvorlesung in die Mediendidaktik im großen Hörsaal 4 der Humanwissenschaftlichen Fakultät statt. Vor Vorlesungen wie diesen, die für viele Studiengänge an der Universität zu Köln geöffnet sind und große Studierendenzahlen ansprechen, habe ich als Lehrende durchaus Respekt. So gilt es für rund 270 angemeldete Studierende Inhalte auszuwählen, die ich für eine heterogene Gruppe als angemessen erachte, und eine interessante Form für die Vorlesung zu finden, die auch zum Kommen und Mitmachen einlädt.

Im Vorfeld habe ich mir daher viele Gedanken um diese Veranstaltung gemacht und ein Konzept entwickelt, das durch Forschungsorientierung gekennzeichnet ist. Weil speziell die Betreuung in forschungsorientierten Vorlesungen anspruchsvoll ist, setze ich – passend zum Thema – unterschiedliche digitale Ressourcen (LMS, internes Wiki, Blog, Twitter) ein. Zudem gibt es eine Online-Sprechstunde durch die involvierte Tutorin Sabrina. Zur direkten Ansprache der Studierenden dient Sabrina und mir vorwiegend ein narratives Instrument: Wir schreiben ab sofort regelmäßig ‚Forschungspost‘ an die Studierenden. Damit meinen wir einen (offenen) Brief zur Forschungsorientierung, der an den Stellen zum Einsatz kommt, wo die Forschungsorientierung den Studierenden zu schaffen machen könnte. Die erste Forschungspost ‚gute Reise‘ steht daher auch seit Vorlesungsbeginn online.

Ich bin schon sehr gespannt, wie das forschungsorientierte Vorlesungskonzept in Gänze aufgeht und freue mich sehr, dies auch im Rahmen von Lehre hoch n im Jahresprogramm 2016 reflektieren zu dürfen. Aber auch die (frühe) Vorlesungszeit hält einige Herausforderungen für mich parat. Denn pünktlich zur Mitte der Vorlesungszeit werde ich künftig geblendet: von der aufgehenden Morgensonne beim Blick ins Plenum. Natürlich werte ich dies als positives Zeichen – und stelle mich pragmatisch auf die andere Seite des Hörsaals.

Hochschuldidaktik in Theorie, Empirie und Praxis: Rückblick auf drei Workshops

Huch, es ist Ende Mai und seit meinem letzten Posting ist allerhand passiert. Wir blicken u.a. zurück auf die Reihe „Hochschuldidaktik am Mittwoch“. Damit schauen wir zurück auf drei hochschuldidaktische Workshops, die das thematisch-inhaltliche Spektrum des neu gegründeten Higher Educational Design Research Center an der Zeppelin Universität Friedrichshafen aufzeigen und – im Juni – in eine Art Eröffnungsveranstaltung zum HEDeR, wie das Forschungszentrum kurz heißt, münden. Die zurückliegenden Workshops waren klein, aber fein, könnte man sagen, denn: Wir wurden nicht gerade überrannt von Teilnehmenden, was aber angesichts des vorhandenen Interesses und der Intensität der jeweiligen Diskussionen nicht schlimm war. Vielmehr stand das mediengestützte Lehren und Lernen, die Forschungsorientierung in Studium und Lehre sowie das kreative Prüfen im Zentrum der Veranstaltungen. Die Ergebnisse sind durchaus interessant, zeigen sie doch immer wieder auf, wie nah Forschung und Praxis der Hochschuldidaktik beieinander liegen und wie die Reflexion über Forschungsergebnisse und die Gestaltung (z.B. von Lehre) einhergehen können. Entsprechend klar sind auch die Ergebnisse der Workshops zu benennen: Beim ersten Workshop (mediengestütztes Lehren und Lernen) haben wir besonders viel Wert auf den Planungsaspekt von Lehre und den – bezogen auf Medien – nötigen Austausch und die sinnvolle interne Vernetzung von Lehrenden und Studierenden gelegt. So kamen einige Lehrende zu Wort, die bereits eigene Umsetzungsversuche mit digitalen Medien an der ZU gestartet haben, die gerne ihre Erfahrungen weitergeben, aber auch auf Metaebene über das Lernen mit Medien einsteigen wollten. Zugleich haben Studierende aus meiner Lehrveranstaltung im Masterstudiengang Communication & Cultural Management ihre Ideen und Befunde zur mediendidaktischen Qualifizierung von Lehrpersonen vorgestellt. Der zweite Workshop zur Forschungsorientierung griff dann das Credo „Bildung durch Wissenschaft“ auf, welches für die Lehre an der ZU maßgeblich und genauso wesentlich für das HEDeR ist. Diskutiert wurde anhand eines Papiers, das unterschiedliche Facetten von Forschungsorientierung ausmacht und zu Theorie und Praxis in Bezug setzt. Dass wir uns hier für die Arbeit am Artefakt entschieden haben, ist sicherlich ein inhärentes Charakteristikum aller bisherigen drei Veranstaltungen: Inhalt und Methode wurden stets aufeinander angepasst und so „erlebbar“ für alle Teilnehmenden. Der dritte Workshop zum kreativen Prüfen nahm den Ausgang bei 36 Prüfungsvarianten (die über Gabis Blog zugänglich sind), fokussierte ihre Tauglichkeit vor dem Hintergrund sich unterscheidender Lehr-Lernziele und thematisierte schließlich ein Modell, welches die Anerkennung diverser Prüfungsleistungen vor allem administrativ erleichern soll, denn: Obschon Prüfungen vielfach als gesetzt oder durch Bologna eingeschränkt wahrgenommen werden, kamen wir im Workshop zu dem Schluss, dass man Prüfungen aus Lehrenden- und aus Studierendensicht gestalten kann – wenn man will. Dass dabei Rahmenbedingungen der Organisation, aber auch der eigene Standpunkt bzw. Habitus mitunter Grenzen ziehen, ist über das Prüfungsthema hinaus bei allen Themen deutlich geworden. Alles in allem liegen also drei spannende Workshops hinter uns – und wir freuen uns auf den vierten im Bunde, der sich eben speziell der entwicklungsorientierten Bildungsforschung im Kontext Hochschule widmet (herzliche Einladung!).

Gute Vorsätze? Wichtige Vorhaben? Klare Ziele?

Nun ja, von allzu kleinteiligen Überlegungen um die Jahreswende, die man angesichts der Überschrift vielleicht erwarten würde, halte ich wenig. Sie werden zu schnell ad acta gelegt. Hilfreicher finde ich schon den Blick zurück auf das, was war, denn zurückzublicken heißt immer auch vorauszudenken.

2013 war für mich ein besonderes Jahr, das zunächst im Zeichen der Vertretungsprofessur in Heidelberg und damit zusammenhängenden Verpflichtungen in der Lehre stand. Dazu zählten z.B. die Übernahme von 4-5 Lehrveranstaltungen pro Semester, die Begleitung des Schulpraktikums (im Fach Deutsch) sowie die Betreuung von Masterarbeiten. Alle Aufgaben zeitgleich zu übernehmen, gehören zum normalen Pensum. Sie sind aber auch anspruchsvoll in der Umsetzung, wenn man bspw. alle Lehrangebote interessant, interaktiv und projekt- bzw. forschungsorientiert gestalten will. Ob und inwieweit mir letzteres gelungen ist, kann ich rückblickend nicht eindeutig sagen: Selbst wenn ich mich in der Lehre eher als Coach verstehe, steht Hierarchie einer Lehre auf Augenhöhe oft im Wege. Das gilt übrigens auch für Weiterbildungsveranstaltungen. Es besteht einfach Respekt gegenüber Dozierenden, und gerade in Prüfungssituationen – ich denke insbesondere an die bis dato curricular verankerten Disputationen zur Masterarbeit in Heidelberg – verfällt man schnell in klassische Verteilungen und Muster.

Forschungsseitig kamen im vergangenen Jahr einige Vorträge und Publikationen zusammen, die Interessen aus vorherigen Arbeitsstellen bündelten, neue Phänomene (bspw. MOOCs) aufgriffen oder ein Stück weit auch auf das vorausblickten, was ich jetzt in Friedrichshafen mache. So hat Hochschule/Universität über das Jahr hinweg eine wichtige Rolle gespielt, auch Medien und Organisationskultur(en) kamen wiederholt vor. Zugleich hatte ich das Gefühl, dass meine ausbalancierte Sichtweise auf die Dinge oft als „wenig euphorisch“ wahrgenommen wurde, wie es eine Teilnehmerin in einer Weiterbildungsveranstaltung formulierte. Dieser Hinweis galt speziell „den Medien“, denn von einer Mediendidaktikern wird wohl erwartet, dass man digitale Medien(-angebote) als Lösung für alles präsentiert. Dass ich hier eine pädagogische und nicht (informations- bzw. sozio-)technische Sichtweise vertrete, dürfte über das Jahr klar geworden sein, sei es in den Vorträgen zu MOOCs oder zu den (angeblichen) Edupunks, sei es als Jury-Mitglied im MOOC-Production Fellowship oder auf der USA-Reise der Fulbright-Kommission. Entsprechend habe ich mich im vergangenen Jahr viel mit dem Medienbegriff und mit alternativen Konzepten zum Lernen mit Medien auseinander gesetzt, woraus u.a. ein Workshop auf der GMW-Jahrestagung in Frankfurt zu etwaigen Leerstellen der Beschäftigung mit Medien im Kontext Hochschule resultierte (zum Workshop-Blog). Aber auch die Nachbereitung des Medienprojekts „Reflect!“, das wir ebenfalls im letzten Jahr abgeschlossen haben, deutete für Mediendidaktiker in eine ungewohnte, nämlich stärkere medienpädagogische Richtung. Die wesentlichen Ergebnisse daraus wurden im Abschlussbericht für das JFF/BMFSFJ, aber auch in zwei wissenschaftlichen Publikationen aufgegriffen und kürzlich veröffentlicht.

Ja, was noch? Die Pendelei nach Heidelberg und die Vortrags- bzw. Tagungsreisen an unterschiedliche Orte haben mich zunächst sehr geprägt; später begleiteten mich wichtige Entscheidungen.  So verbinde ich mit der zweiten Jahreshälfte vor allem eine Phase des Ankommens an der Zeppelin Universität Friedrichshafen. Und der Kreis schließt sich gewissermaßen, wenn übernächste Woche das Semester an der ZU beginnt und ich nach ersten forschungsseitigen Tätigkeiten und dem gegenseitigen Kennenlernen wieder in die Lehre einsteige. Mal schauen, was ich Ende 2014 davon berichten werde. Happy new year!

In Reichweite: Semesterbeginn

Ungewohnt ist es ja schon, wenn kurz vor Weihnachten die letzten Details für die Lehre abgesprochen werden, bevor es im Januar mit dem neuen Semester losgeht. Das neue Semester heißt in der Sprache der Zeppelin-Universität Spring14 (im Herbst entsprechend Fall14) und steht für mich tatsächlich ganz im Zeichen der Lehre: Erst geht es darum, zusammen mit Gabi die Erstsemester zu begrüßen und mit ihnen zu erarbeiten, was das Studium an der ZU heißt; eine Woche später beginne ich mit eigenen Lehrveranstaltungen, die sowohl fachlich gerahmt sind als auch überfachlich aufgestellt werden. So habe ich die Möglichkeit, im kommunikations- und kulturwissenschaftlich geprägten CCM-Studiengang ein Masterseminar zu aktuellen Fragestellungen anzubieten. Etwas spezifischer lautet mein Arbeitstitel „Medien | Machen | Praxis“, denn letztlich soll im Seminar auf Basis eigener Medienprojekte die Brücke zwischen aktuellen Medienentwicklungen und theoretischem Wissen sowie zwischen konkreten Anwendungsfällen und Arbeitsmarkt- und Berufsbezug geschlagen werden. Ich bin gespannt, wie die Veranstaltung gelingt und welche Möglichkeiten der Ausgestaltung sich im forschungsorientierten Master bieten werden. Darüber hinaus bin ich in das Zeppelin-Projekt eingebunden, das sicherlich eine Besonderheit an der ZU und in der deutschen Uni-Landschaft ist. Hier haben Studierende des ersten Fachsemesters die Chance, sich ausgehend von einem programmübergreifenden Rahmenthema mit einer interdisziplinären Forschungsfrage auseinanderzusetzen. Die Auseinandersetzung findet sowohl allein als auch in der Gruppe sowie begleitet durch Lehrende der verschiedenen Studienprogramme statt. Einige überfachliche Angebote flankieren das Zeppelin-Projekt, u.a. auch unser Lehrangebot zum Projektmanagement. Auf das Lehrangebot freue ich mich sehr, denn es ist gelebte Kooperation und Interdisziplinarität, wenn vier Lehrende gemeinsam ein Angebot „stricken“ und sich damit selbst auf ein neues Terrain in der Lehre begeben.