Neue ZFHE-Ausgabe: Künstlerische Forschung an Hochschulen und Universitäten

Eine interessante neue Ausgabe der ZFHE ist online gegangen. Dieses Mal geht es um künstlerische Forschung und damit zusammenhängende Fragen in der (Aus-)Bildung von Studierenden. Nicht zuletzt, weil ich zusammen mit ZU-Kolleginnen auch einen Beitrag beisteuern konnte, verlinke ich die Ausgabe gerne hier.

Aufschluss über unseren Beitrag liefert das Abstract:
„Im Spannungsfeld zwischen epistemischen Fachkulturen und arbeitsmarktspezifischen Anforderungen setzen Hochschulen Studienprogramme zu künstlerischer Forschung um. Dabei stehen individualisierte Lehr-Lernsettings und subjektiv-reflektierte künstlerische Praktiken im Zentrum. Eine konsequent forschungsorientierte Ausbildung von Studierenden – auch jenseits von Kunsthochschulen – blieb bislang jedoch aus. Daher blickt dieser Beitrag mit einer Bildungsperspektive auf ebensolche Studienprogramme. Anhand einer qualitativen Inhaltsanalyse an 13 Hochschulen im deutschen Sprachraum fragt er nach dem Transferpotenzial künstlerischer Forschung auf das Konzept des forschenden Lernens und wagt das Gedankenexperiment, künstlerische Forschung bereits auf Bachelor-Niveau einzuführen.“ (zum Artikel)

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Vortrag: Schwarze Löcher, blinde Flecken, konzeptionelle Leerstellen

Spät, aber nicht weniger gerne stelle ich an dieser Stelle meine Vortragsfolien zur Verfügung, die mir bei der Frühjahrstagung der Medienpädagog_innen als Diskussionsgrundlage dienten. Im Fokus der Tagung standen dieses Mal blinde Flecken medienpädagogischer Forschungstätigkeit. So lag es nahe, mein bei der Herbsttagung in Augsburg vorgestelltes Thema einer Medienbildung an der Hochschule mithilfe der Metaphern von schwarzen Löchern, blinden Flecken und konzeptionellen Leerstellen nochmals aufzugreifen. Ich habe den Vortrag in sehr guter Erinnerung, weil die Idee einer Medienbildung an der Hochschule zur intensiven Diskussion im Plenum anregte: bspw. dahingehend, wie man sich an Hochschulen derzeit mit Medien beschäftigt und welche Rolle darin produzierende (ggü. rezeptiven) Momente haben. In der Diskussion über die medialen Handlungspraktiken an Hochschulen steckte aber das spannendste Moment: Inwieweit unterscheiden sich die medialen Handlungspraktiken von den Praktiken, die per se im Hochschulkontext angestoßen werden? Sind mediale Handlungspraktiken immer auch forschende Praktiken? Wie passen sich diese Fragen zur breiteren Diskussion um Bildung durch Wissenschaft ein?

Gelungen war auch, dass unsere Session einen Bezug zur Medienbildung in Schulen und Hochschulen erlaubte, und damit letztlich die wichtigsten Bildungsinstitutionen fokussiert werden konnten. Weniger berührt wurden außeninstitutionelle Fragen, die aber hinsichtlich einer Medienbildung genauso von Bedeutung wären. Hinter der Forderung nach Medienbildung steht schließlich immer auch eine Idee von Bildung – und damit zusammenhängend persönlichkeitsbildende Überlegungen ausgehend von Subjekt.

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Was sind ‚die Medien’? Oder: Zwei Vorträge, wie sie unterschiedlicher kaum sein konnten

Was sind ‚die Medien’? Und wie kann man sie in der Schule einsetzen? Diese beiden Fragen standen im Vordergrund zweier zurückliegender Vorträge, die zwar inhaltsähnlich waren, aufgrund ihrer Zielgruppen aber kaum unterschiedlicher ausfallen konnten:

Am vergangenen Samstag hatte ich es bei der KinderUni Friedrichshafen mit 7-jährigen zu tun, die mit Wickie und mir auf große Fahrt auf die Suche nach den Medien gehen wollten. Auf der Fahrt haben wir die Medien gesucht (und gefunden), währenddessen den schrecklichen Sven abgelenkt und wir wollten, dazu sind wir aber live nicht mehr gekommen, Ylvi eine Brieftaube schicken. Inhaltliche Impulse und eine kindgerechte Vorgehensweise wechselten sich während dieses Vortrags ab. Um eine sinnvolle Struktur zu finden, kam mir ein wenig zugute, dass meine Materialien vorher von der Zielgruppe getestet wurden. Sonst wäre ich sicherlich an der einen oder anderen Stelle überrascht gewesen! Schlicht überwältigt war ich z.B. von der Wissbegierde der Kinder und von ihrer positiven Art, sich mit einem (Forschungs-)Thema auseinanderzusetzen. Besonderen Gefallen haben sie etwa an den empirischen Befunden aus der jüngsten KIM-Studie und an einem Film, „wie die Bilder laufen lernten“, aus dem Deutschen Filmmuseum in Frankfurt gefunden. Beides hat mich überrascht, da die Inhalte durchaus komplex waren und die Kinder herausgefordert haben. Besonders schön fand ich im Verlauf, dass wir nach gut der Hälfte der Zeit zusammen den Seminarraum in ein Kino umgewandelt haben und sich dadurch eine andere Gesprächssituation ergab. Die Idee dazu stammt aus meiner Heidelberger Zeit: Hier hat sich speziell in den Grundschulen als hilfreich erwiesen, den physischen Raum in Gestaltungsüberlegungen einzubeziehen. Gleichzeitig soll die KinderUni m.E. auch Einblicke in Forschung und Forschungshandeln der Referent_innen geben. Mir war es daher genauso wichtig, ein solches Szenario zu finden, das Kinder als kleine Forschende ernst nimmt. Nicht ganz unbegründet berichtet daher die Schwäbische Zeitung über die KinderUni als „Schnuppern in viele spannende Themen“ (Link zum Beitrag).

Die Zielgruppe Kinder fest im Blick, fokussierte der heutige Kongress Kids & Marke auf die Mediennutzung von Kindern, auf Werbewirkung und Erinnerungswerte (Recall), um Werbung, aber auch unternehmensnahe (Bildungs-)Projekte gut zu platzieren. Mein Vortrag zu ‚Medien. Machen. Schule.’ sollte daher vor allem einen kritischen Beitrag leisten, wie man Medien auch verstehen kann und wieso sich jegliche Projektvorhaben in Bildungsinstitutionen wie der Schule an Bildungszielen orientieren sollten. Anders als bei der KinderUni lässt sich unter Erwachsenen schnell zeigen, dass Medien häufig als digitale und technische Medien verstanden werden. Dass sich durch die Mediennutzung aber spezifische kommunikative Handlungspraktiken ergeben, die im medienpädagogischen Diskurs von besonderem Interesse sind, musste erst erarbeitet werden: So habe ich am Beispiel mehrerer Projekte gezeigt, welche Aneignungsformen von Medien darin jeweils ermöglicht wurden. Warum der Vortrag mit ‚Medien. Machen. Schule’ betitelt war, ergab sich aus dem letzten Abschnitt des Referats. Dieser sollte vor allem mediendidaktische Gestaltungsvorhaben in der Schule adressieren (siehe folgenden Auszug aus dem Vortrag).

„Mediendidaktische Gestaltungsvorhaben in der Schule:

  • sind geprägt vom institutionellen Kontext, innerhalb derer in, mit und durch Medien gelernt werden soll.
  • verstehen sich integrativ zwischen Mediendidaktik und Medienerziehung.
  • zielen durch den zugrunde gelegten Kontext grundsätzlich auf selbstbestimmte Persönlichkeiten ab (Bildungsidee).
  • stellen sich bis dato nur selten kooperativ-vernetzt (bezogen auf Partner des Lernens, Erweiterung des unterrichtlichen Settings etc.) dar.
  • wollen aber in jüngerer Zeit wieder Partizipation an Bildungsprozessen (z.B. mittels Peer Education) und so eine Entwicklung des Unterrichts erreichen.“

Nach einer Weitung des Blickwinkels vom Unterricht zur Schule kam ich dann zu folgendem Schluss, der auch die Erlebnisse aus der KinderUni produktiv aufgreift:

  • „Didaktik ‚heute‘ unter Einbezug digitaler Medien zu denken, aber: Weitung der Perspektive vom Einzel- bzw. Regelunterricht auf die Schule als Ganzes nötig
  • Bleibende Herausforderungen aufgrund des vorherrschenden, technisch dominierten Medien-Verständnisses (durch das historisch bedingte Verhältnis von Technologie und Medien)
  • Umgang mit fehlender Infrastruktur bis auf Weiteres unklar (u.a. Klärung von Verantwortlichkeiten, Spannungsfelder von Freiheit und Kontrolle im schulischen Kontext, Datenschutz)“

Spannend war das Plenar-Feedback auf den Vortrag: So wurde nach der Infrastruktur für Medien(-einsatz) in Schulen gefragt, die sich bekanntermaßen immer noch (eher) schwierig/schlecht darstellt. Zudem wurde der inhaltliche Gehalt von Mediennutzungsstudien bezweifelt, den man natürlich immer hinterfragen kann. Aus meiner Sicht lohnt sich der Blick in empirische Befunde aber doch: vor allem um zu begreifen, welche Relevanz technische Medien bereits im Alltag haben und dass Schule sich dieser Entwicklung (wahrscheinlich) nicht ganz verschließen kann. Im Gegenteil: Eher ist nach sinnvollen Möglichkeiten zu suchen, wie man den täglichen Mediengebrauch in der Schule auch besprechen/diskutieren kann und so Fähigkeiten in der Medienkritik (mit) entwickelt.

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Medienbildung an der Hochschule? #mwb2015

Die Tagung „Medien – Wissen – Bildung: Medienbildung wozu?“ hat mich in diesem Jahr besonders angesprochen, wurde doch gefragt nach spezifischen Verständnissen von Bildung, nach Perspektiven für Medienbildung sowie nach sich verändernden Handlungspraktiken, welche im (medialen) Handeln des Einzelnen sichtbar werden. So war es in den letzten beiden Tagen vor Ort in Innsbruck sehr bereichernd, mit Vertreter_innen ganz unterschiedlicher Bezugsdisziplinen über Medien- und Bildungsverständnis zu diskutieren, mit ihnen nach der praktischen Relevanz dieser Fragen zu suchen und die Bedeutung der Praxen umgekehrt wieder in den Diskurs einzubringen. Entsprechend gab es Beiträge auf der Tagung, die sich eher theoretisch Medien, Bildung und Medienbildung näherten, sowie eher gestaltungsorientierte Beiträge, die sich intensiv (aber nicht ausschließlich) mit der Bedeutung normativer Setzungen für eine Anwendung in der Praxis auseinandersetzten (zum detaillierten Programm). In letzteren Bereich fiel sicherlich auch mein Poster, auf dem ich Optionen für eine Medienbildung an der Hochschule offenlegen und vor allem zur Diskussion über die enge Verbindung von Forschungsverständnis, Medien(-begriff) und Bildung(-sbegriff) beitragen wollte. Die Einbindung in ein sog. Educamp gab mir dann viel Raum, mit den Teilnehmenden nach solchen Optionen zu suchen sowie derzeitige Begriffe bzw. Konzepte auch zu schärfen. Weiter beschäftigen werden mich sicherlich die (diversen) Bilder von Medienbildung, die auf der Tagung sichtbar wurden und die u.a. Petra Missomelius auf ihrem Poster festgehalten hat (ein kleiner Eindruck ist schon online). Letzteres ist nicht nur sehenswert, sondern regt auch dazu an, andere Darstellungsweisen für den Ausdruck komplexer Zusammenhänge zu nutzen (wie dies bspw. auch in den Künsten üblich ist).

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Neues Forschungsprojekt: FideS (Forschungsorientierung in der Studieneingangsphase)

Forschendes Lernen oder, weiter gedacht, Forschungsorientierung in Lehre und Studium interessieren mich schon länger. Zuerst habe ich mich mit dem „Königsweg“ forschenden Lernens als Lehrende beschäftigt, als es nämlich um die sinnhafte Gestaltung meiner Methodenkurse ging. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung damit und darüber war dann sehr hilfreich: Sie hat mir geholfen, passende Umsetzungen für die eigene Lehre zu finden, Forschungsorientierung aber auch als „größere“ Strategie für Lehre und Studium zu verstehen und selbst darüber zu forschen (bspw. zum Zusammenhang forschenden Lernens in, mit und durch (digitale) Medien). Umso mehr habe ich mich gefreut, als bekannt würde, dass unser kooperatives Forschungsprojekt FideS (Forschungsorientierung in der Studieneingangsphase) vom BMBF bewilligt wurde. Im Vordergrund des Projekts steht zu untersuchen, welches Verständnis von Forschung in unterschiedlichen Fachkulturen vorliegt, wie sich forschendes Lernen in der so wichtigen Phase des Studieneingangs tatsächlich gestaltet, aber auch, wie forschendes Lernen künftig aussehen könnte und welche Rolle u.a. Medien dabei spielen (siehe dazu weiterführend Gabis Post, Mandys Post und Ulrikes Post). Nun geht alles ganz schnell: Schon im April wird das Projekt starten und dann über drei Jahre laufen, die wir hoffentlich für interessante Untersuchungen und Entwicklungen nutzen können.

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Seminarauftakt: Bildungsprojekte gestalten, gesellschaftliche Veränderungen anstoßen

Lehre wird aus studentischer Sicht oft als Äquivalent zur Vermittlung von Inhalten und Theorien verstanden. Sie wünschen sich daher nicht selten, die theoretischen Inhalte auch innerhalb von Hochschule zur Anwendung zu bringen. Dieser Anwendungs- oder auch Praxisbezug fängt für sie bei Beispielen von Lehrenden innerhalb von Lehrveranstaltungen an. Er zeigt sich genauso in den Geschichten, die Studierende von eigenen (beruflichen) Erfahrungen erzählen. Eine weitere Möglichkeit stellen Seminar- oder Projekt-ähnliche Lehrveranstaltungen dar, die allein durch ihre Form den Wissenstransfer anstoßen wollen. In letztere Kategorie fällt sicherlich auch unsere Lehrveranstaltung „Bildungsprojekte gestalten, gesellschaftliche Veränderungen anstoßen“, die Taiga Brahm und ich im Frühjahrssemester 2015 an der Universität St. Gallen gemeinsam anbieten (zum Blog). Im sog. Kontextstudium bieten wir Studierenden hier die Gelegenheit, entweder selbst Projekte mit Bildungsbezug zu gestalten oder aber bestehende Bildungsprojekte mit wissenschaftlichen Methoden zu untersuchen und Gestaltungsempfehlungen zu ihrer Veränderung/Verbesserung abzugeben. Die Lehrveranstaltung gibt den Studierenden den Raum für eigene Forschungs- und Projektvorhaben, kann für sie aber auch eine Werkstatt zu sein, in der sie das eigene Projekt ausgestalten. Dazu haben wir bspw. den mittleren Teil des Seminars geblockt. Gespannt bin ich aber vor allem darauf, in welche Richtung sich die studentischen Projekte entwickeln, welchen Bildungsbezug sie herstellen oder welches größere (gesamtgesellschaftliche) Ziel sie mit den Projektvorhaben verfolgen. Gleichzeitig wird es interessant, wie man Inhalte (Theorien, Modelle, Konzepte, aber auch Begriffswelten und Zusammenhänge) aus Lehrendensicht so darstellt, dass sie dem Kontextstudium gerecht werden. Darin geht es nämlich unter anderem darum, dem Fachstudium ergänzende Perspektiven interdisziplinär zu entwickeln – und das auf Masterniveau.

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CfP: Junges Forum Medien und Hochschulentwicklung #jfmh15

2012 fand das Junge Forum Hochschul- und Mediendidaktik zum ersten Mal an der Universität Hamburg statt. Nach Stationen in Potsdam und Dresden wird es im Jahr 2015 in Düsseldorf zum vierten Mal ausgerichtet (derweil unter leicht anderem Namen – Junges Forum Medien und Hochschulentwicklung – und mit mehr Fachgesellschaften als Unterstützende). Ich berichte daher an dieser Stelle gerne über den bis 22.2.2015 laufenden Call for Presentations, denn: Das Junge Forum lebt von den Personen, die es mitgestalten und Beiträge in ganz unterschiedlicher Form einbringen. Gleichzeitig finde ich es bemerkenswert, dass das Junge Forum unter wechselnder Regie zum vierten Mal stattfinden kann – und das mit nahezu komplett ausgewechselter „Mannschaft“. Hoffen wir auf eine ebenso schöne Tagung in Düsseldorf im Juni.

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Zurückgebeamt: Einführungswoche an der ZU

Welche Ideen von Forschung hatten Sie, als Sie an der ZU begonnen haben zu studieren? Wie hat sich dieses Verständnis über die Zeit verändert? Was zeichnet Forschung oder vielmehr: zu forschen für Sie heute aus?

Solche und ähnliche Fragen standen gestern in einer Diskussionsrunde mit drei Studierenden höherer BA-Fachsemester und weiteren Gästen im Mittelpunkt. Der Hintergrund der Diskussionsrunde ist einfach zu erklären: An der ZU hat am Montag das neue Semester (Spring 15) begonnen und es gilt, Erstsemester in das Studium an der ZU einzuführen. Die Planung obliegt dabei der studentischen Vizepräsidentin mit ihrem Team, die gemeinsam dafür sorgen, dass sich die ersten Tage an der neuen Uni für alle positiv gestalten. Dazu gehören ein Ausflug oder Video-Schauen genauso wie fachliche Einführungen, organisatorische Hinweise und eben unsere Diskussionsrunde zum forschenden Lernen. In diese Diskussion bringen wir (das sind Gabi und ich) uns natürlich gerne ein, denn die Fragen der Erstsemester sind in der Regel vielfältig. Auch fordert ein forschungsorientiertes Studium den Studierenden mitunter mehr ab, als dies bspw. bei einem traditionellen Studienstart der Fall wäre. Umso interessanter sind dann Antworten älterer Semester: Sie setzen bspw. Arbeitsaufwände im ersten Studienjahr in Relation, machen Problembereiche ihrer eigenen Forschungstätigkeit weniger bei den Inhalten als beim wissenschaftlichen Arbeiten oder beim Projektmanagement fest oder sie sprechen darüber, welche Personen gerade im ersten Studienjahr (für Diskurs, aber auch zur Mediation) an Bedeutung gewinnen. Auch der Vergleich zu Formaten forschenden Lernens in der Schule fehlt in den Äußerungen und Bewertungen nicht.

Rückblickend war es für mich eine aufschlussreiche Diskussionsrunde, die Einsichten in das forschungsorientierte Studium an der ZU gegeben hat und die bei mir als Moderatorin den einen oder anderen Schmunzler verursacht hat: Ist man nämlich in die Begrüßung von Erstsemestern involviert, wird man immer auch ‘zurückgebeamt’ in die Zeit des eigenen Studienstarts, wo noch diffuse Vorstellungen zum Studium bestanden und Anforderungen mitunter als groß wahrgenommen wurden. Rückblickend waren diese sicherlich ‘halb so wild’ und dies war bestimmt eine der Botschaften, die Studierende gestern mitnehmen konnten. Gleichzeitig gilt der Studieneinstieg als besonders relevante Phase im Studium, die viel Aufmerksamkeit und Kommunikation von allen Seiten erfordert (siehe dazu auch Huber (2010) ‘Anfangen zu studieren‘).

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Zeit für … das Zeitpolitische Magazin

Über die Feiertage hat sicherlich so mancher Zeit. Auch Zeit dafür, um das Zeitpolitische Magazin zu lesen. So widmet sich die jüngste Ausgabe der privaten Kommunikation und wie sich diese in unterschiedlichen Lebensbereichen durch digitale Medien verändert hat. Das Heft „Privat kommunizieren – digital vernetzt“ macht dabei das breite Spektrum auf: von den Chancen und Möglichkeiten des Mediengebrauchs über den Einfluss der Mediatisierung auf unser soziales Zusammenleben bis hin zu Fragen der Entgrenzung mit/durch Medien. Ich selbst bin mit einem Beitrag zu „digitalen Papierfliegern“ vertreten. Darin stelle ich die Frage danach, wie digitale Medien weniger als Störfaktor in Unterrichtssettings, sondern als (sozialer) Raum für Wissen und Erkenntnis wahrgenommen werden könnten. Dass ich mit diesem Beitrag für eine jüngere Generation von Hochschullehrenden stehen sollte, wurde mir erst durch die Lektüre des Editorials so richtig bewusst (S. 5). Aber damit kann ich ganz gut leben, denn: Medien sind nicht per se gut oder schlecht. Es gilt vielmehr Folgen des Medieneinsatzes abzuschätzen und sie bedacht in vielerlei Settings einzusetzen.

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Podium: “OER in der Filmvermittlungsarbeit” #VisionKino14

Aktuell bin ich auf dem Kongress VISION KINO 2014, der sich im Herzen Kölns allen wichtigen Themen rund um Filmbildung widmet. Dazu gehört inzwischen auch das Thema OER, das bereits beim Veranstaltungsauftakt durch Ludwig Hecke, Staatssekretär im Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen, angesprochen wurde und sich seitdem durch die Veranstaltung zieht. Ein Podium widmete sich sogar explizit den freien Bildungsressourcen und den Facetten, die sich beim Medium Film – bspw. im Vergleich zu Textmedien – ergeben. Ich selbst sollte auf diesem Podium “zuständig” sein für die didaktische Seite, wie mir Michael Kaden, Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg / KMK, meine Aufgabe beschrieb.  Diese Aufgabe habe ich gern vor Ort wahrgenommen. Da meine schriftlich formulierten Statements jedoch nur in abgewandelter oder zugespitzter Form zum Tragen kamen, stelle ich die vier Thesen an dieser Stelle nun nachträglich zur Verfügung.

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Thesenpapier zur Podiumsdiskussion am 4.12.2014 zu
„Open Educational Resources (OER) in der Filmvermittlungsarbeit“
auf dem Kongress VISION KINO 2014

These 1: Open Educational Resources sind mehr als nur (Unterrichts-)Materialien.
Gemeinhin versteht man unter Open Educational Resources frei zugängliche Bildungsmaterialien zur Nutzung in Unterricht und Schule, aber auch in anderen Bildungsinstitutionen und darüber hinaus. Dieses Verständnis von OER greift meines Erachtens aber zu kurz: Es fokussiert lediglich ein wesentliches Charakteristikum, nämlich die freie Zugänglichkeit von Medien, die sich wiederum am besten oder am ehesten in sich manifestierenden Materialien zeigt. OER ist aber weitaus mehr, nämlich auch eine Idee, wie man Bildung einer größeren Gruppe ermöglicht (im Sinne von Open Education) oder – allgemeiner gesprochen – Kontexte variantenreich und offen gestaltet (im Sinne von Open Educational Practices).

These 2: Die Beschäftigung mit Open Educational Resources fordert umfassende(re) Medienkompetenzen ein.
Während die „Materialfrage“ vor allem technisch-instrumentelle Medienkompetenzen adressiert, setzt eine breite Auffassung von OER zusätzlich ein weites Medienkompetenzverständnis voraus: OER helfen dann dabei, neben Wissen über Medien und ihrer selbstverständlichen Nutzung in diversen Bildungs- oder alltagsnahen Kontexten auch Medien in unterschiedlicher Weise zu rezipieren, gemeinsam zu bearbeiten und kreativ zu verändern. Letzteres ist allerdings nicht unproblematisch, da so neben konkreten Lehr-Lerninhalten und ihrer didaktischen Gestaltung medien- bzw. urheberrechtliche Fragen berührt und etwa in der konkreten Unterrichtssituation gestellt werden. Solche Problematiken zeigen sich umso eher, wenn bei Medien wie Film Urheberinnen und Urheber nicht (mehr) eindeutig zu kennzeichnen sind oder sich durch die gewählte, mediale Form Unterschiede zwischen Trägermedien ergeben. Zur adäquaten Beurteilung werden schließlich umfassendere Medienkompetenzen über bloße technische Fähigkeiten in deren Gebrauch nötig.

These 3: Die Remix-Kultur, auf die OER oft aufsetzt, muss nicht im Widerspruch zu gewohnten Verfahren in der Medienproduktion stehen.
Zu aktiver Medienarbeit innerhalb und außerhalb der Schule gehört zwar die gemeinsame Produktionsphase, eine kollektive Veränderung von Medien – das sog. Remixen – ist dabei aber weder bei Text noch bei Film vorgesehen. Doch gerade dieses Remixen ist für die Medienkompetenzentwicklung bei Lernenden (und bei Lehrenden!) interessant: Durch die gemeinsame Produktion und Veränderung von Medien lassen sich diese in Form und „Charakter“ begreifen – bis hin dazu, dass ansonsten oft schwer vermittelbare Inhalte wie Medien- und Urheberrecht am Anwendungsfall plastisch werden, denn: Wem gehören eigentlich Medienprodukte, die „gemixt“ werden? Kaum ein anderer Kontext macht es Lernenden leichter, sich mit Rechtsfragen auseinanderzusetzen und gemeinsam nach Optionen zu suchen, bisher gültiges Medien- und Urheberrecht um passende Schutzbedingungen im Social Web zu erweitern. Entsprechende Lizenzen wie Creative Commons etc. dürften hier nur ein Anfang für neue Verfahrensweisen und Handlungspraktiken sein.

These 4: OER fördern „gute Schule“.
In vielen Bundesländern wird eine integrative Form der schulischen Medienbildung betrieben. D.h. es gibt kein eigenes Fach Medien oder die Verbindlichkeit, sich mit Medien in Unterricht und Schule zu beschäftigen. Auch der Deutsch- oder Informatikunterricht – die naheliegenden Fächer – kann diese Beschäftigung bei engen Stoffplänen oder anderen, ebenfalls wichtigen Themenbereichen nicht leisten. Durch die Verwendung von OER steigt aber zumindest die Wahrscheinlichkeit, dass sich Lehrerinnen und Lehrer, aber auch Schülerinnen und Schüler sukzessive Gedanken um den Einsatz und die Verwendung von (Unterrichts-)Materialien, aber eben auch um deren gemeinsame Weiterentwicklung und passende didaktische Szenarien machen. Da sich Schule so durch das trojanische Pferd der Medien zu guter Schule weiterentwickeln kann, wird OER nicht zuletzt in einen engen Zusammenhang mit institutionalisierten Formen des Lernens gebracht. Und damit wird letztlich erneut die Frage danach aufgeworfen, wer eigentlich für OER und dessen Initialisierung und Umsetzung in den Schulen vor Ort zuständig ist – und natürlich auch warum.

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